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Fazit / Archiv | Beitrag vom 05.03.2020

Rom feiert seinen berühmten KünstlerDie weltweit größte Ausstellung von Raffael

Von Lisa Weiß

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Zu sehen ist das Marienbildnis "Madonna die Foligno"des italienischen Künstlers Raffael aus dem Jahr 1511-1512. (picture alliance / dpa / Vatikan Museum)
Ein Ausschnitt des Gemäldes "Madonna die Foligno" von Raffael aus dem Jahr 1511-1512 (Öl auf Leinwand). (picture alliance / dpa / Vatikan Museum)

Zum 500. Todestag des Malers Raffael wird in Rom die bislang größte Ausstellung der Welt mit selten gezeigten Werken des Italieners eröffnet. Hier erfährt das Publikum auch, dass er der erste Denkmalpfleger der Geschichte war.

Die größte Raffael-Ausstellung, die jemals organisiert worden ist, wurde in den Scuderie in Rom eröffnet. Sie beginnt etwas überraschend: Raffael, wie er stirbt, sein Begräbnis und eine riesige Reproduktion seines Grabes im Pantheon. Aber der Anlass sei ja auch der Todestag, sagt Kuratorin Marzia Faietti:

"Sein Tod ist 500 Jahre her und wir wollten mit der aktuellen Situation anfangen, denn die Botschaft ist, dass Raffael ein großer Künstler ist, auch ein aktueller. Der Rundgang fängt von hinten an, so können wir besser das Endergebnis verständlich machen. Und welchen außergewöhnlichen Weg dieser junge, großartige Künstler beschritten hat."

Rom verdankt er seinen Weltruhm

Es soll eine Art Flashback sein, ein Parcours, der vom 6. April 1520, dem Karfreitag, an dem Raffael mit nur 37 Jahren starb, zurückführt über seine Zeit in Florenz bis hin zu seinen ersten Arbeiten in Umbrien. Die Besucher finden sich also in den ersten Sälen der Ausstellung in Rom wieder, der Stadt, der der Künstler seinen Weltruhm verdankt. Dort wird ihnen vor Augen geführt, dass Raffael nicht nur Maler und Grafiker war, sondern auch der erste Denkmalpfleger der Geschichte. Ernannt wurde er von Papst Leo X. und war dann für die Restaurierung der Architekturdenkmäler zuständig, wie der deutsche Kunsthistoriker Eike Schmidt erklärt:

"Die Ausstellung hat als Fokus die Bedeutung Raffaels, sein gesamtes Leben vor allem aber auch die Bedeutung Roms als künstlerisches und kulturelles Zentrum der Renaissance und somit auch Raffael und die Antike."

Leihgaben aus ganz Europa

Und genau hier kommen die Uffizien in Florenz ins Spiel, deren Direktor Eike Schmidt ist. Seit rund drei Jahren arbeiten die Scuderie mit den Uffizien zusammen, um die größte jemals organisierte Raffael-Ausstellung zu realisieren. Zu sehen sind viele Leihgaben von Museen aus Italien, Großbritannien, Spanien, Frankreich oder Österreich, erklärt Eike Schmidt:

"Mehrere Werke kommen zum allerersten Mal nach Italien. Niemals wurden so viele eigenhändige Werke von Raffael zusammengestellt in einer Ausstellung. Es ist eine einzigartige Möglichkeit auch seine Zeichnungen zu sehen. Normalerweise schlummern sie in den Zeichnungskabinetten, da sie aus konservatorischen Gründen nicht dem Tageslicht ausgesetzt sein dürfen."

Und nicht nur Zeichnungen sind in der Ausstellung zu sehen. Zum ersten Mal werden Raffaels Porträts der Päpste Julius II. und Leo X. zusammen gezeigt. Der Louvre hat das Porträt von Baldassarre Castiglione zur Verfügung gestellt, die Uffizien die Madonna del Granduca. Nur Raffaels Fresken fehlen, die lassen sich schlecht transportieren, dafür sind die Entwürfe ausgestellt. Und wer will, kann auch die beiden Werke La Velata und Fornarina vergleichen und sich selbst ein Bild davon machen, ob Raffael zweimal die gleiche Frau porträtiert hat. In der Ausstellung sind beide Bilder wenige Meter entfernt, normalerweise hängt das eine in Florenz und das andere in Rom.

Rot in all seiner Vielfalt

Die Idee sei eben, dass alle für die Ausstellung zusammenarbeiten. Für eine Ausstellung, die auch ein bisschen eine Ausstellung Italiens ist, sagt Kuratorin Marzia Faietti und lächelt. Doch die meisten Schwierigkeiten gab es ausgerechnet mit einem Bild aus den Uffizien in Florenz. Nämlich mit dem Porträt Leo X. mit den beiden Kardinälen Giulio de‘ Medici und Luigi de‘ Rossi. Die vier Mitglieder des wissenschaftlichen Komitees der Uffizien waren gegen eine Leihgabe. Es ging darum, ob das Werk zu wichtig für die Uffizien ist, um es zu verleihen und ob es überhaupt transportfähig ist. Doch am Ende setzte sich Direktor Eike Schmidt durch:

"Das Bild wurde in den letzten beiden Jahren restauriert. Zum einen, die Bildoberfläche. Dank dieser Restaurierung können wir jetzt die verschiedenen Rottöne in all ihrer Vielfalt wahrnehmen. Das war vorher nicht möglich. Das war vorher ein rotes Einerlei, eine Einheitsfarbe. Außerdem wurde der Bildträger aus Holz stabilisiert. Das heißt, das Bild ist wirklich in bestem Zustand und auch absolut reisefähig."

Die Besucher können sich jedenfalls über die Gelegenheit freuen, das Porträt in Rom zu sehen. In einer Ausstellung, die vielleicht ein bisschen so ist, wie es die Kuratorin Marzia Faietti Raffaels Kunst beschreibt: Sehr einfach und gleichzeitig sehr komplex, es geht um Gegensätze und um die Überwindung von Schwierigkeiten.

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