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Studio 9 | Beitrag vom 06.02.2020

Rolf Eden wird 90 Jahre altPlayboy, Provokateur und peinlichster Berliner

Von Catherine Newmark

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Rolf Eden sitzt an einem Caféhaustisch vor der Paris Bar in Berlin und isst Mittag. (imago images / Charles Yunck)
Rolf Eden lässt sich noch immer gern in Berliner Szene-Restaurants zum Mittagsessen sehen. (imago images / Charles Yunck)

Er floh vor den Nazis nach Palästina und kämpfte für die Unabhängigkeit Israels: Eine Biografie, die kaum einer mit Rolf Eden verbindet. Berlins größter Playboy ist ein Mythos und es gibt mindestens fünf Gründe, ihn zum 90. Geburtstag zu feiern.

Erstens

Friedrich Nietzsche schrieb einmal, es brauche sehr viel Tiefe, um die Oberflächlichkeit zu genießen. Keiner ist oberflächlicher als Rolf Eden. Ergo: keiner ist tiefer.

Zweitens

Nur die schönsten Frauen und nur der beste Champagner - ohne Zweifel: Rolf Eden ist ein Angeber. Er ist aber auch ein Tiefstapler: Als er drei Jahre alt war, floh seine jüdische Familie aus Berlin nach Palästina und nur 15 Jahre später kämpfte er noch als Teenager in einer Eliteeinheit für die Unabhängigkeit Israels. Von all dem aber erfuhr die Öffentlichkeit erst rund 60 Jahre später etwas, nämlich 2011 in dem Dokumentarfilm "The Big Eden".

Drittens

Wer nach Nazis, Holocaust, Flucht ins Ungewisse, und Aufbau eines völlig neuen Staates in feindlicher Umgebung 1956 zum Schluss kommt: Ich gehe nach Berlin und eröffne einen Club, in dem die DJane nackte Brüste hat, hat sicher einen Orden verdient - für den absolut idiotischsten und zugleich leichtfüßigsten Umgang mit der traumatischen deutschen Vergangenheit. Niemand sonst hat diese auch nur ansatzweise so erfolgreich und so charmant verdrängt wie Rolf Eden.

Viertens

Ein ordentlicher Playboy vom Schlage Edens ist ein Provokateur - und möglicherweise ein ewiges Kind in einem stets alternden Körper - aber kein Frauenfeind: Anders als die noch immer viel zu zahlreichen Alltagssexisten dieser Welt hasst er weder Frauen noch verachtet er sie. Er liebt sie und er braucht sie. In großen Mengen. Und mit einheitlicher Haarfarbe.

Fünftens

Mehr als ein halbes Jahrhundert lang nicht aus der Rolle zu fallen, immer der peinlichste Berliner zu bleiben und das lustvoll zu zelebrieren, dabei allmählich zur perfekten Karikatur seiner selbst zu werden: Das verdient längst einen Preis für Langzeitschauspielerei, mindestens aber Glückwünsche zum Geburtstag.

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