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Interview / Archiv | Beitrag vom 21.07.2015

Rockmusiker André Herzberg"Ich bin kein Versicherungsvertreter"

André Herzberg im Gespräch mit Christopher Ricke und Anke Schaefer

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Sänger und Autor André Herzberg im Backstage-Bereich des Deutschlandradio Kultur-Live-Studios der Leipziger Buchmesse.. (Deutschlandradio - Andreas Buron)
Pankow-Sänger André Herzberg - hier im Backstage-Bereich des Deutschlandradio Kultur-Live-Studios während der Leipziger Buchmesse. (Deutschlandradio - Andreas Buron)

Vor 25 Jahren fand in Berlin das legendäre "The Wall"-Konzert statt. Symbolträchtig feierten westliche Musiker den Fall der Mauer. Und was wurde aus den Ost-Rockbands jener Zeit? Pankow, eine der berühmtesten, tourt heute noch mit Frontmann André Herzberg.

André Herzberg ist wohl das, was man als "authentischen Typ" bezeichnet: Der Frontmann der DDR-Rockband Pankow wollte, nach eigenem Bekunden, nie etwas anderes als Musik machen. Über die Verwerfungen der Nachwendezeit, wo manch anderer Musiker übergangsweise zum Hotelbesitzer oder Lehrer wurde, um sich seine Brötchen zu verdienen, sagt er: "Ich bin kein Versicherungsvertreter." Sprich: Herzberg wollte konsequent bei der Musik bleiben.

Im Juli 1990 fand in Berlin, an der ehemaligen Mauer, das legendäre "The Wall"-Konzert statt. Auch Pankow, eine der führenden Ost-Rockbands, trat zu jener Zeit andernorts mit West-Bands auf: mit Rio Reiser etwa oder mit dem US-amerikanischen Musiker Ben Vaughn.

Pankow tourt fast nur noch im alten Osten

Schon vor dem Mauerfall hätte André Herzberg, der auch als Autor eines Romans und eines Erzählbands in Erscheinung getreten ist, Gelegenheit gehabt, hin und wieder in den Westen zu fahren, machte von dieser Möglichkeit jedoch keinen Gebrauch. "Ich glaube, ich hatte Angst vor diesem Schritt, vor dem Westen." Die Nachwendezeit nahm Herzberg als "desaströs" wahr – sie gipfelte in der Entlarvung des Band-Gitarristen Jürgen Ehle als Stasi-Spitzel. Ein Schock für alle Band-Mitglieder.

Und heute? Heute toure Pankow fast ausschließlich im alten Osten. "Wir sind eine lokale Band", meint der inzwischen fast 60-jährige Herzberg. Warum eigentlich? Im Westen, vermutet Herzberg, hätten nur wenig Leute sich überhaupt mit Ost-Musik beschäftigt. Und daran hätte sich offenbar auch nach der Wende wenig geändert.

 

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