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Aus der jüdischen Welt | Beitrag vom 08.03.2019

Rock aus Israel Dudu Tassa und das musikalische Erbe seines Großvater

Von Luigi Lauer

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Dudu Tassa, Manager Or Davidson, Produzent/Bassist Nir Maimon (von links) (Luigi Lauer)
Dudu Tassa, Manager Or Davidson, Produzent/Bassist Nir Maimon (von links) (Luigi Lauer)

Dudu Tassa ist einer der bekanntesten Sänger Israels. Seine Vorfahren stammen aus dem Irak. Seit einigen Jahren beschäftigt sich Tassa mit der Musik seines Großvaters und Großonkels und hat jetzt ein weiteres Album mit deren Liedern herausgebracht.

Es soll eine Kiste mit alten Schallplatten gewesen sein: Als Dudu Tassa die darin vorgefundene Musik entdeckte, ließ sie ihn nicht mehr los. Ob die Geschichte stimmt oder nicht – egal. Tassa war als Rockmusiker in Israel schon weithin bekannt und etabliert, doch die Neugier war stärker und bewog ihn, es sich unbequem zu machen. Manager Or Davidson übersetzt vom Hebräischen ins Englische:

"Natürlich gab es eine emotionale Verbindung, weil das die Musik meines Großvaters und seines Bruders war, und sie waren berühmt für das, was sie machten. Aber auch unabhängig davon interessierte mich die Musik, denn sie war so völlig anders als das, was ich machte. Klar: Als Jugendlicher wollte ich damit nichts zu tun haben, zumal sie auch Arabisch sangen, aber der Erfolg meiner eigenen Musik hat mich gelassen und selbstbewusst gemacht. Schließlich war ich an dem Punkt, mich auch mit ihrer Musik zu beschäftigen."

Dudu Tassas Interesse war ursprünglich rein privater Natur und nicht für die Öffentlichkeit gedacht, doch die ersten Auftritte waren überraschend erfolgreich und die erste Single – obwohl auf Arabisch – wurde in Israel häufig im Radio gespielt. Und das war die Folge eines Experimentes: "Ich habe nie versucht, die Melodien oder die Texte zu ändern. Die Musik sollte nur modernisiert werden, um sie den heutigen Hörgewohnheiten anzunähern." - Zumindest von den Texten her sollte das kein Problem sein, denn an Habibi, an der Liebe, erfreut mensch sich doch immer, oder?

"Es gibt tatsächlich viele Liebeslieder. Damals war es in Irak üblich, dass Liebeslieder nicht von Männern an Frauen gerichtet waren, sondern dass Männer sie an Männer adressierten. Oft geht es auch um Heimweh, man hat den Irak verlassen, hat Bagdad verlassen und ist nach Israel gegangen."

Die Heimat verlassen – das traf nicht nur auf den Großvater selber zu, sondern bringt in Israel grundsätzlich eine Saite zum Schwingen. Davon ist die Band nicht ausgenommen, denn die wurde nach den Fähigkeiten der Musiker zusammengestellt, nicht nach Religion, Sprache oder Abstammung.

"Wir wollen eigentlich nur Musik machen"

"Natürlich gibt es auch mal kleine Spannungen innerhalb der Band. Aber wir versuchen, sie außen vor zu lassen. Wir haben entschieden, alles beiseite zu lassen, was mit Politik zu tun hat. Stattdessen haben wir für jedes Lied die besten Ideen gesammelt und die besten Leute gesucht, um es adäquat umzusetzen. Das war viel wichtiger. Dadurch entstand ganz von selbst ein Projekt, das Menschen zusammenbringt und Brücken baut. Wir haben nicht an Politik gedacht, an die vertrackte Situation in Israel. Sobald wir außerhalb Israels spielen, werden wir als die Band gesehen, in der Juden und Araber zusammen singen und spielen. So kann man das auch sehen. Aber wir wollen eigentlich nur Musik machen."

Man muss keine politischen Lieder schreiben, um eine politische Aussage zu treffen. Darum ist so manche Türe auch verschlossen geblieben. "Wir waren in Jordanien und wollen demnächst nach Ägypten. Uns schreiben auch sehr viele Leute aus Irak, Libanon, Syrien, aber leider können wir dort nicht hin, ganz abgesehen von der Kriegsgefahr. Mit unseren Pässen lassen sie uns nicht rein. Dabei würden wir gerne überall spielen, wohin man uns einlädt."

Zumindest in Israel haben sie damit keine Schwierigkeiten: "Nein, keine Probleme. Im heutigen Israel nicht, man kann problemlos mit Arabern zusammenarbeiten. Das ist überhaupt kein Thema."

Vorband von Radiohead

Eine ganz besondere Einladung erhielten Dudu Tassa & The Kuwaitis, wie sich das Projekt nennt, von der Band Radiohead. 2017 lud Radiohead die israelische Gruppe ein, das Vorprogramm ihrer USA-Tournee zu bestreiten: "Das war natürlich eine aufregende Erfahrung, wenn nicht die beste überhaupt. Wir spielten in großen Sälen, in Stadien sogar, und das Publikum war jedes Mal umwerfend. Es war sehr mutig von Radiohead, eine Band aus Israel, die Arabisch singt, nach Trumps Amerika mitzunehmen. Aber die Leute tanzten und sangen und kauften CDs. Das war wirklich großartig."

Dass Radiohead zum Abschluss mit Dudu Tassa in Tel Aviv auftraten, fanden dann nicht alle so prickelnd. Die Band wurde aufgefordert, Israel wegen seiner Palästina-Politik zu boykottieren, unter anderem vom Pink-Floyd-Musiker Roger Waters. Radiohead antworteten, sie würden für die Menschen spielen, nicht für die politische Haltung ihrer Regierung. Und sie taten dies mit einem der längsten Auftritte ihrer Bandgeschichte. Für Dudu Tassa war das ein mutiger und richtiger Schritt, kommt doch Weltanschauung vom Anschauen der Welt: "Sprich mit uns, mach Musik mit uns! Sag uns, was du denkst, wir sind bereit für andere Meinungen. Aber komm!"

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