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Fazit | Beitrag vom 21.05.2019

Robert Rotifer zum Tod von Niki LaudaDer Mythos vom unzerstörbaren Stehaufmännchen

Robert Rotifer im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Airline Niki wird an Gründer Niki Lauda verkauft - Der damalige Fluglinienbetreiber und Pilot Niki Lauda winkt am 18.04.2010 nach der Landung des Testflugs mit einem A320 am Salzburger Flughafen aus dem Cockpit.  (Barbara Gindl/APA/dpa)
Schon früh sei das rote Käppchen zu Niki Laudas Markenzeichen geworden, erinnert sich Robert Rotifer (Barbara Gindl/APA/dpa)

Dass Niki Lauda schon wenige Wochen nach seinem schweren Unfall wieder Rennen fuhr, habe eine Art Heldensaga geschaffen, sagt der in Wien geborene Musiker Robert Rotifer. Das habe Lauda für sein Selbst-Marketing genutzt.

Er sei schon in seiner Kindheit mit dem Mythos Niki Lauda aufgewachsen, sagt der österreichische Musiker und Radiomoderator Robert Rotifer im Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur.

An den Unfall des Formel-1-Stars und auch an die Starre, in der sich das Land nach Laudas tragischem Unfall befand, kann er sich gut erinnern. Die scheinbare Auferstehung des schon totgesagten Lauda, der wenige Wochen nach seinem Unfall schon wieder Rennen fuhr, habe eine unglaubliche Heldensage bewirkt.

Irritierende Heldenfigur

Das Gefühl sei damals aber ein düsteres gewesen, weil in den siebziger Jahren viele Rennfahrer starben, sagt Rotifer, der 1969 geboren wurde. "Diese Figur, die immer aufgetaucht ist, mit diesem halbverbrannten Gesicht – das war auch schon äußerst makaber."

Der Soundtrack der Siebziger Jahre in Wien seien die Motoren der Rennwagen gewesen, deren Gebrüll während der Rundfunkübertagungen sonntags überall aus den Fenstern geschallt hätten.

Lauda sei ein unheimlich guter Selbstvermarkter gewesen und habe aus seiner Verstümmelung die "Grundlage für ein Marketing gemacht. So kaltschnäuzig er gegenüber anderen war, war er auch gegen sich selbst."

Vom Großbürgertum geprägt

Lauda habe durch seine Herkunft aus einer Industriellenfamilie – anders als andere Stars, wie etwa Arnold Schwarzenegger – immer die Aura eines Großbürgerlichen gehabt, so Rotifer:

"Sein gewisser sarkastischer Humor, sein Auftreten der Souveränität: Er hat immer das Gefühl vermittelt, er ist einer, der es besser weiß als die anderen. Er hat das Selbstverständnis des Wiener Großbürgertums verkörpert."

Lauda habe nie den Ruf gehabt, ein besonders warmherziger Zeitgenosse zu sein. Die Darstellung im Spielfilm "Rush" durch Daniel Brühl habe ihm sehr viel Sympathie eingebracht.

"Lauda ist bei Österreichern, bei denen politische Korrektheit nicht an vorderster Stelle steht, so eine Art Volksheld und Männlichkeitssymbol gewesen."

Beliebt hätten ihn auch die Fluglinien gemacht, obwohl er damit nicht sehr erfolgreich war. "Er hat immer diesen Ruf verbreitet, dass er weiß, was er tut. Aber er hatte als Geschäftsmann eine durchwachsene Karriere."

Lauda als Helfer fehlt

Und doch könne man gerade jetzt Laudas Charakter in der aktuell schwierigen politischen Situation in Österreich brauchen:

"Seine Fähigkeit, ganz präzise zu analysieren und festzustellen, was gemacht gehört und das dann irgendwie zu planen und auszuführen. Die Dualität, Dinge zu riskieren und kühl dabei zu bleiben, das ist schon ein Qualität. Das muss man schon anerkennen und das könnte man in Österreich durchaus gebrauchen." 

(mle)

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