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Fazit | Beitrag vom 07.01.2019

Robert Habecks Abschied aus den Sozialen Medien"Ein Weckruf an uns alle"

Marina Weisband im Gespräch mit Eckhard Roelcke

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Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Umweltminister von Schleswig-Holstein und einer der Kandidaten für den Parteivorsitz, reagiert am 26.01.2018 auf die Annahme seines Satzungsänderungsantrags bei der außerordentlichen Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis 90/Die Grünen in Hannover (Niedersachsen). (dpa / Bernd von Jutrczenka)
"Der Parteichef muss so kommunizieren, wie es ihm bequem ist und entgegenkommt. Und vor allen Dingen muss er mit der Presse kommunizieren," meint Marina Weisband. (dpa / Bernd von Jutrczenka)

Der Diebstahl privater Daten und ein misslungener Wahlkampftweet haben Grünen-Chef Robert Habeck dazu bewegt, die Sozialen Medien zu verlassen. Für Marina Weisband, Mitgestalterin der Grünen Internetstrategie, kein Problem.

"Mir ist das allemal lieber, wenn ein Politiker sagt, 'Twitter liegt mir nicht so', das Medium nicht nutzt, als wenn ein Politiker, der es nicht kann, es nutzt einfach nur, weil alle es machen." Das Medium Twitter müsse einem liegen, so Marina Weisband, einst wichtiges Mitglied der Internetpartei "Die Piraten", nun Mitglied einer "Impulsgruppe digitales Grundsatzprogramm" bei den Grünen. 

Twitter verzerrt die Debatte

Sicher ginge ihrem Chef durch den Abschied von den Sozialen Medien ein Stück weit eine Form der direkten Kommunikation verloren, aber das sei ihr lieber als "ein twitterndes Team Seehofer". Sie selber nutze Twitter sehr gerne, aber der Kurznachrichtendienst habe sich auch verändert.

Marina Weisband (dpa / picture alliance / Bernd Von Jutrczenka)Marina Weisband nutzt Twitter gerne, glaubt aber, dass Abstinenz auch gut tun kann. (dpa / picture alliance / Bernd Von Jutrczenka)

"Es war früher sehr, sehr gut als Politiker dieses Medium zu nutzen, nicht nur um eine eigene PR-Maschine zu betreiben, wie es heute viel genutzt wird, sondern auch um ein bisschen das Ohr an der Erde zu haben, an der Basis, wo die Leute sich unterhalten, um Stimmungen zu spüren. Das ging 2009 sehr gut", sagt die 31-Jährige. Heute ginge das gar nicht mehr, "weil die Debatte so verzerrt wird".

Kein demokratisches Medium

Trolls und Bots sowie andere politische Gruppierungen benutzen Twitter so, dass sie als ein paar Wenige "wie eine sehr laute Mehrheit" erscheinen. Als Politiker, der es gewöhnt ist, ehrlich und in gutem Glauben zu kommunizieren, wie es Robert Habeck tue, mache so etwas einen Menschen "sehr schnell sehr fertig", erklärt Weisband. "Eine tiefschürfende Diskussion kann man auf Twitter nicht führen. Es ist kein demokratisches Medium."

Sozial vernetzt: Partei ja, Chef nein

Während die Partei an sich schon bei den sozialen Medien vertreten sein müsse, gelte das für den Parteichef nicht, meint Weisband. Robert Habeck habe am Ende auch einen "Weckruf an uns alle gesendet, wie wir Debatten führen". Entschleunigung täte da gut. "Medienkompetenz heißt immer auch Medienabstinenz", lautet das Fazit der Internetexpertin.

(kpa)

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