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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 28.10.2016

Rindert Kromhout: "Brüder für immer"Geschichte einer ungewöhnlichen Patchwork-Familie

Von Sylvia Schwab

Zwei Menschen gehen über einen Hügel (AFP / Foto: Atta Kenare )
Geschwister: Beliebtes Thema in der Jugendbuchliteratur (AFP / Foto: Atta Kenare )

Der niederländische Schriftsteller Rindert Kromhout hat über hundert Bücher in verschiedenen Genres veröffentlicht und diverse Preise im Kinder- und Jugendbuchbereich gewonnen. Sein neuer Jugendroman heißt "Brüder für immer".

Geschwister sind auch in der Kinder- und Jugendliteratur ein beliebtes Thema - und so erzählt Rindert Kromhout in diesem mitreißenden Jugendroman die Geschichte von Quentin und Julian Bell. Sie waren die Söhne des englischen Intellektuellen Clive Bell und seiner Frau Vanessa Bell, einer gefeierten Malerin und Schwester von Virginia Woolf. Das Paar gehörte damit zum "inner circle" des legendären Bloomsbury-Kreises.

Quentin Bell ist der Ich-Erzähler, im Rückblick berichtet er von dem herrlich-idyllischen Leben, das seine Familie in den Jahren 1926 bis 1937 auf ihrem Landsitz Charleston in Südengland führte.

Sonderbar sind die Konstellationen: Mutter Vanessa, Malerin, und Vater Clive, ein Journalist, leben getrennt. Vanessa lebt mit dem schwulen Künstler Duncan Grant zusammen, mit dem sie auch die Tochter Angelica hat. Duncans Geliebter ist ständiger Gast, und oft kommen auch Virginia Woolf und ihr Mann Leonhard zu Besuch wie auch andere Künstler- und Literatenfreunde aus London.

Für die drei Kinder Quentin, Julian und Angelica sind dies herrlich freie, ungebundene und intellektuell anregende Jahre, in denen sie dazu erzogen werden, selbständig zu denken und ihren eigenen Weg zu gehen. Aber es geht Rindert Kromhout um weitaus mehr als "nur" um die idyllische Erziehung dreier junger Leute. Von Anfang an ist klar: Quentin wird den geliebten, zwei Jahre älteren Bruder im Spanischen Bürgerkrieg verlieren.

Die Nachricht vom Tod Julians kommt fast ohne Worte aus

Ein wehmütiger Hauch liegt so über dem Glück, den Gesprächen und Erlebnissen der Jungen und ihrer Familie. Quentin, der schon früh mit dem Schreiben beginnt, und Julian, der politisch interessiert ist und sich zum Kommunismus bekennt, stehen auch für zwei Haltungen, die nicht nur die englische Gesellschaft den aufkommenden Diktaturen in Deutschland, Italien und Spanien entgegenbringt. Im Hintergrund der Idylle dräuen die politischen Entwicklungen Europas.

Die Konstruktion des Romans - Quentin schreibt ihn nach Julians Tod unter der hilfreichen Aufsicht seiner Tante Virginia Woolf - ist natürlich erfunden. Eine gute Idee, weil man auf diese Weise nicht nur die Entwicklung der beiden Brüder von Kindern zu jungen Männern unmittelbar miterlebt, sondern auch, weil man Quentins Weg zum Schriftsteller begleitet: die erste kindlich-naive, später immer selbstkritischere Auseinandersetzung mit der Konstruktion von Erzählungen und der Frage nach der Wahrheit, die sich nach einem familiären Eklat vehement für alle stellt.

Rindert Kromhout hat für diese ebenso einfache wie komplexe Geschichte einen behutsamen Ton gefunden: Sensibel und klar erzählt er von dem Zusammenleben dieser ungewöhnlichen Patchwork-Familie. Doch je schwieriger und schmerzhafter die Lebenssituationen werden, desto lakonischer wird sein Ton. Die schreckliche Nachricht von Julians Tod kommt fast ohne Worte aus.

Das ist ein Kunststück. Mehr noch, es gibt diesem Buch einen ganz eigenen Sound, eine sehr eigene Energie, der man sich nur schwer entziehen kann. Ein schönes Buch!

Rindert Kromhout: "Brüder für immer"
Mixtvision, München 2016
256 Seiten, 14,90 Euro

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