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Chormusik | Beitrag vom 22.07.2020

RIAS Kammerchor: Synagogale Musik des 20. und 21. Jahrhunderts„Musik öffnet die Tür zu deinem Erbe“

Gast: Azi Schwartz, Kantor; Moderation: Elisabeth Hahn

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Der Kantor singt in einer Kirche gemeinsam mit einem Chor, der hinter ihm steht. (RIAS Kammerchor / Archiv)
Der Kantor der Park Avenue Synagogue in New York, Azi Schwartz, mit dem RIAS Kammerchor. (RIAS Kammerchor / Archiv)

Der New Yorker Kantor Azi Schwartz beschäftigt sich täglich mit seinem musikalischen Erbe. Zusammen mit dem RIAS Kammerchor unter Leitung des Chefdirigenten Justin Doyle hat er synagogale Musik aus Deutschland und den USA aufgenommen.

"Musik öffnet die Tür zu deinem Erbe und baut eine Brücke in deine Zukunft.", sagt Azi Schwartz, Kantor an der Park Avenue Synagoge in New York. Seine Idee war es, den Weg jüdischer Musik von Deutschland bis nach New York nachzuzeichnen.

Die Reise beginnt mit Louis Lewandowski und Emanuel Kirscher, wird fortgesetzt mit deren Nachfolgern in Amerika, u.a. Max Janowski und Shlomo Carlebach, integriert auch Bühnenmusiker wie Kurt Weill und Richard Rogers - und endet mit Kompositionen junger, zeitgenössischer Komponisten wie Gilad Hochman.

Azi Schwartz erzählt von seiner Herkunft und seinem Lebensweg:

"Ich bin in Israel aufgewachsen in einer kleinen Gemeinschaft. Meine Eltern sind auch in Israel geboren aber meine beiden Großeltern kommen aus Europa und zwar aus Ungarn und der Tschechoslowakei. Sie sind Holocaust-Überlebende...Mein Großvater war auch ein Kantor, er ist gestorben, als ich noch ziemlich jung war."

Ein junger Mann steht neben einem historischen, bemalten Orgelkasten. (RIAS Kammerchor / Archiv)Azi Schwartz, Kantor der Park Avenue Synagogue in New York, zu Besuch in Berlin. (RIAS Kammerchor / Archiv)

Dieses Kantoren-Erbe lebte in seiner Familie weiter. Er sei von klein auf immer fasziniert war von der Kantorialmusik, von der jüdischen Musik und dem Gesang.

"Musik war es auch, die mich nach Amerika brachte, um dort in einer jüdischen Gemeinde zu dienen in Manhattan. Es ist interessant, diese Synagoge wurde im späten 19. Jahrhundert gegründet von deutschstämmigen Juden. Deswegen ist es so eine Art Kreislauf: Ich bin mit jüdisch-europäischer Musik aufgewachsen und bin dorthin zurückgekehrt. Und besonders diese Anziehungskraft der jüdisch-deutschen Musik ist so ein wichtiger Teil des Erbes von dieser Synagoge."

Weiterhin berichtet Azi Schwartz von den Aufnahmen und der Zusammenarbeit mit dem RIAS Kammerchor im Jahr 2018, einer Produktion des Deutschlandfunk Kultur, sowie seiner musikalischen Arbeit in New York.

Das Album können Sie hier komplett abrufen. 

Ein Chor steht mit Gast und Dirigenten in einem Kirchenraum. (RIAS Kammerchor / Archiv)Azi Schwartz neben dem Dirigenten Jusin Doyle, umringt vom Kammerchor Berlin. (RIAS Kammerchor / Archiv)

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