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Konzert / Archiv | Beitrag vom 20.03.2020

RIAS Kammerchor mit Musik der SpätrenaissanceDer Heimat so fern

Moderation: Ruth Jarre

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Der RIAS-Kammerchor steht auf einer Treppe (RIAS Kammerchor/Matthias Heyde)
Der RIAS Kammerchor Berlin steht seit Ende 2017 unter der Leitung von Justin Doyle. (RIAS Kammerchor/Matthias Heyde)

Die sphärische Kraft von Chorwerken der Spätrenaissance kann man in diesem Konzert mit dem RIAS Kammerchor mit Werken unter anderem von William Byrd und John Bull erleben.

Das für heute geplante Konzert mit dem RIAS Kammerchor und der Akademie für Alte Musik Berlin kann leider nicht stattfinden. Wir wollten für Sie live dabei sein. Daher müssen wir unser Programm ändern und bieten Ihnen ein anderes musikalisches Highlight mit dem RIAS Kammerchor.

"Geniale Meister – der Heimat so fern" – so war das Konzert des RIAS Kammerchores überschrieben. Musik als Ausdruck religiöser Identität, die wiederum das ganze Leben und Schaffen prägt – das ist das übergeordnete Thema dieses Konzerts.

Britische Musiker europaweit

Justin Doyle hat zum einen Werke ausgewählt, die von Briten geschrieben wurden, die Zeit ihres Lebens in England wirkten, zum anderen aber auch von Briten, die im Exil lebten: in Rom Venedig, Brüssel oder Antwerpen.

Richard Dering und Peter Philips, beide katholischen Glaubens, zog es durch halb Europa, bis sie schließlich für lange Zeit im freigeistigen niederländischen Kulturraum Fuß fassten. Dieses Programm bietet die Möglichkeit, die unterschiedlichen Kompositionsweisen der Reisenden und der Daheimgebliebenen, wie William Byrd oder Thomas Tallis, miteinander zu vergleichen.

Abkehr von Rom

Nach der Exkommunikation König Heinrich des Achten und seiner zweiten Frau Anne Boleyn hatte man sich in England von Rom losgesagt, wodurch die Ideen der Reformation auch in England Einzug hielten.

Historischer Holzschnitt des Königs, der für seine breite Statur im Alter und seinen markanten Bart bekannt war. (imago images / imagebroker)Heinrich VIII. brach für seine Heiratspolitik mit der römischen Kirche und verfolgte eine andere Religionsauslegung. (imago images / imagebroker)

Daher wurden Altäre und Heilgenbilder zerstört oder verboten, wie auch zum Teil die Orgeln und das virtuose und kompositorisch komplex gearbeitete Spiel auf diesen Instrumenten. Daher nehmen die Orgelinterludien in diesem Programm einen wichtigen Platz ein. Zu ihrer Zeit waren sie Statements, die nicht nur religiös verstanden wurden, sondern auch politisch.

Glaubensbekenntnis durch Musik

Wer katholisch war, stand zugleich im Verdacht, gegen das reformierte Königshaus zu arbeiten. Und so gingen etliche Künstler ins Exil.

Zu fragen ist also nicht nur: wie britisch ist ihre Musik? Sondern: wie katholisch? Und damit ist nicht nur die Verwendung des lateinischen Textes gemeint, sondern auch die durchaus katholisch geprägte Tradition der Doppelchörigkeit – die man natürlich in Rom und in anderen Ländern Europas lehrte und beherrschte.

Wege der Komponisten

Wie Peter Philipps, der als Katholik 1581 mit 21 Jahren nach Rom kam, bevor er an den Brüsseler Hof berufen wurde, wo er unter anderem Rubens kennenlernte.

Richard Dering hingegen wurde von seinem Arbeitgeber gesandt, um sich in der italienischen Kunst der Komposition weiterzubilden. Er konvertierte erst in Rom – kam aber Jahrzehnte später wieder zurück nach England. Dering und Philipps lernten einander in Brüssel kennen.

Orgelexperte

Zu Gast war der finnische Cembalist und Organist Petteri Pitko, Spezialist auch für Continuospiel, die recht frei gestaltbare Begleitung, die nur nach wenigen Angaben des Komponisten hauptsächlich improvisatorisch ausgeführt wird.

Aufzeichnung des Konzertes vom 18. Mai 2018 im Kammermusiksaal der Philharmonie Berlin

Peter Philips
Ecce vicit Leo
Ascendit Deus

Richard Dering
Ave verum corpus

Peter Philips
Ave verum corpus

Orgelinterludium 1

Peter Philips
Fantasia in D

William Byrd
Ave verum corpus

Orgelinterludium 2

John Bull
Fantasia in G

Philippe de Monte
Super flumina Babylonis

William Byrd
Quomodo cantabimus

Richard Dering
Factum est silentium

ca. 20:50 Konzertpause
Dirigentenforum mit dem RIAS Kammerchor
Von Julia Kaiser

Justin Doyle im Gespräch mit Ruth Jarre

Peter Philips
Gaudent in coelis

Richard Dering
Gaudent in coelis       

Richard Dering
Ave virgo gloriosa

Orgelinterludium 3

Peter Philips
Benedicam Dominum

William Byrd
Lullaby, my sweet little Baby

Peter Philips
Cantibus organis

Thomas Tallis
O nata lux

Orgelinterludium 4

John Bull
Prelude

William Byrd
Ne irascaris Domine

Peter Philips
Ave Jesu Christe

Petteri Pitko, Orgel
RIAS Kammerchor
Leitung: Justin Doyle

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