Seit 00:05 Uhr Lange Nacht

Samstag, 21.07.2018
 
Seit 00:05 Uhr Lange Nacht

Fazit / Archiv | Beitrag vom 08.10.2017

Revolutionäres Musizieren Weg mit dem Taktstock!

Peter Michael Mayer im Gespräch mit Eckhard Roelcke

Podcast abonnieren
Nahaufnahme der Hand eines Dirigenten auf einem Notenblatt (imago / Ikon Images)
Musizieren ohne Ansagen des Dirigenten - eine inspirierende Erfahrung, sagt Geiger Peter Michael Mayer. (imago / Ikon Images)

Der Dirigent gibt den Ton an, die Musiker folgen - soweit so bekannt. Doch was macht ein Orchester ohne Boss? Die Düsseldorfer Symphoniker haben das ausprobiert - und spannende Erfahrungen gemacht, berichtet der 1. Geiger Peter Michael Mayer.

Im Februar 1922 hat ein russischer Geiger ein Ensemble gegründet, das im revolutionären Russland Musikgeschichte geschrieben hat: Ein Orchester, das ohne Dirigent gearbeitet hat. Immerhin zehn Jahre hat das Ensemble "Persimfans" bestanden. Die revolutionäre Idee: herrschaftsfreies Musizieren, kollektiv erarbeitete Klänge. Die Düsseldorfer Symphoniker haben diese Idee aufgegriffen und in der Düsseldorfer Tonhalle zusammen mit einem neuen Persimfans-Kollektiv aus Moskau in zwei Konzerten präsentiert.

Proben ohne Hierarchie

Schon die Proben seien eine völlig neue Erfahrung gewesen, berichtet der 1. Geiger Peter Michael Mayer im Deutschlandfunk Kultur. "Das lief ganz ohne Hierarchien ab, wir haben uns für die Proben selbst direkt getroffen, es gab keine Redebegrenzung. Jeder, der Beiträge liefern wollte bezüglich der Interpretation, durfte das gerne tun." Die Proben hätten dadurch zwar länger gedauert. Aber: "Es ist auch sehr inspirierend zu sehen, welche Meinungen bezüglich der Stücke da geäußert werden."

Beim Spiel selbst habe man es so gehandhabt, "dass die Stimmen, die die Melodie haben, das Tempo auch vorgeben können". Insgesamt erinnere die Arbeit sehr an die eines Kammermusik-Ensembles. "Wir haben uns auch so als Kammermusik-Symphonie-Orchester verstanden." Musikalisch und sprachlich sei man mit den Moskauer Kollegen dabei stets "sehr gut zusammengekommen".

Inspirierendes Experiment

Auf dem Programm des knapp 90-köpfigen Orchester standen unter anderem ein Klavierkonzert von Alexander Mossolow und die Egmont-Ouvertüre von Ludwig van Beethoven, was ohne Dirigent doch "eher schwierig" gewesen sei. Dennoch habe das Experiment unter den Musikern "durchaus starken Anklang gefunden". Das Fazit des Geigers: "Es ist auf jeden Fall ein interessanter Impuls. Aber ganz verzichten wollen wir auf den Dirigenten doch nicht."

Kulturpresseschau

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 6Über Gräben
Die Schrift am Luckenwalder Stadttheater liegt im Schatten. (picture alliance / dpa / Sascha Steinach)

Wie halten sie's mit den Produktionsbedingungen? Im Juni-Podcast geht es um das Verhältnis von festen Häusern und Freier Szene. Außerdem Thema: eine strittige Inszenierung in Berlin und wie Theater sich gegen rechte Übergriffe wappnen können.Mehr

Folge 5Auf der Bühne und dahinter
Der Intendant des Schauspiels Köln, Stefan Bachmann, stellt am 21.05.2013 in Köln (Nordrhein-Westfalen) den Spielplan für die kommende Saison vor.  (picture-alliance / dpa / Oliver Berg)

Künstler oder Servicepersonal? Dulden oder Aufbegehren? Im Mai-Theaterpodcast geht es um die Rolle des Schauspielers im 21. Jahrhundert. Außerdem Thema: Die Proteste von Mitarbeitern der Bühnen in Cottbus und Köln.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur