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Kompressor | Beitrag vom 02.08.2019

Republikaner gegen Tech-IndustrieEin Pappkamerad names Endless Scrolling

Johannes Kuhn im Gespräch mit Gesa Ufer

Ein Daumen drückt auf ein Facebook-Icon auf einem Handy. (imago images / imagebroker / Thea Jaeger)
Ein Klick genügt und schon ist die Familie zerstört: Im Weltbild manchen Republikaners sind die sozialen Netzwerke Teufelszeug. (imago images / imagebroker / Thea Jaeger)

Senator Josh Hawley von den Republikanern will die sozialen Netzwerke stark regulieren und wettert gegen die Tech-Industrie. Unter anderem will er das endlose Scrolling verbieten lassen. "Das Gesetz hat keine Chance", glaubt Reporter Johannes Kuhn.

Stark suchterzeugend seien die sozialen Netzwerke, findet US-Senator Josh Hawley. Er will besondere Funktionen verbieten lassen. "Dafür, dass die Republikaner nicht für Regulierung bekannt sind, ist das schon ein recht radikaler Gesetzentwurf", meint Reporter Johannes Kuhn. "Hawley sagt: 'Wir müssen jetzt als Staat den sozialen Netzwerken vorschreiben, wie sie das Verhalten ihrer Nutzer steuern.'"

Nutzer vor Facebook und Co schützen

Verbieten lassen will Hawley unter anderem das endlose Scrolling, denn es gebe dem Nutzer ständig das Gefühl: Da kommt noch was interessantes, ich habe noch nicht alles gesehen. Auch will er Youtube das Autoplay, also das automatische Starten von Videos verbieten.

"Und er will zum Beispiel die Nutzungszeit für jede Plattform in den Voreinstellungen auf 30 Minuten pro Tag begrenzen. Das kann der Nutzer zwar verändern, muss das aber immer wieder neu einstellen", erklärt Kuhn.

Dass Facebook, Youtube und andere soziale Netzwerke süchtig machen können, stehe außer Frage, so Kuhn. "Man muss sich das wie einen Spielautomaten vorstellen." Dieser Vergleich ziele vor allem auf die Algorithmen, die einem immer wieder Videos vorschlügen, die einem gefallen. Hier seien bereits Extremisierungseffekte nachgewiesen worden.

Einfluss von sozialen Netzwerken hinterfragen

"Die Republikaner haben die Tech-Industrie schon lange als Ziel ausgemacht", so Kuhn. "Sie sagen: 'Da sitzen alles Demokraten, und die wollen uns unterdrücken.' Dafür gibt es nicht wirklich Beweise, denn wenn ich auf Twitter und Facebook gucke, ist da kein Mangel an konservativen oder sogar rechtsradikalen Stimmen in den USA." Hawley aber ginge nun einen Schritt weiter, denn er sei gegen Eliten aller Art: "Er hat selbst an Eliteuniversitäten studiert, sagt aber: Darunter fallen auch die Tech-Firmen, weil sie so eine Anti-Kultur sind, die der Produktivität schaden und die Familien zerstören. Er bezeichnet sie sogar als Parasiten."

Das Gesetz habe zwar keine Chance, glaubt Kuhn, aber es führe dazu, dass über den Einfluss von sozialen Netzwerken diskutiert werde. Facebook testet derzeit zum Beispiel, die Likes, die ein Instagram-Bild bekommt, nicht mehr öffentlich anzuzeigen: "Das zeigt auch, die Firma weiß: Wenn mir Verhaltensmanipulation vorgeworfen wird, dann ist das schlecht für mein Image", sagt Kuhn.

(nho)

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