Seit 19:30 Uhr Zeitfragen. Literatur

Freitag, 18.01.2019
 
Seit 19:30 Uhr Zeitfragen. Literatur

Fazit / Archiv | Beitrag vom 20.10.2016

Republica in DublinDeutscher Datenschutz trifft irische Start-up-Szene

Von Jenny Genzmer

Podcast abonnieren
Teilnehmerin mit Google Cardboard auf der Konferenz re:publica (imago stock&people)
Die Internet- und Digitalkonferenz Republica hat nach ihrer Jubiläumsausgabe Republica Ten einen Ableger in Irland gegründet. (imago stock&people)

Die Republica, die wichtigste deutsche Konferenz der Internetszene, hat einen Abstecher nach Dublin gewagt. Und merkt: Die Besucher dort sind wesentlich geschäftsorientierter als in Berlin. Das Thema Datenschutz ist weniger gefragt. Noch.

Der Theatersaal im historischen Smock Alley Theater in der Dubliner Innenstadt, gleich gegenüber vom Liffey-River ist nicht ganz gefüllt. Markus Beckedahl steht zusammen mit den anderen drei Republica-Gründern Andreas Gebhard, Tanja und Jonny Häusler vor einer Community, die sich auf den ersten Blick von der in Berlin nicht so sehr unterscheidet, gut gelaunt und immer online.

Die Netz-Politik- und Blogger Konferenz Republica hat es nach Dublin verschlagen. Eine Veranstaltung, die in Berlin mittlerweile über 8000 Menschen anzieht, trifft hier - wie in ihren Anfangszeiten, auf eine kleine, nahezu familiäre Community. Hauptsächlich aus Irland - und Deutschland. Mit sehr unterschiedlichen Erwartungen.

Dennis Jennings ist Physiker, IT-Experte und Internetpionier der ersten Stunde. In seinem Vortrag wird es um Datensicherheit und Privatheit im Internet gehen. Für den Iren sind das Grundsätze des Menschenrechts, die vor allem im Digitalen Zeitalter geschützt werden müssen:

"Es gibt eine Notwendigkeit, mehr darüber zu sprechen. Und wir brauchen ein gesamtgesellschaftliches Engagement, das öffentliche und gesellschaftliche Akteure mit einschließt, damit das Thema eine größere Öffentlichkeit bekommt."

Wie lassen sich Berlins und Dublins Szene verbinden?

Vom Smock Alley Theater, ein paar Gehminuten durch die Dubliner Innenstadt entfernt, an Fast-Food-Ketten, Pubs und kleinen Einzelhändlern vorbei, befindet sich das Marchands Arch Pub. Auch hier haben sich Republica-Gäste versammelt. In einem rot-möblierten Salon-artigen Raum mit hohen Decken treffen sich Unternehmer und Startup-Vertreter - hier soll es um die Frage, was die beiden Ökosysteme Berlin und Dublin miteinander verbinden könnte:

Bushnell: "Ich denke, wir können viel voneinander lernen. Wenn unsere Unternehmer auf dieser Konferenz hier die Möglichkeit haben, Entrepreneure aus Berlin kennenzulernen, dann kann das nur gut für sie sein."

Niamh Bushnell ist Dublins Startup Beauftrage. Das Thema Datensicherheit sei in Dublin kein großes Thema, auch nicht in der Startups-Szene, die in dem irischen Land besonders gefördert wird:

"Man hört hier wenige über Datensicherheit und solche Dinge reden. Ich denke die Menschen tauschen genauso viele Daten miteinander aus, wie Nutzer in anderen Ländern, deshalb sind wir da auch keine große Ausnahme.

Wir sind experimentierfreudig, wir mögen neue Technologien und wir treten sehr gern miteinander in Kontakt. Deshalb und auch durch den Einfluss, den die USA auf uns haben, sind wir weniger konservativ, was das angeht. Im Gegenteil - im Vergleich zu anderen Ländern in Europa, stehen wir neuen Technologien sehr offen gegenüber."

Recht auf Privatheit im Internet in Irland eher unbekannt

Die Internet- und Bloggerkonferenz trifft hier in Dublin auf ein anderes Publikum als im netzpolitisch aktiven Berlin. So resümiert auch Republica-Mitbegründer Andreas Gebhardt: "Es ist sehr Business-getrieben. Es ist sehr Start-Up getrieben. Es geht sehr viel darum, wie kann ich mit Digitalem Geld machen."

Eine Frage, die auch auf der Republica in Berlin eine zentrale Rolle spielt: "Das finden wir auch toll und cool und da sind wir auch voll dahinter, aber das sind nicht alle Diskussionen die wir führen wollen."

Auf der Hauptbühne im Alten Theater hat bereits die Diskussionsrunde mit Internetpionier Dennis Jennings begonnen. Er findet, dass sich sehr bald auch die Startup- und Finanzszene in Irland mit den Themen Datensicherheit und dem Recht auf Privatheit im Internet befassen müsse. Spätestens mit der neuen Datenschutzgrundverordnung der EU, die 2018 in Kraft treten soll, werde es Veränderungen geben, die auch die irischen Unternehmer zu spüren bekommen werden.

Dann werde die Idee von der Privatheit als Menschenrecht, die in Deutschland schon verbreitet sei, auch Irland erreichen: "The idea of Privacy as a fundamental human right, which may be a common idea in Germany is certainly not a common idea in Ireland. Yet."

 

Mehr zum Thema

re:publica 2016 - Technik, Trends und Politik
(Deutschlandfunk, Computer und Kommunikation, 07.05.2016)

Debattenkultur im Netz - "Es ist wichtig, mit den Lesern zu sprechen"
(Deutschlandfunk, Markt und Medien, 07.05.2016)

Digitalkonferenz feierte 10. Geburtstag - Wozu ist die Republica eigentlich gut?
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 04.05.2016)

Medienpädagogik bei der Republica - Wie sich Games und Politik gegenseitig verändern
(Deutschlandradio Kultur, Zeitfragen, 02.05.2016)

Besuch auf der Republica - Sexdebatten, Staatstrojaner und NSU-Ermittlungen
(Deutschlandradio Kultur, Zeitfragen, 02.05.2016)

Publizistin Carolin Emcke vor ihrem Republica-Auftritt - Damit Hass nicht zum Normalzustand wird
(Deutschlandradio Kultur, Kompressor, 02.05.2016)

EU-Urteil - Betreiber von Websites dürfen IP-Adressen speichern
(Deutschlandfunk, Informationen am Mittag, 19.10.2016)

Wahlkampf-Start - Netzpolitiker verteilen Lob und Tadel für die Digitale Agenda
(Deutschlandfunk, Computer und Kommunikation, 10.09.2016)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsWissenschaft und Politik
Der Politikwissenschaftler Werner J. Patzelt  (picture alliance/dpa/Arno Burgi)

Gleich zwei Politologen haben es in die Feuilletons geschafft: Eckhard Jesse, der einen Zusammenhang zwischen links- und rechtextremistischer Gewalt sieht, und „der eifrige AfD-Berater“ Werner Patzelt, der nebenbei Wahlkampfstratege der CDU in Sachsen ist.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 10Wachgerüttelt, durchgeschüttelt
Eine Frau hat sich einen #MeToo-Schriftzug auf den Unterarm geschrieben. (imago stock&people)

Was bleibt im Rückblick auf die Debatten dieses Theaterjahres? #MeToo, ganz klar. Über Gleichstellung sprechen Susanne Burkhardt und Elena Philipp mit France-Elena Damian vom Verein Pro Quote Bühne und diskutieren darüber, ob Theatermacher mit rechten Ideologen reden sollten.Mehr

Folge 9Überwältigende Übergänge
Die Schauspielerin Sesede Terziyan (als Elisabeth) steht am 10.01.2018 in Berlin bei der Fotoprobe zu dem Stück "Glaube Liebe Hoffnung" im Maxim Gorki Theater auf der Bühne. (picture alliance / Britta Pedersen / dpa)

Ist das "Postmigrantische Theater" ein Erfolg? Wie erlebten jüdische Bühnenkünstler Deutschland eigentlich nach ihrer Rückkehr aus dem Exil? Im Theaterpodcast #9 schauen wir auf einschneidende Übergänge und erinnern an den verstorbenen Theaterkritiker Dirk Pilz.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur