Das Feature, vom 07.01.2011

Von Leonhard Koppelmann

Als Leiter des Goethe-Instituts in Lissabon erlebte Curt Meyer-Clason sowohl Diktatur als auch den Aufbruch in die Demokratie. In seinen "Portugiesischen Tagebüchern" hat er Ereignisse und viele Begegnungen mit Menschen während dieser Zeit festgehalten.

Blick auf die portugiesische Hauptstadt Lissabon (Stock.XCHNG - Herman Brinkman)
Blick auf die portugiesische Hauptstadt Lissabon (Stock.XCHNG - Herman Brinkman)

Curt Meyer-Clason, dem deutschsprachige Leser so viele Übersetzungen lateinamerikanischer Literatur verdanken, erhielt 1969 den Auftrag das Goethe-Institut in Lissabon zu leiten. Er übernahm das Amt noch während der Salazar Diktatur und steuerte das Lissabonner Institut durch bewegte und bewegende Zeiten.

Dabei erlebte Meyer-Clason den Druck der Zensur der Salazar- und Caetano-Jahre ebenso, wie die Befreiung durch die "Nelken"-Revolution und den ersten Aufbruch in die Demokratie. Er führte das Instituto Alemão als "konsequentes und lebendiges Kulturzentrum der Stadt", gelobt für seine Funktion als "Schutzraum und offene Tür zu Europa".

In seinen "Portugiesischen Tagebüchern" hat Meyer-Clason alle Ereignisse und vor allem viele Begegnungen mit Menschen während dieser Zeit als Repräsentant deutscher Kultur am Tejo festgehalten. Mit leichtem, augenzwinkerndem Ton erzählt dieser "Homme des Lettres" und wunderbare Spötter diese Zeitenwende.

Und trotzdem lassen seine Beschreibungen erspüren, gegen welchen Widerstand, auch durch die Politik und Administration der BRD, er eine deutsche Kultureinrichtung zu einem Laboratorium moderner Kulturarbeit gemacht hat. Enzensberger, Werner Herzog, Peter Weiss, Grass, Kroetz und andere lud Meyer-Clason damals zu Lesungen oder Vorträgen nach Lissabon ein.

Curt Meyer-Clason beschreibt den Übergang einer ins Mark erstarrten Gesellschaft nach 40 Jahren Diktatur in die (mögliche) Freiheit einer Demokratie.

Produktion: Headroom Infotainment für den DLF 2010