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Konzert / Archiv | Beitrag vom 25.03.2017

René Jacobs dirigiert MonteverdiOdysseus kommt nach Haus

Aufzeichnung aus Amsterdam

Dirigent und Spezialist der barocken Musik René Jacobs (imago stock&people)
Auch René Jacobs führt dieses Jahr Monteverdis Opern auf (imago stock&people)

2017 ist Monteverdi-Jahr - René Jacobs trägt zum 450. Jubiläumsjahr des Opernkomponisten eine Aufführung des "Ulisse" im Amsterdamer Concertgebouw bei, mit bewährter Detailliebe und hervorragenden Vokalisten und Musikern.

Claudio Monteverdis "Ulisse"-Oper, eine der frühesten der Musikgeschichte, endet glücklich und lässt dennoch in Abgründe der menschlichen Seele blicken.
Wo "Alte Oper" draufsteht, ist oft René Jacobs drin oder besser: mit Leidenschaft dabei. Kein anderer Dirigent hat sich so systematisch (und, wie man inzwischen sagen kann, erfolgreich) den Anfängen des Musiktheaters zugewendet wie der belgische Dirigent, der seine Karriere als Sänger begonnen hat.

Die Opern Claudio Monteverdis waren fast von Anfang an auf seiner Agenda, und die aktuelle Produktion ist vielleicht auch so etwas wie eine rückblickende Neu-Ausleuchtung. Hat doch Jacobs, mittlerweile über 70, fast das gleiche Alter erreicht wie Claudio Monteverdi, als dieser 1641 im Alter von 73 Jahren - altersweise und tief in die Abgründe des Menschlichen blickend - das Ende von Homers Epos "Odyssee" zum Inhalt für seine Oper "Il Ritorno d’Ulisse in Patria" wählte. Monteverdi lässt seine Geschichte zwar protokollgerecht und zeitüblich glücklich enden, doch ist die Oper unter dieser glatten Oberfläche von Skepsis, vielleicht sogar Bitternis geprägt.

Die Handlung: Zwanzig Jahre lang hat Penelope auf die Rückkehr ihres einst gen Troja ausgezogenen Gatten gewartet – und nun, wo er tatsächlich vor ihr steht, erkennt sie ihn, der sich als verwahrloster Greis maskiert hat, nicht mehr wieder. Erst der Austausch eines intimen, nur dem Paar selbst bekannten Geheimnisses kann sie überzeugen – nicht aber das doppelte Elend aus der Welt schaffen, dass auch größte Standhaftigkeit und Glaubensfestigkeit irgendwann ausgehöhlt sind; und dass Träume, wenn sie sich denn tatsächlich erfüllen, oft genug nur Desillusionierung hinterlassen. Auch sonst gibt es viel Verrat und Opportunismus in diesem Stück, zwischen denen die Episoden wahrer Humanität umso nachdrücklicher hervorleuchten. Da ist erstaunlich viel Modernität bei Homer, Monteverdis Librettisten Giacomo Badoaro und natürlich auch dem Komponisten selbst. Man darf davon ausgehen, dass nicht zuletzt solche Komponenten einen besonderen Reiz für René Jacobs bilden.

Concertgebouw Amsterdam
Aufzeichnung vom 18. März 2017

Claudio Monteverdi
"Il Ritorno d'Ulisse in Patria”
Oper in einem Prolog und drei Akten
Libretto: Giacomo Badoaro

Stéphane Degout, Bariton - Ulisse
Katarina Bradic, Mezzosopran - Penelope
Anicio Zorzi Giustiniani, Tenor - Telemaco
Jörg Schneider, Tenor - Iro
Pierre Derhet, Tenor - Eurimaco
Thomas Walker, Tenor - Eumete
Mirella Hagen Sopran -  Amore, Giunone
Mark Milhofer, Tenor - Pisandro
Magnus Staveland, Tenor - Anfinomo
Marcos Fink, Bass - Antinoo, Il Tempo
Marie-Claude Chappuis, Mezzosopran - Minerva, L'Humana Fragilità
Mary-Ellen Nesi, Mezzosopran - Fortuna, Ericlea, Melanto
Jérôme Varnier, Bass - Nettuno
B’Rock Baroque Orchestra
Leitung: René Jacobs

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