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Interview | Beitrag vom 08.07.2019

Rembrandts "Nachtwache" im Rijksmuseum Amsterdam Eine Restaurierung live vor Publikum

Gregor Weber im Gespräch mit Dieter Kassel

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Eine Masse von BesucherInnen vor der Nachtwache im Rijksmuseum. (picture alliance / ANP / Koen van Weel)
Die Restaurierung des berühmten Rembrandt-Bildes "Die Nachtwache" können Besucher jetzt live miterleben. (picture alliance / ANP / Koen van Weel)

Das Publikum kann dabei sein, wenn im Amsterdamer Rijksmuseum Rembrandts "Nachtwache" in einem Glaskasten restauriert wird. Gregor Weber, Leiter der Abteilung Bildende Kunst am Haus, sagt: "Das darf nicht hinter verschlossenen Türen geschehen."

Bei der "Operation Nachtwache" lädt das Amsterdamer Rijksmuseum ab heute seine Besucher dazu ein, die Restaurierung des berühmten Rembrandt-Bildes  live mit zu erleben. "Die Nachtwache ist tatsächlich eines der berühmtesten Bilder der Welt  und man kann so etwas nicht in geschlossenen Räumen machen", sagte der Leiter der Abteilung Bildende Kunst des Museums, Gregor Weber, im Deutschlandfunk Kultur. "Das Publikum möchte gerne wissen, was mit dem Bild passiert, das so viele Leute so sehr mögen und so sehr sehen wollen – da darf es keine Geheimnisse geben, das darf nicht hinter verschlossenen Türen geschehen."

Auch im Internet dabei

Deshalb werde das Gemälde vor den Augen der Öffentlichkeit zunächst untersucht und dann restauriert, sagte der Kunsthistoriker, der vor seinem Engagement in Amsterdam Kurator an der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden und Direktor der Gemäldegalerie in Kassel war. In den Ausstellungssaal sei ein großes Glashaus hineingebaut worden, in dem Techniker und Restauratoren tätig sind. "Das Publikum kann das direkt vor Ort sehen, aber eben auch im Internet."

Dort würden alle Ergebnisse ständig veröffentlicht. "Eigentlich kommt das Publikum der 'Nachtwache' noch viel näher als je zuvor", versprach der Kunsthistoriker. 

Bewahren für die Zukunft

Wie vor einer Operation im Krankenhaus werde zunächst eine genaue Diagnose erstellt. "Man geht auch nicht ins Krankenhaus und wird sofort aufgeschnitten vom Chirurgen", sagte Weber. In den vergangenen Jahrzehnten sei das Bild sichtbar gealtert, so gebe es auf dem abgebildeten Hund einen weißen Ausschlag, der nun genauer untersucht werde. Auch habe es nach einer Messer-Attacke auf das Gemälde 1975 Retuschen gegeben, die nun nachdunkelten.

Damals sei das Ölbild zum letzten Mal restauriert worden, sagt Rembrandt-Experte Weber. Man müsse nun zunächst feststellen, was mit dem Gemälde los sei, um es dann für die Zukunft besser bewahren zu können. Hinzu komme, dass man genauer wissen wolle, was Rembrandt selbst an dem Bild gemacht habe und was später erst dazu gekommen sei.   

Jährlich besuchen mehr als zwei Millionen Menschen das Amsterdamer Rijksmuseum mit der weltweit größten Rembrandt-Sammlung."Die Nachtwache" (1642) gilt als Spitzenwerk von Rembrandt van Rijn (1606-1669). Das Schützen-Gemälde zeigt die Amsterdamer Bürgerwehr. Deren Kapitän Frans Banning Cocq gibt seinem Leutnant den Befehl zum Abmarsch.

Auf der Website des Museums können Sie hier die neuesten Entwicklungen bei der Restaurierung mitverfolgen.  

(gem)

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