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Fazit | Beitrag vom 08.10.2019

Rembrandt und VelázquezRevolutionäre der Malerei

Carsten Probst im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Blick in die Austellung. Zwei Selbstportäts von Rembrandt und Velázquez hängen nebeneinander an einer dunkelblauen Wand. (Rijksmuseum / Olivier Middendorp)
Selbstporträt von Velázquez (ca. 1640) und Rembrandt (1654): Sie gehören zu den zwei größten Malern ihrer Zeit. (Rijksmuseum / Olivier Middendorp)

Das Rijksmuseum führt niederländische und spanische Maler des 17. Jahrhunderts zusammen. Der Fokus liegt vor allem auf Rembrandt und Velázquez, die erstaunlich viele Gemeinsamkeiten haben und dennoch bisher nie in einer Schau gegenübergestellt wurden.

Rembrandt und Velázquez gehören zu den größten Malern der europäischen Kunstgeschichte. Der Niederländer und der Spanier waren beide zwar Zeitgenossen im 17. Jahrhundert, kannten sich aber nicht, denn ihre Länder standen sich in einem achtzigjährigen Religionskrieg als Feinde gegenüber. Und diese Teilung zwischen katholisch und protestantisch geprägter Kunstgeschichte schien sich lange Zeit fortgesetzt zu haben.

Nun kommen erstmals so viele Meisterwerke von Velázquez, Rembrandt, Murillo, Vermeer, Zurbarán, Hals und Ribera in der Amsterdamer Ausstellung "Rembrandt-Velázquez: Niederländische und Spanische Meister" zusammen.

Bilder bilden Dialogpaare

"Das ist eine ganz großartige Schau", schwärmt Kunstkritiker Carsten Probst. "Sie werden geradezu überschwemmt mit immer neuen Aha-Erlebnissen."

In abgedunkelten Sälen hängen die Bilder, die alleinig von Lichtspots beleuchtet werden. "Was speziell ist, ist die Hängung, denn die findet im Dialog statt. 26 Dialogpaare von Bildern, die zeigen sollen, wie die Grenze des Krieges durch die Kunst überwunden wird, wo es Vergleichbarkeiten oder auch Trennendes gibt."

Ein Ölgemälde von Zurbarán: Ein Schaf liegt mit zusammengebunden Hufen auf der Erde. (obs/Niederländisches Büro für Tourismus & Convention (NBTC))Francisco de Zurbarán, "Agnus Die", 1635 - 1640. (obs/Niederländisches Büro für Tourismus & Convention (NBTC))

Alle Bilder stammen von Künstlern aus Spanien und den Niederlanden, die zwar Zeitgenossen waren, jedoch nie miteinander kommuniziert haben. Unterschiede lägen da auf der Hand, so Probst. Vor allem die religiöse Bildvorstellung sei eine ganz andere gewesen. Das Bild "Agnus Dei" von Francisco de Zurbarán zeige zum Beispiel ein Schaf, das an den Hufen zusammengebunden sei. Es sei repräsentativ "für den gefühlsbetonten Weg sich die Christusgeschichte anzueignen", so Probst. Solche bildlich-sinnlichen Darstellungen fände man bei den Niederländern eher nicht.

Doch die Gemeinsamkeiten überwiegen. Die Meister hätten "fast eine revolutionäre Auffassung von Malerei", so Probst.

Der Realismus als Intension

Kurator Gregor Weber wollte vor allem jene Gemeinsamkeiten herausarbeiten. Jede Seite hatte ihren Star: Rembrandt und Velázquez. "Die Intension ist bei beiden gleich: der Realismus. Beide versuchen, die Wirklichkeit mit dem Pinsel so einzufangen, dass es eine überzeugende Illusion gibt", sagt der Kurator.

Blick in die Ausstellung, zwei Ölgemälde hängen nebeneinander an einer dunkelblauen Wand. (Rijksmuseum / Olivier Middendorp)Die Ausstellung zeigt Dialogpaare, hier: Francisco de Zurbarán, "St. Serapion" (1628) und Jan Asselijn, "The Threatened Swan", (ca. 1650). (Rijksmuseum / Olivier Middendorp)

Die Ausstellung ist das Ergebnis einer besonderen Zusammenarbeit mit dem Museo Nacional del Prado in Madrid anlässlich des 200. Jahrestages des Prado und gleichzeitig des Rembrandt-Jahrs 2019.

(nho)

Rembrandt-Velázquez: Niederländische und Spanische Meister
11. Oktober 2019 bis 19. Januar 2020
Rijksmuseum, Amsterdam

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