Seit 01:05 Uhr Tonart

Dienstag, 18.06.2019
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Fazit / Archiv | Beitrag vom 17.09.2012

"Religionen sind immer instrumentalisierbar"

Religionswissenschaftler Schieder über die Reaktionen auf den Mohammed-Film

Rolf Schieder im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

Podcast abonnieren
Reaktionen auf den Mohammed-Film: Protestant in Pakistan (picture alliance / dpa / Arshad Arbab)
Reaktionen auf den Mohammed-Film: Protestant in Pakistan (picture alliance / dpa / Arshad Arbab)

Im Kern seien die gewaltsamen Reaktionen auf den Mohammed-Film Zeichen eines kulturellen Konflikts, ist Rolf Schieder überzeugt. Die Religion werde in diesem Zusammenhang zur Verschärfung der Auseinandersetzung benutzt, so der Religionswissenschaftler.

Viele Wissenschaftler wiesen darauf hin, dass Religionen selten der Brandstifter sondern der Brandbeschleuniger in gesellschaftlichen und politischen Konflikten seien, erläuterte der Religionswissenschaftler und Buchautor Rolf Schieder. Im Zusammenhang mit den aktuellen Auseinandersetzungen um den umstrittenen Mohammed-Film werde dies erneut erkennbar.

Dass es sich hier weniger um einen religiösen Konflikt handele, zeigten die Bilder von Protestierenden, die zum Beispiel Flaggen verbrennen und keine religiösen Symbole. Dies werte er als offensichtlichen Beleg dafür, dass es mehr um einen kulturellen Konflikt zwischen dem muslimischen Kulturkreis und der westlichen Welt gehe, erläuterte Schieder: "Diese Kulturkonflikte sind offenbar sehr viel massiver, als theologische Debatten, die sich zwischen Religionen abspielen könnten."

Interessant sei, dass sich fundamentalistische Gruppierungen – islamistische wie christliche – sich in diesem kulturellen Konflikt immer als Verlierer der Moderne fühlten. Aus dieser Opferrolle zögen sie dann die Berechtigung, gewaltsam gegen die Mächtigen vorzugehen, sagte Schieder.

Das vollständige Gespräch mit Rolf Schieder können Sie mindestens bis zum 17.2.2013 als MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Angebot nachhören.

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsDer Philosoph der Publizität wird 90
Der Philosoph Jürgen Habermas gestikuliert mit seinen Händen. (dpa/Martin Gerten)

Wenn ein öffentlicher Intellektueller, Philosoph und Soziologe wie Jürgen Habermas 90 wird, drehen sich die Feuilletons natürlich nur um ihn, sein Werden und Wirken. Seine Karriere nahm ihren Anfang im Feuilleton der "FAZ" - 1953 als Student. Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 14Der Stoff, aus dem der Osten ist
Szene aus "Düsterbuschs City Lights" am Theater Magdeburg (Theater Magdeburg)

Von einer Magdeburg-Reise kommen wir mit Fragen zurück: Welche Themen interessieren 30 Jahre nach dem Mauerfall das Publikum in den neuen Bundesländern? Muss man hier anders Theater machen? Und warum fallen Kritiken oft anders aus als Zuschauerreaktionen?Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur