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Religionen | Beitrag vom 05.08.2018

Religionen in IslandSchöpfung der Menschen aus zwei Stämmen Treibholz

Matthias Egeler im Gespräch mit Ralf Bei der Kellen

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Eine zerklüftete Naturlandschaft in Island (Jon Flobrant/Unsplash)
Wie hat die Natur die Entstehung von Religion beeinflusst? Darüber forscht Matthias Egeler. (Jon Flobrant/Unsplash)

Wie hat die isländische Landschaft die religiösen Überzeugungen der ersten Siedler beeinflusst? Auch Humor und Selbstironie spielen eine Rolle bei der Entstehung von Mythen und Religionen, sagt der Religionswissenschaftler Matthias Egeler.

Ralf Bei der Kellen: Was ist den ersten Siedlern bei ihrer Ankunft auf Island begegnet?

Matthias Egeler: Island in der Mitte des 9. Jahrhunderts, als es zum ersten Mal entdeckt wird, ist komplett leer. Es gibt dort keine Siedlungen, keine Ortsnamen, keine Straßen, keinerlei Geschichte, überhaupt nichts, an das man als Mensch Menschsein anknüpfen kann. Man hat eine Tierwelt, man hat eine geologische Umwelt, die für diese Siedler, aus dem vulkanisch doch eher ruhigen Skandinavien kommend, etwas Neues war. Und wenn man in einer solch vollständig leeren Umgebung ankommt, dann stellt das natürlich zunächst einmal den gesamten kulturellen Referenzrahmen in Frage, weil alles, was man kennt, einfach nicht existiert.

Siedler bringen Namen aus der Heimat mit

Was dann typischerweise passiert, ist, dass man versucht, diese Leere zu füllen. Ein Beispiel dafür aus der jüngeren Geschichte ist die Benennung von New York: Europäische Siedler gehen nach Amerika und benennen Orte nach den Orten, die sie aus der europäischen Heimat kennen. Und das Gleiche passiert in Island. Man nimmt Ortsnamen mit, und man nimmt Geschichten mit, witzigerweise übrigens auch New York, denn York war in der Wikingerzeit eine wichtige nordische Stadt in Nordengland, und der nordische Name für York ist "Jórvík". Und es gibt tatsächlich vier Siedlungsstätten mit dem Namen Jórvík in Island. Das Gleiche passiert auch mit religiösen Elementen. Und da ist besonders interessant, dass die religiösen Elemente, die man verwendet, um diese Leere zu füllen, aus ganz unterschiedlichen Kontexten stammen.

Island als interreligiöser Schmelztiegel

Man muss sich hier vor Augen führen, dass die isländische Landnehmergesellschaft der ersten Stunde nicht homogen war. Jedermann, der jemand war in Island, war ethnisch betrachtet Skandinavier, aber nicht alle kamen direkt aus Skandinavien, sondern die Westexpansion der Skandinavier führte zunächst einmal auf die britischen Inseln. Und relativ viele Skandinavier blieben dort längere Zeit, manchmal über mehrere Generationen. Und wenn man den mittelalterlichen Textquellen glauben darf, dann stammt ungefähr ein Viertel der frühesten isländischen Siedler aus dieser Gruppe, den skandinavischen Kolonisten auf den britischen Inseln, die dann irische Kirchengründungslegenden übertragen nach Island als Gründungslegenden für ihre Hofkirchen in Island, weil man als Referenzpunkt dafür, was sich nach daheim anfühlt, eben nicht Skandinavien hat, sondern Irland, die Hebriden, Nordschottland.

Der Gletscher Mýrdalsjökull, unter dem der Vulkan Katla schlummert, gesehen aus der Þórsmörk, einem zerklüfteten Bergrücken in Island, am 26.02.2011. (Imago/imagebroker)Der Gletscher Mýrdalsjökull, unter dem der Vulkan Katla schlummert, gesehen aus der Þórsmörk, Island (Imago/imagebroker)

Und das führt eben dazu, dass wir von der ersten Stunde an in Island wirklich eine Mischgesellschaft haben von skandinavischen Siedlern, die direkt aus Skandinavien kommen, von mitunter sehr stark gälisierten Skandinaviern, die den Umweg genommen haben über die britischen Inseln. Und durch diese Mischung werden in Island diese zwei ganz unterschiedlichen Kulturströmungen einerseits der gälischen Kultur Irlands und Schottlands und andererseits der nordischen Kultur Skandinaviens zusammengeführt, sodass Island von der ersten Stunde an ein interkultureller Schmelztiegel ist, in dem sich Gälisches mit Skandinavischem trifft und Christliches mit Vorchristlich-Paganem aus Skandinavien.

Mal Thor, mal Christus

Bei der Kellen: Jetzt kommen also diese Leute und siedeln da und bringen neben ihrer Kultur auch ihre Religion und ihre Mythologie mit. Wie kommt das jetzt zusammen?

Egeler: Teilweise überraschend einfach. Es gibt zum Beispiel eine Geschichte über einen Landnehmer, Helge, den Mageren. Der erhielt diesen Beinamen deswegen, weil er von seinen ersten Zieheltern so ausgehungert wurde, dass seine Eltern ihn beim ersten Besuch gar nicht mehr erkannten. Und dieser Landnehmer kam eben aus dieser Schicht der Skandinavier auf den britischen Inseln, war dort aufgewachsen und kommt dann im Zuge der ersten Besiedelung Islands um 900 nach Island. Und über ihn heißt es zum Beispiel im isländischen Landnahmebuch, einer isländischen einheimischen Geschichte der ersten Besiedelung Islands, dass er im Glauben sehr gemischt gewesen sei und dass er normalerweise Christ war, aber wenn etwas besonders schwierig war oder in Angelegenheiten der Seefahrt, rief er den nordischen Gott Thor an. Er wendet sich also je nach Kontext an die jeweils ihm die sicherere Wahl scheinende Gottheit, sei es der christliche Christus oder der nordische Gott mit dem Hammer. Und das ist dann etwas, was sich durch seine Biografie durchzieht. Er setzt Segel nach Island, befragt dann ein Thorsorakel, wo er sich genau niederlassen soll, heiligt den Fjord, an dem er Land nimmt, durch Feuerrituale, die er wohl aus der vorchristlichen skandinavischen Religion bezieht. Gleichzeitig benennt er aber seinen Hof oder die Landzunge, auf der er seinen Hof gründet, als "Kristnes", was "Christus-Halbinsel" bedeutet, womit er seinen Glauben an Christus zum Ausdruck bringt.

Glaubensfragen waren keinen Bürgerkrieg wert

Bei der Kellen: Ist das eigentlich was, wo man sagen kann, es ist so was wie ein isländisches Leitmotiv, dass diese verschiedenen religiösen Strömungen, also nordische Mythologie und christliche Religion eigentlich friedlich nebeneinander existiert haben?

Egeler: Es ist sicher ein wesentlicher Zug der Literatur, die wir haben. Was nicht heißt, dass es nicht Spannungen gab. Es gab ganz massive Spannungen, und am Vorabend der isländischen Konversion um das Jahr 1000 stand man einheimisch-isländischen Aussagen zufolge einen Schritt vor einem Bürgerkrieg. Den überhitzten Gemütern gegenüber stand aber andererseits auch ein sehr bodenständiger Pragmatismus. Es waren alle sich darüber einig, dass die Frage des Glaubens einen Bürgerkrieg nicht wert ist, und dass man die Frage aber lösen muss, wenn man ihn vermeiden will, sodass es in der Volksversammlung des Jahres 1000 zu einem Beschluss kam, dass die Insel konvertiert als Einheit und damit den Frieden im Land bewahrt und damit die Einheit der Insel bewahrt und sowohl nach innen ihren Frieden behält als auch nach außen ihre Freiheit bewahren kann. Denn Island war in dieser frühesten Phase eine Republik und blieb das bis ins 13. Jahrhundert und konnte diesen Status der Republik natürlich nur bewahren, indem man eine gewisse innere Einheit hatte, mit der man sich dann als freie Bauernrepublik dem skandinavischen Zentralkönigtum gegenüber behaupten konnte.

Bei der Kellen: Lässt sich am Beispiel Islands auch aufzeigen, dass die Landschaft einen Einfluss auf die Entstehung einer Mythologie und ergo auch einer Religion haben kann?

Egeler: Ja, es gibt definitiv Verbindungen zwischen der isländischen Mythologie, wie sie uns in der späteren mittelalterlichen isländischen Literatur entgegentritt und Elementen der isländischen Umwelt und der isländischen Natur. Das schönste Beispiel ist vielleicht die Art, wie die Schöpfung der Menschen in der isländischen Mythologie erzählt wird. Und zwar heißt es dort, dass drei Götter am Strand entlang gingen und zwei Stämme Treibholz fanden. Und aus diesen zwei Stämmen Treibholz schufen sie das erste Menschenpaar, den ersten Mann und die erste Frau. Jetzt fragt man sich, warum Treibholz? Wenn man sich jetzt überlegt, wie die christliche, die biblische Menschenentstehungsgeschichte funktioniert – dort ist es Lehm, aus dem man den ersten Menschen formt. Warum? Weil Lehm im Zweistromland der wichtigste Baustoff war. Und genau das Gleiche gilt auch für Treibholz in Island. Denn Island hatte niemals Wälder mit wirklich großen Bäumen.

Das heißt, wenn man einen großen Hallenbau errichten wollte, wie man das als skandinavischer Siedler aus Skandinavien gewohnt war, dann hatte man nur zwei Möglichkeiten, um an großes Bauholz für die tragenden Balken zu kommen. Entweder man setzt Segel nach Skandinavien und kauft sich dort Bauholz, oder man erntet das Treibholz, das die Meeresströmungen an der Nordküste und den Westfjorden an Land spülen. Und Letzteres ist die einzige Art, wie man in Island selbst zu großem, gutem Bauholz kommt. Und daraus erklärt sich dann ganz einfach, warum Treibholz als Material so wichtig war, dass man es als Grundlage für die Schöpfung des Menschen nehmen konnte. Und das ist eben etwas, was tatsächlich nur in Island der Fall war. Für einen Norweger hätte diese Idee, warum man Treibholz verwenden sollte, überhaupt keinen Sinn gemacht, weil man ja durch die norwegischen Wälder sehr einfachen Zugriff hatte auf gutes Bauholz. Und hier sieht man damit sehr schön, dass in Island die Vorstellung davon, was das adäquate Material für die Schaffung des Menschen ist, dadurch überformt wird, wie die natürliche Umwelt funktioniert.

Bei der Kellen: Das heißt, da hat der Mensch aus seiner Umwelt heraus sozusagen diesen Mythos entwickelt.

Egeler: Es wirkt so, ja.

Selbstironische Mythologie?

Bei der Kellen: Jetzt forschen Sie ja schon seit einiger Zeit an diesem Themenkreis, und ich frage mich, was ist eigentlich bislang die Quintessenz ihrer Forschung? Was lässt sich aus dieser Beschäftigung mit der isländischen Geschichte und mit der Geschichte der Entstehung der Mythologie extrapolieren für die gesamte? Ich weiß, das ist eine große Frage, aber vielleicht versuchen Sie mal eine Antwort.

Egeler: Das ist eine sehr große Frage. Beantworten würde ich sie am liebsten mit einer kleinen Geschichte. Es gibt in Nordisland einen Hof namens "Flumeri", in der heutigen Aussprache. Über diesen Hof gibt es in der mittelalterlichen Literatur eine Geschichte, die erzählt, wie ein Landnehmer ein Fohlen kauft, das dann zu einem prächtigen Pferd heranwächst, und irgendwann lauert diesem Landnehmer, als er auf einer Reise ist, ein Zauberer auf und verlangt von ihm ein Wettrennen. Der Bauer gewinnt, und darüber ist der Zauberer so entsetzt, dass er auf den nächsten Berg steigt und sich umbringt. Und weil dieser Zauberer den Namen Örn hatte, heißt der Berg seitdem "Örnavittl". Und dieses Pferd, das das Wettrennen gewonnen hat, hatte den Namen "Fluga". Das Pferd hatte dann noch weitere Abenteuer, und am Ende seines Lebens ertrank es in einem Moor. Und seitdem heißt dieser Hof, wo dieses Pferd im Moor ertrunken ist, eben "Flugumyri", das heutige Flumeri. Warum ist das interessant für die große Frage, was uns all das für die Religionsgeschichte sagt? Der Name des Zauberers "Örn" heißt "Adler". Das heißt, der Berg, auf dem er sich umbringt, ist einerseits "Örns Berg", wo Örn Selbstmord begeht, ist andererseits aber einfach "Adlerberg".

Der Name des Pferds, Fluga, heißt "Fliege". Das heißt, der Hof "Flumeri" heißt einerseits "Flugas Moor", wo Fluga ertrunken ist, andererseits aber einfach "Fliegenmoor". Und vielleicht sehen Sie schon, worauf es hinausläuft. Was hier passiert zu sein scheint, ist, dass jemand einen langweiligen Namen genommen hat, der einfach nur geografisch beschreibend ist, einen Ortsnamen, der einfach die Ökologie eines Orts widerspiegelt. Fliegen gedeihen am besten in Feuchtland, das heißt, wenn man einen Hof bei einem Feuchtland baut, dann wird dieser Hof von Fliegen geplagt sein, und genau das passierte wohl an unserem Hof Flumeri, dem man dann den Namen "Fliegenmoor" gab, wohl mit einiger Resignation. Und wo wohnen Adler? Adler wohnen auf Bergen, und einen Berg, auf dem ein Adler wohnt, kann man natürlich benennen als Adlerberg, "Örnavittl". Und jetzt nimmt unsere Geschichte aber beide Ortsnamen und liest sie gegen den Strich, indem sie aus den Tiernamen Personennamen oder Namen eines andere Tiers macht und daraus dann eine Geschichte mit Zauberern und allem Drum und Dran entwickelt. Und damit schreibt man dieser Landschaft in gewissem Sinne ein selbstironisches Grinsen ein, denn – man kann die ganzen Mücken von Flumeri nicht los werden, aber man kann sich zumindest über sie lustig machen und eine Geschichte darüber erzählen, die aus dem Namen "Fliegenmoor" etwas Interessanteres macht als ein Moor voller Fliegen. Und nicht alles, aber auffallend viele Beispiele davon, wie in der isländischen Literatur mit dem Übernatürlichen der Landschaft umgegangen wird, hat so ein Augenzwinkern.

Das heißt, die große Schlussfolgerung, wenn man so eine große Schlussfolgerung ziehen will, wäre für mich, dass die Religionsforschung vielleicht etwas übersehen hat, welche Rolle Selbstironie und welche Rolle Humor dafür spielt, wie man mit der Konstruktion von Heimat umgeht, wie man mit der Konstruktion einer Lebensumwelt umgeht, in der man sich wohlfühlt. Und insofern kann man vielleicht die Selbstironie des Umgangs mit dem Zauberer Örn der völligen Humorlosigkeit, mit der man heutzutage gelegentlich mit Kreuzen umgeht, gegenüberstellen.

Mein Gott, dein Gott

Bei der Kellen: Und wie viel Christentum ist denn zum Beispiel in der Edda?

Egeler: Da scheiden sich an vielen Einzelpunkten wirklich die Geister. Eine Prozentzahl kann ich Ihnen nicht nennen. Aber es gibt definitiv, denke ich zumindest, Punkte, wo Christliches eingegangen ist in nordische Mythologie. Vielleicht kennen sie etwa den Mythos, der beschreibt, wie Thor in einem armen Haushalt zu Gast ist. Thor fährt auf einem Wagen, der von zwei Böcken gezogen wird. Und weil dieser arme Haushalt nichts auftischen kann, weil man einfach nichts hat, schlachtet Thor diese Böcke, aber mit der Auflage, dass zwar alle dann von diesen Böcken essen dürfen, nachdem man sie gekocht hat, man aber die Knochen nicht verletzen darf. Und am nächsten Tag werden diese Böcke dann wiederbelebt, und es gibt dann aber natürlich Ärger, weil doch jemand einen Knochen gebrochen hat.

Und das erinnert sehr auffällig an ein Wunder, das etwa der Heilige Germanus in der Historia Brittonum, einer walisischen Quelle schon 200 Jahre vor der ältesten Belegung unseres nordischen Mythos vollbringt. Auch der Heilige Germanus ist in einem armen Haushalt zu Gast, in dem es aber zumindest eine Kuh und ein Kalb gibt, also ein bisschen mehr als im Fall des Gottes Thor. Und was dann passiert, ist, dass der Hausherr sein einziges Kalb schlachtet, und Germanus erfährt das dann, dass ihm da jetzt das einzige Kalb des Haushalts aufgetischt worden ist. Und auch er sagt, dass man die Knochen nicht beschädigen dürfe. Am nächsten Tag steht dieses Kalb wieder heil im Stall. Das heißt, der christliche Heilige und der germanische Gott vollbringen quasi das gleiche Wunder. So was kann Zufall sein, aber wahrscheinlicher ist vielleicht, dass das Wunder entlehnt wurde. Die Situation, in der so etwas passiert, kann man sich natürlich gut vorstellen, rein fiktiv natürlich: Ein Heide und ein Christ unterhalten sich darüber, wer den stärkeren Gott hat. Das war in diesen mittelalterlichen Diskussionen immer das Wesentliche. Es ging nie darum, welche Götter existieren, sondern immer darum, wer hat den stärkeren Gott. Und dann sagt der Christ, mein Gott kann, wenn man nur die Knochen nicht verletzt, ein Kalb wieder auferstehen lassen. Was bleibt dem Heiden anderes übrig, als das Gleiche von seinem Gott auch zu behaupten.

Taufe lieber in der warmen Quelle

Bei der Kellen: Sollte sich jetzt unter unseren Hörern zufällig jemand befinden, der in nächster Zeit nach Island fahren wollte, was würden Sie dem als Sehenswürdigkeit empfehlen, und warum?

Egeler: Ein Ort, den man natürlich unbedingt besuchen muss, ist Thingvellir. Der Name bedeutet  "Die Versammlungswälder". Das ist der Ort, wo im Mittelalter die isländische Volksversammlung tagte und wo im Jahr 999 oder 1000 die Konversion Islands zum Christentum beschlossen wurde und wo sich auch der isländische Nationalfriedhof befindet.

Das heißt, der Ort spielt nach wie vor eine zentrale Rolle für die isländische Identität. Und um das Thema, das wir vorher hatten, die kleine Antwort auf die große Frage, nochmal aufzugreifen – diese Selbstironie, diesen augenzwinkernden Umgang mit Religion – wenn man schon in Thingvellir ist und wenn man mit einem Auto unterwegs ist und sich frei bewegen kann, dann würde ich nahelegen, nach Laugarvatn zu fahren, ein paar Dutzend Kilometer östlich von Thingvellir oder und dort die heißen Quellen zu besuchen.

Denn am See Laugarvatn befindet sich die Quelle Vígðalaug, das heißt, "die geweihte Quelle". In einem mittelalterlichen Text heißt es dazu: als man im Jahr 1000 die Konversion beschloss, hatte man dann aber dann doch keine Lust, sich im kalten Wasser taufen zu lassen. Deswegen fand die Taufe nicht in Thingvellir statt, sondern ein Teil der Isländer ging eben an den Laugarvatn, an den Quellsee zur warmen Quelle Vígðalaug, der warmen geweihten Quelle, um sich dort taufen zu lassen. Und ein anderer Teil der Isländer machte das Gleiche in Lundarreykjadalur an der Quelle, die heute "Krosslaug", also "Kreuzquelle" heißt, das ist auch eine kleine warme Quelle, die damit als wohltemperiertes Taufbecken fungieren konnte. Also, man nahm diesen religiösen Wandel nicht so ernst, dass man dafür einen Sprung ins kalte Wasser in Kauf nehmen wollte.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio Kultur macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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