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Interview | Beitrag vom 21.11.2019

Relativierung des Holocaust durch Roger HallamProvokation um jeden Preis

Jörn Leonhard im Gespräch mit Ute Welty

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Das Foto zeigt den Klimaaktivisten Roger Hallam, der die Bewegung "Extinction Rebellion" mitgegründet hat. (dpa / picture alliance / Hollandse Hoogte / ANP / Evert Elzinga)
Klimaaktivist Hallam: Seine Verharmlosung des Holocaust provoziert durch Einebnung der Geschichte. (dpa / picture alliance / Hollandse Hoogte / ANP / Evert Elzinga)

Die Relativierung des Holocaust durch den Klimaaktivisten Roger Hallam dient vor allem dazu, auf die eigene Sache aufmerksam zu machen - so sieht es der Historiker Jörn Leonhard. Ein Gespräch über den Sinn und Unsinn von historischen Vergleichen.

Ein Klimaaktivist stellt die Einzigartigkeit des Holocausts in Frage und sieht in dem monströsen Verbrechen nur einen "weiteren Scheiß der Menschheitsgeschichte". Was Roger Hallam, Mitbegründer der Klimabewegung "Extinction Rebellion", geritten hat, sich auf diese Weise an die Öffentlichkeit zu wagen, kann nur er selbst abschließend beantworten. Klar ist aber: Wenn es seine Absicht gewesen sein sollte, Aufmerksamkeit zu erregen, hat er wohl Erfolg gehabt.

"Ich sehe darin vor allem eine Provokation", sagt der Historiker Jörn Leonhard, der Neuere und Neueste Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg lehrt. "Historische Vergleiche dienen immer dazu, komplizierte Sachverhalte auf den Punkt zu bringen, Suggestivität herzustellen, häufig auch Aufmerksamkeit zu erreichen." Man müsse unterscheiden zwischen dem Inhalt des Arguments und der medialen Strategie - und letztere habe "hier große Bedeutung gehabt".

Entkontextualisierung und Einebnung

Es gehe Hallam nicht um analytische Fragen, kritisiert Leonhard: "Das Ärgerliche an diesen Vergleichen ist einfach das Ausmaß an Entkontextualisierung und damit natürlich auch Einebnung. Es ist ja in gewisser Weise banal, dass jedes Ereignis der Geschichte in irgendeiner Weise einzigartig und unwiederholbar ist."

Dabei ist der Vergleich selbst für unser Geschichtsverständnis sinnvoll, betont Leonhard: "Wir müssen vergleichen. Wir lernen die Welt überhaupt nur kennen durch den Vergleich. Ich glaube, dass wir uns die Welt erschließen durch Vergleiche zwischen Zeiten und Räumen."

Wenn man beginne zu vergleichen und dann merke, wo der Vergleich hinke, wenn man die Unterschiede herausstelle, komme man zu einer "differenzierteren Erschließung der Welt". Gerade die jahrzehntelange Diskussion in Deutschland über die Singularität des Holocaust habe hierzulande zu einem kritischen und dynamischen Geschichtsbewusstsein beigetragen, so der Historiker.

(ahe)


In unserer Mittagssendung "Studio 9 - Der Tag mit..." sprachen wir außerdem mit Ferda Ataman vom Verein Neue Deutsche Medienmacher über Roger Hallams Äußerungen:

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