Donnerstag, 22.10.2020
 

Im Gespräch | Beitrag vom 30.05.2020

Reisen in Corona-ZeitenBerchtesgaden oder Balearen?

Moderation: Gisela Steinhauer

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In einer Reihe stehen zahlreiche Koffer vor dem Auto. (imago/ Gerhard Leber)
Wohin soll es diesmal gehen? Konkrete Urlaubspläne zu machen, war 1970 wohl leichter als 2020. (imago/ Gerhard Leber)

Sommer – Sonne – Urlaub! Doch wohin soll die Reise gehen in diesen Corona-Zeiten? Die weltweiten Reisewarnungen werden zwar entschärft, aber Einschränkungen bleiben. Heißt es also Balkonien und Berchtesgaden statt Balearen oder Bali? Diskutieren Sie mit!

Die Corona-Pandemie wirbelt auch unsere Ferienpläne durcheinander. Zwar werden die weltweiten Reisewarnungen durch individuelle Hinweise ersetzt, erste Länder öffnen ihre Grenzen für Touristen, Airlines bieten erste Flüge, Hotels arbeiten an Corona-Schutzprogrammen für ihre Gäste. Aber was bedeutet Reisen in Pandemie-Zeiten? Wie unbeschwert können wir den Strandurlaub im Süden genießen? Ist es nicht doch sicherer, hierzulande Urlaub zu machen? Und wird Corona unser Reiseverhalten langfristig verändern?

Boom der heimischen Destinationen

"Die zwei Wochen nach Pfingsten sind ein Lackmustest", sagt Jürgen Schmude, Professor für Tourismuswirtschaft, Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Hier zeige sich, wie die Deutschen die neue Reisefreiheit auskosten. Vor Corona bevorzugten zwei Drittel der Urlauber ausländische Ziele, ein Drittel bleibe im Land. "Wenn die, die sonst außerhalb Deutschlands Urlaub machen, jetzt auch hier bleiben, dann haben wir ganz schnell eine Übertourismus-Diskussion, mit den Problemen, die auch ausländische Destinationen betreffen."

"Corona ist auf jeden Fall eine Chance, weil wir in den letzten Tagen und Wochen gelernt haben, was Reisefreiheit bedeutet", so Jürgen Schmude. "Viele Reisen sind ohne großes Nachdenken geschehen, weil es eben möglich gewesen ist: der Shoppingtrip nach Mailand mit dem Billigflieger oder der Junggesellenabschied auf Mallorca oder in Dublin. Das wird in der Zukunft nicht mehr eine solche Rolle spielen. Auch, weil sich die touristischen Anbieter diese Preise nicht mehr leisten können."

"Die erste Reise wird etwas Besonderes"

"Ich bin überzeugt davon, dass das Reisen nach Corona auch positive Veränderungen mit sich bringen wird", sagt die Reiseautorin- und Bloggerin Julia Lassner. "So wird die allererste Reise nach monatelanger Isolation vermutlich sehr bewegend für uns alle sein. Egal, wo sie uns hinführen wird – ob wir ein Mikroabenteuer vor der Haustür erleben oder gar Deutschland verlassen – diese erste Reise wird etwas Besonderes."

Julia Lassner hat viele Fernweh-Ziele bereist: Australien, Neuseeland, Hawaii, die Karibik; unter anderem hat sie vier Jahre auf Kreuzfahrtschiffen gearbeitet. Mittlerweile lebt sie in ihrer Heimatregion, der Vulkaneifel, konzentriert sich auf Ziele innerhalb Deutschlands und schwärmt von Berchtesgaden statt von Bali.

Ihr Wunsch: "Dass das Reisen in Zukunft nachhaltiger wird und zwar von beiden Seiten – von der Tourismusindustrie sowie von den Reisenden. Ich wünsche mir zum Beispiel, dass Unterkünfte schonender mit Ressourcen umgehen, dass das Nachtzugfahren erschwinglicher wird, dass Einwegplastik in Flugzeugen verboten wird. Und dass Business-Meetings öfter per Skype stattfinden, anstatt mal eben von Berlin nach München zu fliegen. Letzteres sollten wir durch die Corona-Krise ja nun schon bestens gelernt haben."

(sus)

Balearen oder Balkonien? Reisen in Corona-Zeiten
Darüber diskutiert Gisela Steinhauer heute mit der Reiseautorin Julia Lassner und dem Tourismusforscher Jürgen Schmude. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254 sowie per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de. Besuchen Sie uns auch auf Facebook, Instagram und Twitter!

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