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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 25.02.2021

Reisefreiheit für Corona-GeimpfteNur kein Neid!

Ralf Fücks im Gespräch mit Anke Schaefer

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Symbolfoto: Digitaler Impfass und Reisepass vor Fernweh-Motiv auf einem Laptop. (IMAGO / Political-Moments)
Symbolfoto: Digitaler Impfass und Reisepass, (IMAGO / Political-Moments)

Brauchen wir für Urlaubsreisen bald einen Impfpass, der belegt, dass wir gegen Corona geimpft sind? Der Publizist Ralf Fücks hält viel von der Idee. Und: Statt neidisch auf jene zu blicken, die wieder alles dürfen, solle man sich lieber mit ihnen freuen.

Dürfen gegen eine Coronainfektion Geimpfte bald wieder Urlaub in Griechenland, Spanien oder Österreich machen? Diese Länder, die stark vom Tourismus abhängen, würden gerne eine Impfpassregelung einführen: mit einem elektronischen sogenannten grünen Impfpass nach israelischem Vorbild. Andere wiederum wollen einen negativen Coronatest sehen, bevor sie jemanden einreisen lassen.

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Darüber verhandeln die EU-Länder derzeit. Ganz unabhängig davon, ob so ein Pass angesichts der immer noch sehr geringen Zahl von Geimpften im Augenblick überhaupt Sinn hat, hält unser Gast, der Publizist Ralf Fücks, sehr viel von dieser Idee:  "Ich glaube, dass es darauf hinauslaufen wird, weil wir wahrscheinlich bis in das nächste Jahr brauchen werden, bis tatsächlich der allergrößte Teil unserer Bevölkerung geimpft ist. Und wir können nicht so lange weiter alle Leute einsperren und weiter ihre Grundrechte kassieren."

Typisches Phänomen einer Mangelwirtschaft

Wenig Verständnis hat Fücks dafür, dass sich einige über die Ungerechtigkeit empören, noch keinen Impftermin bekommen und darum weniger Rechte und Bewegungsfreiheit zu haben als schon Geimpfte. "Ich finde diesen Neid auf die anderen ganz furchtbar. Statt sich über jeden zu freuen, der wieder reisen oder das Kulturleben in Anspruch nehmen kann, zu sagen: Aber ich darf noch nicht und deshalb darf der andere auch nicht!"

Im Grund zeige dies ganz gut, wohin eine Mangelwirtschaft führe: "Zu genau dieser hässlicher, neidgetriebenen Kolonnenvorstellung: alle oder niemand. Das ist aber nicht der Geist, den eine liberale Demokratie auszeichnen sollte."

Ralf Fücks ist geschäftsführender Gesellschafter des Zentrums Liberale Moderne in Berlin. Er war zuvor Vorstand der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung, wo er für die Inlands­ar­beit der Stif­tung sowie für Außen- und Sicher­heits­po­li­tik, Europa und Nord­amerika ver­ant­wort­lich war. 1989/90 war Fücks Co-Vorsitzender der Grünen und Senator für Umwelt und Stadtentwicklung in Bremen. Er hat zahlreiche Bücher publiziert, zuletzt erschien der Sam­mel­band "Soziale Markt­wirt­schaft öko­lo­gisch erneu­ern".

Hören Sie hier die ganze Sendung: 
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