Feature, vom 26.06.2021, 18:05 Uhr

Reihe: Wirklichkeit im RadioSteh auf, es ist Krieg

Vom Überfall auf die Sowjetunion
Von Paul Kohl

1941 sollte die Sowjetunion in einem Blitzkrieg vernichtet werden. Ausmaß der Brutalität und Zahl der Toten übersteigen jede Vorstellungskraft. Paul Kohl brachte 1986 ins Bewusstsein, was viele bis heute verdrängen.

Bewohner von Smolensk, die den Zweiten Weltkrieg überlebt haben.  (imago/teutopress)
Bewohner von Smolensk, die den Zweiten Weltkrieg überlebt haben. (imago/teutopress)

22. Juni 1941: Der Angriff der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion erfolgt unter dem Codewort "Fall Barbarossa". Drei Viertel der gesamten militärischen Streitkräfte hatte Hitler zusammengezogen, um die Sowjetunion in einem Blitzkrieg zu vernichten. Über fünf Monate dauerte der Vormarsch. Teile der Wehrmacht standen Anfang Dezember 1941 kurz vor Moskau. Dann wurden sie von der Roten Armee zurückgetrieben, drei Jahre lang. Beim Rückzug befahl Hitler die Strategie der "Verbrannten Erde": Jedes Haus, jeder Brunnen musste zerstört werden. Allein in Belarus wurden während der drei Jahre der deutschen Besetzung 190 Konzentrationslager und sechzig Ghettos von der Wehrmacht und der SS errichtet, wurden 209 Städte und 9.100 Dörfer zerstört. Die Bewohner von 628 Dörfern wurden lebendig verbrannt. Insgesamt verloren 20 Millionen Russen ihr Leben.

Der Autor Paul Kohl reist im Jahr 1985 diesem Krieg nach, auf der Spur der Heeresgruppe Mitte: Brest, Minsk, Smolensk, Moskau. Er besucht die wieder aufgebauten Städte und Dörfer. Er lässt die Opfer dieses Überfalls erzählen, wie das damals war, als die Deutschen kamen. Die Überlebenden von Massenerschießungen, aus den Ghettos, den Konzentrationslagern, aus den verbrannten Dörfern. Und er stellt ihnen die Aussagen und Erinnerungen ehemaliger deutscher Soldaten der Heeresgruppe Mitte gegenüber. Es entsteht das Panorama eines Alptraums. Und damit die Frage: Wie war das möglich?


Reihe: Wirklichkeit im Radio
Steh auf, es ist Krieg
Vom Überfall auf die Sowjetunion
Von Paul Kohl
Regie: Wolfgang Bauernfeind
Mit: Burghart Klaußner, Christine Davis, Gudrun Genest, Walter Renneisen und Erwin Schastok
Ton: Alfons Steffen
Produktion: SFB/DLF/NDR/RB/SWF 1986
Länge: 54'03
Länge: 58'08 (Online-Fassung)

Alle Sendungen aus der Reihe "Wirklichkeit im Radio" finden Sie hier.


Paul Kohl, geboren 1937 in Köln, Schriftsteller und Autor von Hörspielen und Radio-Features. Sein besonderes Interesse gilt der Zeit des Zweiten Weltkriegs und den Kriegsverbrechen der Schutzstaffel und der Wehrmacht in der Sowjetunion. Zu diesem Thema schrieb er auch das Drehbuch für eine sechsteilige Fernsehserie im Jahr 1991. Für seine zahlreichen Features erhielt er 2014 den Axel-Eggebrecht-Preis für sein Lebenswerk. Jens Jarisch sagte in der Laudatio: "Paul Kohl übermittelt uns nicht die Nachricht, sondern das, was sie auslässt. Seine Geschichten handeln nur beiläufig davon, was genau geschehen sein mag. Vordringlich handeln sie davon, wie dieses Geschehnis im Hier und Heute wirkt. Bekanntes bekommt neue Brisanz und Geschichte wird lebendig. Weil es sich in Wirklichkeit gar nicht um Geschichte handelt, sondern um eine Form, die Gegenwart zu betrachten."Zu seinen Radioarbeiten gehören unter anderem "Also am liebsten hätte ich mich auf die Straße gesetzt und angefangen zu heulen" (Originalton-Hörspiel, HR 1983), "Das Fett meines Vaters" (Hörspiel, Funkhaus Berlin/RB 1991), "Der Ofenbauer für die Endlösung – Die Firma Topf & Söhne, Erfurt" (Deutschlandfunk/MDR 2001).

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