Feature, vom 31.07.2021, 18:05 Uhr

Reihe: Wirklichkeit im RadioBattle Field Eye

Von Edgar Lipki

In diesem Radiostück aus dem Jahr 2001 wirft der langjährige Kriegsreporter Friedhelm Brebeck eine Frage auf, die seitdem weiter an Brisanz gewonnen hat: Was bedeutet Krieg im Zeitalter seiner medialen Direktübertragung?

Fernsehnachrichten eingeschalten - der moderne Krieg wird zu einem Bild. (EyeEm /  Jo Kirchherr)
Fernsehnachrichten einschalten - der moderne Krieg wird zu einem Bild. (EyeEm / Jo Kirchherr)

Der Schnellzug nach Belgrad im Zoom einer Rakete auf dem Weg in ihren optischen Fluchtpunkt oder das einsame Auge des Kampfpiloten über Bagdad: Waren es zu Beginn des letzten Jahrhunderts noch Kriegsberichte oder die Filme der Wochenschau, die die Wahrnehmung der Massen ausmachten, so ist der moderne Krieg selber zu einem Bild geworden. Eine Live-Schaltung des Todes. Aufbereitet in rapide alternden Fernsehbildern schwindet das Glück des Überlebens, verbleibt dem täglichen Konsumenten von Tagesschau und CNN nichts als die heimliche, wenn auch leere Faszination von Bild und Zerstörung. Mit den allabendlichen Fernsehbildern entfernter Schlachten "entschwindet der Krieg als Erscheinung vor den Augen der Welt" (Paul Virilio). Ein blinder Fleck in der Wahrnehmung zum Beginn des neuen Jahrtausends. Das Projekt wurde mit einem Stipendium der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen gefördert.


Reihe: Wirklichkeit im Radio
Battle Field Eye
Von Edgar Lipki
Regie: der Autor
Mit: Friedhelm Brebeck und Leslie MaltonTon: Ernst Gaida-Hartmann
Produktion: WDR 2001
Länge: 54'41

Alle Sendungen aus der Reihe "Wirklichkeit im Radio" finden Sie hier.


Edgar Lipki, geboren 1957 in Werdohl/Westfalen, schreibt Theaterstücke und Hörspiele. Aus der Arbeit mit Musikern und Soundesignern an experimenteller Tanzmusik seit 1997 entstanden die Hörstücke "Woyzeck", "Wymoing", "American Dusk" und "Talking Exile". Edgar Lipki lebt in Köln. Zuletzt: "Walhalla City Limits" (WDR 2017).

Abonnieren Sie unseren Newsletter!