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Fazit / Archiv | Beitrag vom 25.12.2016

Reihe: Was mir heilig istPeter Licht über Ehrfurcht beim U-Bahn-Fahren

Aufgezeichnet von Gerd Brendel

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Der Indie-Pop-Musiker und Autor PeterLicht liest am 19.03.2015 im Rahmen des internationalen Literaturfestivals Lit.Cologne in Köln. (imago/Horst Galuschka)
Der Indie-Pop-Musiker und Autor Peter Licht: "Und das bricht dann irgendwie - wie durch so eine Membran - zu einem durch." (imago/Horst Galuschka)

Der Sänger Peter Licht erkennt einen verborgenen Zusammenhang zwischen dem katholischen Rosenkranz-Gebet und der Popkultur. Als "heilig" empfindet er solche Momente, wenn uns Ereignisse in der Außenwelt plötzlich tief berühren.

"Was ist mir heilig, okay? Das ist 'ne große Frage.

Ich bin tatsächlich vor ein paar Jahren in so einen Gottesdienst hineingeraten. Und dann fand dann eben dieses 'Gegrüßet seist du, Maria' statt. Da gab es irgendein Familientreffen, weil ein Verstorbener gewürdigt wurde, wurde da eben noch so ein Rosenkranz-Gebet in der Messe drangehängt.

Das war sehr intensiv irgendwie. Nicht weil ich das so intensiv mitgebetet habe, sondern einfach weil was man da so an Zuständen durchlebt: erstmal kann man das gar nicht fassen, dass jetzt immer das Gleiche über eine Stunde lang gesagt wird, und dann erkennt man irgendwann dieses Mantra, wie das dann funktioniert. Wenn man dieses katholische Mantra startet, ist man bei dem 'Prinzip Mantra', das in unserer Gesellschaft auch da ist:

Pop funktioniert mit Repetition, die ganze Gesellschaft definiert sich über Wiederholung. Immer wieder Wiederholung. Was ist gut, was ist böse? Wie soll ein Leben stattfinden?

Wahrscheinlich ist das mit der Heiligkeit so ein Ding, wo man so hinschaut.

Also, wenn ich jetzt nicht gerade überlege, dass ich mit der U-Bahn hier durch die Stadt fahre, und man sieht diese ganzen Leute, und man sieht dann so die Chicks alle an sich vorbeiziehen: Zum Beispiel heute war hier in Berlin eine eigentlich normal angezogene Frau, die offensichtlich Alkoholikerin war und da irgendwie gesammelt hat. Aber man hat das irgendwie nicht zusammengebracht mit der Art, wie sie gekleidet war. Und das bricht dann irgendwie - wie durch so eine Membran - zu einem durch. Also, das sind so Momente, wo man hinguckt, wo man was spürt. Ja, klar, das ist 'ne Ehrfurcht."

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(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 24.12.2016)

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