Freistil, vom 22.03.2020, 20:05 Uhr

Reihe ,Leibkultur - Vom Körper' (4/5)Der zerbrochene Spiegel

Von Uta Rüenauver

Wir leben in (selbst-) bildversessenen Zeiten. Durch die Selfie-Manie auf Instagram, Snapchat und WhatsApp wird das eigene Aussehen wichtiger als je zuvor. Aber der Blick in die Kamera und den Spiegel fällt nicht jedem leicht. Die Angst vor der vermeintlichen Hässlichkeit nimmt zu und kann auch krankhafte Züge annehmen.

Gesichter dreier junger Frauen mit Narben und Läsionen. (imago / Science Photo Library)
Narben und Läsionen sind Spuren des Lebens auf der Haut. (imago / Science Photo Library)

Kein Selbstbewusstsein ohne Selbstbild - und dafür ist der Blick in den Spiegel unerlässlich. Er liefert uns ein vermeintlich objektives Bild von uns: Wie wir uns im Spiegel sehen, so sehen uns wohl auch die anderen. Doch der Blick in den Spiegel ist trügerisch.

Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters, heißt es. Die Hässlichkeit ebenso. Und so blickt einem aus dem Spiegel mitunter ein Monster entgegen.

Der Betrachter sieht ein niederschmetterndes Bild von sich, das nur er sieht, von dem er aber glaubt, alle anderen sähen es auch. Im Netz werden Bilder vielfach inszeniert und bearbeitet und bleiben doch oft zurück hinter dem angestrebten Ideal. Kein Wunder, dass Psychiatrie und Psychologie vermehrt eine körperdysmorphe Störung diagnostizieren: die Angst vor Hässlichkeit.

Reihe ,Leibkultur - Vom Körper' (4/5)

Der zerbrochene Spiegel
Über die Angst vor der Hässlichkeit
Von Uta Rüenauver
Regie: Susanne Krings
Produktion: Dlf 2020

(Teil 5 der Reihe ,Leibkultur' am Sonntag, 29.03.2020)

Das Auge dominiert die Welt. Eine Welt der Äußerlichkeiten. Ist das heutige Selfie- und Instagram-Zeitalter nicht eine neue Periode der körperlichen Determiniertheit und Unfreiheit? 
Auf der Suche nach Selbstoptimierung und äußerlicher Perfektion entstehen mehr Scham, mehr Komplexe und weniger Körperlichkeit. Aber die neuen Körperwelten bieten auch neue Chancen und unerwartete Möglichkeiten. Freistil beschäftigt sich im März 2020 in fünf Folgen mit der aktuellen "Leibkultur".

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