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Kompressor | Beitrag vom 21.02.2018

Regisseurin von "Generation Wealth""Die reichen Jugendlichen wollten wie Gangster aussehen"

Lauren Greenfield im Gespräch mit Shanli Anwar

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Filmstill aus "Generation Wealth" von Lauren Greenfield (© INSTITUTE / Lauren Greenfield   )
Filmstill aus "Generation Wealth" von Lauren Greenfield (© INSTITUTE / Lauren Greenfield )

Reichtum ist der rote Faden im Werk der US-amerikanischen Fotografin Lauren Greenfield. Der Film "Generation Wealth" ist eine Art Werkschau. Er zeigt, wie die Medien Bilder generieren, die überall auf der Welt eine Jagd nach Wohlstand auslösen – und welche Narben das hinterlässt.

Sie hat viele reiche, und vermeintlich schöne US-Amerikaner vor der Linse gehabt: die Fotografin Lauren Greenfield. Auf der Berlinale läuft mit "Generation Wealth", also Generation Reichtum, eine Art Werkschau der Amerikanerin, Fotos und Dokumentarfilme der letzten 25 Jahre. Darunter auch ein Gespräch mit David Siegel, der US-Geschäftsmann, der in Florida seit Jahren versucht, das Schloss Versailles original getreu nachzubauen. Will jeder Amerikaner sich reich fühlen, fragt Greenfield. Antwort David Siegel:

"Everyone wants to be rich. And if they can't be rich the next best thing is to feel rich.  And if they don’t want to feel rich, they are probably dead."

Szene aus dem Film "The Queen of Versailles" von Lauren Greenfield mit David und Jaqueline Siegel. (imago /Lauren Greenfield)Szene aus dem Film "The Queen of Versailles" von Lauren Greenfield mit David und Jaqueline Siegel. (imago /Lauren Greenfield)

Und Reichtum ist der rote Faden in Lauren Greenfields Arbeiten. Dabei hat die studierte Anthropologin Anfang der 1990er-Jahre als erstes in der ärmsten Region Mexicos, in Chiapas, Maya porträtiert – um zurück in Los Angeles dann doch die "rich kids" ins Visier zu nehmen.

"Ich fing an darüber nachzudenken, warum die Serie 'Beverly Hills 90210' überall auf der Welt so beliebt war und wie Jugendliche davon beeinflusst wurden. Ich überlegte also, dass diese Kultur aus meiner Heimatstadt, die Auswirkungen auf die Jugendkultur auf der ganzen Welt hatte, vielleicht etwas war, das ich mit der gleichen Genauigkeit und anthropologischen Perspektive studieren sollte, die normalerweise bei einer fremden Kultur angewandt wird."

"Die Medienkultur hat sie alle geprägt"

Sie hat viel Zeit mit diesen Jugendlichen in L.A. verbracht. Welchen Effekt hat so viel Geld auf diese jungen Menschen?

"Was mich wirklich überraschte, war der frühzeitige Verlust der Unschuld. Diese Konfrontation mit den Medienkultur und dem Lebensstil von Hollywood schien den Jugendlichen die Unschuld zu nehmen. Ich habe mir angesehen, wie Kinder von den Werten des Materialismus und dem Kult um Prominente beeinflusst werden im Zusammenhang mit der Bedeutung des Bildes.

Ich habe mit den reichen Kindern angefangen, aber mir dann auch die Kids in den Vorstädten angesehen, weil sie alle von MTV und seinem Materialismus beeinflusst waren. Die reichen Jugendlichen haben versucht, wie Gangster auszusehen, die ärmeren versuchten, den Wohlstand nachzuahmen. Die Medienkultur hat sie alle geprägt."

Erst der Zusammenbruch führt aus der Gier heraus

Einige der Jugendlichen, die sie Anfang der 90er in Los Angeles porträtiert hatte, hatte sie wiedergetroffen, und alle schienen auf eine Art Schaden von ihrer Gier nach Reichtum davon getragen zu haben. Drogensucht, Depression – der Reichtum hat Narben hinterlassen. Ist es unmöglich reich und glücklich sein?

"Was wir bei fast allen Geschichten sehen ist, dass die Jagd nach Wohlstand – sei das nun Geld oder Schönheit oder Jugend - nicht zum Glücklichsein führt. Die Geschichten handeln davon, dass die Protagonisten denken, es würde doch dazu führen, und dann stellen sie fest, wenn sie ihre eigenen Zusammenbrüche haben, dass sie zu den wirklich wichtigen Dingen zurückkehren müssen."

Konsum sei eine Sucht. Diese lasse sich erst durchbrechen, wenn eine Art Zusammenbruch erfolgt, wie zum Beispiel in Island nach der Finanzkrise:

"Alle Protagonisten hatten ihre Krisen und dadurch erfolgten Veränderungen. Veränderungen sind möglich, aber diese erfolgen nur durch einen Schock des Systems, der uns aufwachen lässt."

(abu)

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