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Im Gespräch | Beitrag vom 18.07.2018

Regisseurin und Kamerafrau Elfi Mikesch"Dunkelheit ist der Wald unserer Fantasie"

Moderation: Britta Bürger

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Die Fotografin und Kamerafrau Elfi Mikesch steht anlässlich der Pressevorbesichtigung in der Ausstellung "Abfallprodukte der Liebe" in der Berliner Akademie der Künste (picture alliance / Bernd von Jutrczenka/dpa)
Die Fotografin und Kamerafrau Elfi Mikesch steht anlässlich der Pressevorbesichtigung in der Ausstellung "Abfallprodukte der Liebe" in der Berliner Akademie der Künste (picture alliance / Bernd von Jutrczenka/dpa)

Freundschaften seien für sie "existentiell", sagt die Regisseurin und Kamerafrau Elfi Mikesch. Mit ihren engen Freunden Rosa von Praunheim und dem verstorbenen Werner Schroeter hat sie viele Filme gedreht. Werke der drei Weggefährten sind derzeit in Berlin zu sehen.

Ihre Karriere begann in einer Dunkelkammer. Dort hat sich Elfi Mikesch während ihrer Ausbildung zur Fotografin vorwiegend aufgehalten. Bis heute hat Dunkelheit für die Regisseurin und Kamerafrau  eine besondere Faszination, denn dort sei  "der Wald unserer Fantasie", sagt sie. "Mit Fantasie sind wir alle ausgestattet."

Kinder seien kreativ, wenn sie die Welt entdecken. Wenn sich jemand ins Reich der Fantasie begebe, bedeute das allerdings auch "sich mit Ängsten zu befassen, weil in der Dunkelheit nicht alles übersichtlich ist", sagt Mikesch. Andererseits könnten wir uns in der Dunkelheit selbst entdecken.

Elfi Mikesch kam als junge Frau nach Frankfurt und tauchte dort in eine Künstlerszene ein, die sie sehr inspirierte und ihr Interesse für politische Fragen und für den Film weckte. Elfi Mikesch entdeckte bald auch ihre Liebe zu Frauen und damit das Gender-Thema. Mit ihrer Freundin Monika Treut gründete sie die Hyäne-Filmproduktion und wurde schließlich von ihrem Freund, dem Regisseur Rosa von Praunheim nach Berlin gelockt. Mit ihm und dem inzwischen verstorbenen Werner Schroeter verband sie eine Jahrzehnte lange Freundschaft. Die Drei drehten zahlreiche Filme zusammen. "Freundschaften sind innerhalb einer Welt, wo es so viele Feindschaften gibt, eine Möglichkeit das zu mildern oder die Konflikte nochmal auf einer anderen Ebene zu sehen, weil eine Freundschaft ohne Konflikt ist keine Freundschaft."

In Ihrem autobiographischen Film  "Fieber",  verarbeitet Mikesch ihr Aufwachsen mit  einem vom Krieg traumatisierten Vater, der in einer französischen Fremdenlegion gedient hatte. Ihre Kindheit verlief im Schatten der Malaria-Fieberanfälle des Vaters. Doch darüber habe man nie gesprochen" "Krieg ist nicht heilbar und er wird von Generation zu Generation weiter getragen. Kinder sind die Leidtragenden und sie müssen den Krieg mitnehmen in ihr Leben", sagt sie. Angesichts der gegenwärtigen Kriege, wird die 78-Jährige das Thema auch als Filmemacherin weiter beschäftigen.

Derzeit sind ihre Werke sowie die ihrer Weggefährten Rosa von Praunheim und Werner Schroeter in der Ausstellung "Abfallprodukte der Liebe" in der Berliner Akademie der Künste am Pariser Platz zu sehen.

Abfallprodukte der Liebe
Eine Ausstellung mit Werken von Elfi Mikesch, Rosa von Praunheim und Werner Schroeter
18. Mai – 12. August 2018
Berliner Akademie der Künste, Pariser Platz

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