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Im Gespräch | Beitrag vom 11.02.2019

Regisseurin und Autorin Pia Frankenberg "Ich wollte auf Entdeckungsreise gehen"

Moderation: Britta Bürger

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Pia Frankenberg "Im Gespräch" mit Britta Bürger. (Jörg Schumacher)
Eine Erbschaft brachte Pia Frankenberg als Co-Produzentin zum Film - ohne je zuvor ein Drehbuch gelesen zu haben. (Jörg Schumacher)

"Nie wieder schlafen" aus dem Jahr 1992 läuft auf der Berlinale in der Retrospektive: Pia Frankenberg erzählt darin schwarzhumorig von einem Berlin-Besuch dreier Freundinnen. Inzwischen hat sich die Regisseurin auf das Schreiben von Romanen verlegt.

Als sie 17 Jahre alt war, kam ihr Vater bei einem Flugzeugabsturz ums Leben - und Pia Frankenberg erbte plötzlich ein beträchtliches Vermögen. Am liebsten hätte sie alles verschenkt, aber ein Freund riet ihr ab und empfahl ihr, mit dem Geld lieber einen Film zu fördern. Ihr erstes Projekt war eine Co-Produktion für Luc Bondy.

"Ich hatte noch nie ein Drehbuch gelesen"

Damals hatte sie noch keinerlei Ahnung von Regie. "Ich hatte noch nie ein Drehbuch gelesen in meinem ganzen Leben und dachte, warum nicht - und habe da Geld reingesteckt. Ich habe mir allerdings ausbedungen, dass ich eine niedere Tätigkeit im Team verrichte, nämlich: Ich war Praktikantin." Ironie der Geschichte: Der Film gewann einen Preis, hatte Erfolg - und das von Pia Frankenberg investierte Geld vermehrte sich.

Danach schaute sie sich in der Filmszene um und scheute auch nicht davor zurück, den Austausch mit den ganz Großen zu suchen. So reiste sie zum Beispiel nach Peru zu Werner Herzog, der damals gerade "Fitzcarraldo" drehte. Schließlich schloss sie sich dem als Kooperative von unabhängigen Filmemachern organisierten Hamburger Filmbüro an. Ganz basisdemokratisch habe man sich manchmal so gestritten, dass "Stühle flogen", berichtet Frankenberg.

Vom Hamburger Filmbüro zur eigenen Produktionsfirma

Aus dieser Zeit kennt sie auch den Noch-Berlinale-Chef Dieter Kosslick, der damals als zweiter Geschäftsführer des Filmbüros fungierte. Mit ihm besetzte sie sogar eine Nebenrolle in einem ihrer Filme. "Er spielte einen Senatsmitarbeiter, der ein türkisches Ehepaar einbürgern musste. Er hielt da eine spontane Rede und die ist wahnsinnig komisch, weil er das aus dem Stand gemacht hat."

Die Schauspielerinnen Gaby Herz, Christiane Carstens und Lisa Kreutzer stehen an einem Ufer. (imago / United Archives)Szene aus "Nie wieder schlafen" mit (v.l.n.r.) Gaby Herz, Christiane Carstens und Lisa Kreutzer (imago / United Archives)

Irgendwann hatte Pia Frankenberg eine eigene Produktionsfirma. Besonders erfolgreich war sie mit "Brennende Betten". Für die Retrospektive der Berlinale hat sie den Film "Nie wieder schlafen" aus ihrem Keller geholt. Darin lassen sich drei Frauen durch das Berlin kurz nach der Wende treiben. Auf eine fertige Choreographie hat sie damals bewusst verzichtet. "Ich wollte auf Entdeckungsreise gehen."

Der Liebe wegen nach New York

1995 begegnet sie im Rahmen eines Filmprojekts Eliott Erwitt. "Ich wollte immer was über diesen Fotografen machen, weil ich seine Fotografie toll fand. Und dann habe ich ihn gefragt, ob ich einen Film über ihn zum Thema Hunde drehen kann, über seine Fotografie natürlich. Und so haben wir uns kennengelernt."

Der zeitweilige Präsident der Agentur "Magnum" hat zu diesem Zeitpunkt bereits drei Ehen hinter sich und sechs Kinder. Trotz des großen Altersunterschieds – Erwitt ist 29 älter als die Regisseurin – heiraten die beiden, Pia Frankenberg zieht nach New York.

Seitdem arbeitet sie vor allem als Romanautorin. "Ich habe einfach gemerkt, dass mir das guttut, diese Konzentration auf das Schreiben." Sie scheute allerdings auch die Mühe, von den USA aus Filme mit dem deutschen Fördersystem zu realisieren. Das hätte schlicht zu viel Zeit gekostet, sagt sie. In ihren Büchern, darunter "Nora" und "Der letzte Dreh", verarbeitet sie auch autobiografische Elemente. 2012 kehrte Pia Frankenberg aus New York zurück und lebt inzwischen in Berlin.

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