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Vollbild | Beitrag vom 10.06.2017

Regisseurin Patty Jenkins über ihre Superheldin"Wonder Woman gehört allen"

Von Anna Wollner

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Schauspielerin Gal Gadot als "Wonder Woman" (imago/ZUMA Press)
Die Schauspielerin Gal Gadot spielt die Hauptrolle in dem Film "Wonder Woman". (imago/ZUMA Press)

"Wonder Woman" ist die erste große Comic-Verfilmung mit einer Heldin in der Hauptrolle. Kinoketten wollten sie mit Extravorführungen sowohl für Männer als auch für Frauen vereinnahmen. Regisseurin Patty Jenkins kann damit nicht viel anfangen und betont: Jeder könne sich mit der Figur identifizieren.

"Ich bin so was von bereit, darüber zu reden und die Debatte in einem großen Rahmen anzustoßen. Denn sie begleitet mich schon so lange."

Es klingt fast wie ein Befreiungsschlag für Patty Jenkins. Endlich darf, muss und kann sie über "Wonder Woman" reden, einen Film, der ihr mehr als am Herzen liegt. Eine Superheldenverfilmung mit einer starken Frauenfigur, die mehr oder weniger im Alleingang die Welt rettet und zudem auch noch von einer Frau inszeniert wurde. Traurig eigentlich, dass das im Jahr 2017 noch so bemerkenswert ist.

"Meine Mutter ist eine starke Feministin, meine Schwestern, meine Tanten – sie alle sind starke Frauen. Ich versuche mich einfach auf das Ergebnis zu konzentrieren. Auf den Tag, an dem ich einfach nur als Regisseurin wahrgenommen werde und meine Hauptfigur einfach nur als eine Hauptfigur und unser Geschlecht zweitrangig wird. Aber da sind wir einfach noch nicht."

Das merkt man daran, dass der Film – nicht nur in Amerika, auch bei uns in Deutschland – eine Debatte über Sexismus und Feminismus losgetreten hat. Eine deutsche Kinokette wollte in Previews Playboys ans rein männliche Publikum verteilen – und ist mittlerweile davon aber zurückgerudert. In Amerika hat eine Kinokette Vorführungen nur für Frauen angeboten und wurde von Männern, die sich diskriminiert und ausgeschlossen gefühlt haben, wüst beschimpft. Dabei geht es Jenkins, das betont die Regisseurin immer wieder, gar nicht um ein geschlechtergetrenntes Erleben ihres Films, sondern um das große Ganze.

"Was die 'Nur für Frauen'-Vorführungen angeht, kann ich beide Seiten verstehen. Ich selbst glaube gar nicht so sehr an die Exklusivität einer Sache, verstehe aber, dass der Film für Frauen wirklich etwas Besonderes ist. Ich will mich gar nicht auf eine Seite schlagen müssen – wir haben den Film für alle gemacht. Wonder Woman gehört allen. Das war schon immer so und das wird immer so sein. Aber es berührt mich natürlich, dass sie vor allem Frauen so viel bedeutet."

Gal Gadot ist als Wonder Woman eine richtige Bad-Ass-Figur

"Wonder Woman" ist ein feministischer Befreiungsschlag, bietet endlich auch jungen Mädchen die langersehnte weibliche Identifikationsfigur im Superhelden-Blockbuster-Kino. Die Schauspielerin Gal Gadot als Wonder Woman ist eine richtige Bad-Ass-Figur. Eine starke Frau, die sich von Männern nichts sagen lässt, die an das Gute im Menschen glaubt, sich selbst einer größeren Sache verschreibt und für sie kämpft. Jenkins Handschrift hinter der Inszenierung wird besonders deutlich in der Tatsache, dass sie ihre Superheldin nicht sexualisiert. Die Kamera labt sich nie an ihrem leicht bekleideten Körper, das knappe Kostüm ist nur Mittel zum Zweck.

Patty Jenkins (imago/ZUMA Press/Lisa O Connor)Die Regisseurin von "Wonder Woman" Patty Jenkins am 25. Mai in Hollywood. (imago/ZUMA Press/Lisa O Connor)
"Genauso wie kleine Jungs Superhelden als Vorbilder haben, um ein guter Mensch zu werden, haben auch Mädchen genau das verdient. Wir alle machen doch ähnliche Erfahrungen. Über 50 Prozent der Weltbevölkerung ist weiblich. Nur weil wir schon eine sehr lange Zeit männlich dominierte Filme gucken, heißt das ja nicht im Umkehrschluss, dass es für uns Frauen keine Repräsentationsfiguren geben darf. Und Wonder Woman ist einfach die Beste von allen. Deswegen ist es so wichtig, sie auch auf der großen Leinwand bewundern zu können."

"Ich will, dass jeder Wonder Woman sein kann"

Jenkins spricht dabei aus Erfahrung. Die 45-jährige Amerikanerin ist – wie alle anderen auch – in einer von Männern dominierten Kinowelt groß geworden.

"Ich habe als Kind Superman geguckt und es hat mein Leben verändert. Ich war damals sieben Jahre alt – und für ein siebenjähriges Landei wie ich es eines war, war Superman ein sehr erwachsener Film. Der Film hat mich so mitgenommen, dass ich sogar mehrmals geweint habe. Ich bin ganz beseelt aus dem Kino gegangen. Superman war mein Kinoheld. Wonder Woman allerdings wurde zu meiner persönlichen Heldin. Jetzt die Möglichkeit zu bekommen, dieses Gefühl von damals zurückgeben zu können – an eine neue Generation von Kindern – ist unglaublich. Aber genau deswegen ist es mir auch so wichtig, sowohl Mädchen als auch Jungen zu berühren. Denn bei mir hat das Geschlecht keine Rolle gespielt. Ich will, dass jeder Wonder Woman sein kann."

Frauen haben mit "Wonder Woman" endlich die Möglichkeit genau das fühlen zu können im Kino, dass Männer schon lange kennen: eine geschlechtsidentische Identifikation mit der Titelheldin. Und das ist nicht nur für Patty Jenkins ein Befreiungsschlag

"Natürlich schätze ich alle Comicverfilmungen. Denn es gibt genug Platz für jeden Superhelden. Trotzdem waren wir in der letzten Zeit in einer Art Vakuum. Es gab keine wirkliche Diskussion darüber, von welchen Helden wir die Welt retten lassen wollen. Mir geht es nicht darum, jemanden zu belehren oder gar zu bekehren. Mein Film soll in erster Linie einfach nur Spaß machen und die Leute unterhalten."

"Du erwartest einen gerechten Kampf? Ein Kampf wird niemals gerecht sein."

"Wonder Woman" 
USA 2017
Regisseurin: Patty Jenkins
Mit Gal Gadot, Chris Pine, Connie Nielsen
2 Std. 21 Min., FSK ab 12 freigegeben

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