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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 27.04.2017

Regionalbischöfin Petra BahrEine Kirchenfrau, die "Klartext" fordert

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Petra Bahr, Kulturbeauftragte der EKD (privat)
Petra Bahr, Regionalbischöfin (privat)

"Unverzagt!" – dieses Motto zieht sich durch das Leben von Petra Bahr. Die Philosophin und Theologin war die erste Kulturbeauftragte des Rates der EKD. In ihren Zeitungskolumnen und Büchern nimmt sie Stellung zu lebensnahen Themen.

Seit Januar 2017 ist die 50-jährige Landesuperintendentin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover. Als Regionalbischöfin für den Sprengel Hannover ist sie für insgesamt 550.000 Kirchenmitglieder in 222 Gemeinden mit 444 Pastoren zuständig.

Sie alle haben es mit einer engagierten und streitbaren Kirchenfrau zu tun, die von ihrer Kirche fordert: "Redet Klartext!" In ihrem Twitter-Account "bellabahr" schreibt sie über sich: "Theologin aus Leidenschaft, mag spitze Sätze, scharfe Argumente und gute Wortwechsel."

Und wenn es in unter Gemeindemitgliedern zu einem handfesten Konflikt kommt, dann bittet sie die beiden Streithähne auch mal an einen Tisch:

"Wenn ich merken würde, dass zwei Gemeindeglieder auf diese sehr grundsätzliche Weise miteinander gar nicht in Streit geraten, sondern in ihren Weltsichten so weit auseinander gehen, dass sie den Eindruck haben, sie können gar nicht mehr gemeinsam auf die Kirchbank sitzen, würde ich sie zum Abendessen einladen. Das ist ganz schlicht, das habe ich von meiner Großmutter gelernt; mit Leuten kochen, essen, reden und dann kann das auch mal heftig werden. Ich glaube das Allerschlimmste ist, dass Menschen nicht mehr miteinander reden."

Luther hat einfach mal aufgeräumt

Die Pastorin steht mit ihrer Bereitschaft zur Auseinandersetzung in bester lutherischer Tradition. Und sie beschäftigt sich nicht nur im Reformationsgedenkjahr mit dem Erbe des großen Reformators:

"Wenn man sich genau überlegt, was hat das eigentlich bedeutet, was ist Reformation, dann würde ich schon sagen, wenn man es knapp fasst, hat Luther einfach mal aufgeräumt. Und das hat er mit der Tradition, aber auch mit der Frage, was verstellt mir eigentlich den Blick auf das Kreuz, und den Blick auf den Ursprung des Glaubens. Das mit dem Gerümpel kennen wir ja, also volle Keller, voller Kleiderschränke, volle Sakristeien, in den auch bisweilen Gummibäume und zusammengefaltete alte Hungertücher vor sich hin schimmeln. Ich finde, der Protestantismus hat auch was mit einer inneren Aufgeräumtheit und Klarheit zu tun."

Ihre eigene klare Haltung und innere Aufgeräumtheit habe sie nicht zuletzt ihrer Großmutter zu verdanken, sagt Petra Bahr:

"Die war bei allem, was sie erlebt hat, sowohl eine ganz fromme als auch eine stilvolle Frau  – anders kann ich es gar nicht sagen, die sehr viel Wert darauf legte, wie sie gekleidet war, wie ihre Haare lagen, die morgens an einer weißen Tischdecke frühstückte und es schaffte, sich das Leben in dem Rahmen, der ihr möglich war, schön zu machen und das hat mich immer beeindruckt. Dieses Ganz-im-Augenblick-leben, ein Sinn für gutes Essen haben, für schöne Kleidung und gleichzeitig die ganz großen Fragen des Lebens immer mit laufen zu lassen: Der Verlust der großen Liebe, die Auseinandersetzung mit so viel Leid in der eigenen Biografie und diesen großherzigen Umgang auch mit den grünen Haaren ihrer Enkeln, mit wilden pubertierenden Phasen, also eine in vielerlei Hinsicht so gelassene Frau, die so was wie Lebenskunst, evangelische Lebenskunst vorgelebt hat."

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