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Religionen | Beitrag vom 01.12.2019

Reformprozess der katholischen KircheWarum konservative Katholiken den Synodalen Weg ablehnen

Benno Schwaderlapp im Gespräch mit Anne Françoise Weber

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Priester laufen vor dem Münster an Teilnehmern einer Protestaktion der Initiative Maria 2.0 der Katholische Frauengemeinschaft in der Erzdiözese Freiburg vorbei. Auf einem Plakat steht "Warum sollen nur Männer berufen sein?".   (dpa / Patrick Seeger)
Frauen fordern Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche. (dpa / Patrick Seeger)

Am 1. Advent beginnt die katholische Kirche ihren "Synodalen Weg". Reformkräfte fürchten, diese Beratungen könnten folgenlos bleiben. Ein Sprecher der Initiative Pontifex, Benno Schwaderlapp, warnt dagegen vor "häretischen" Ansätzen.

Anne Françoise Weber: Heute, am 1. Advent, also mit dem neuen Kirchenjahr beginnt ganz offiziell der sogenannte synodale Weg der katholischen Kirche in Deutschland. Hinter dieser etwas ungewöhnlichen Vokabel verbirgt sich ein auf zwei Jahre angesetzter Prozess. Da sollen Laienvertreter und Bischöfe miteinander ins Gespräch kommen. Ziel ist es, die seit den zahlreichen Missbrauchsskandalen anhaltende Vertrauenskrise in der katholischen Kirche zu beheben.

Ein früherer Gesprächsprozess ist relativ ergebnislos beendet worden, deswegen sollen die Bischöfe und Laien diesmal auch wirklich Beschlüsse treffen, die die Zukunft der Kirche in Deutschland prägen könnten. Aber trotzdem soll man sich dabei natürlich nicht zu weit vom Vatikan und von der Weltkirche entfernen.

Manche fürchten zu wenig, andere zu viel Bewegung

Im Vorfeld gab es schon einige Kritik an diesem Konstrukt. Vor allem reformorientierte Kräfte fürchten, es könnte eben dann doch alles beim Alten bleiben und die Bischöfe sich letztlich nicht wirklich auf Veränderungen einlassen, zumal ja bei ihnen die Entscheidung liegt, ob sie die Beschlüsse vor Ort umsetzen wollen oder nicht.

Es gibt aber auch Katholiken, die fürchten, dieser synodale Weg könnte zu weit und in die Irre führen. Manche von ihnen sind Teil der Initiative Pontifex. Die bezeichnet sich als Netzwerk, das Brücken zwischen der katholischen Kirche und den Medien bauen will. Sie ist aus der Bewegung Generation Benedikt hervorgegangen. In Deutschland zählt sie aktuell 25 feste Mitglieder. Einer ihrer Sprecher ist Benno Schwaderlapp. Mit ihm habe ich vor der Sendung gesprochen und ich habe ihn gefragt, was denn für ihn das Schlimmste, also das Worst-Case-Szenario wäre bei diesem synodalen Weg?

Benno Schwaderlapp: Also ich glaube, das Schlimmste, was passieren könnte, ist, dass wir am Ende einen Flickenteppich in Deutschland haben, dass es also in dem einen Bistum so läuft und im anderen so, und wenn jetzt zum Beispiel ein homosexuelles Paar eine Segnung haben möchte, dann fahr ich einfach über meine Bistumsgrenze hinweg, fahre ins andere Bistum, und dort läuft dann alles ganz anders als in meinem eigenen oder umgekehrt. Und dieser Flickenteppich würde ja im Prinzip bedeuten, dass eigentlich nicht mehr klar ist, was denn jetzt eigentlich katholische Haltung ist.

Frauenweihe als Häresie?

Vor diesem Hintergrund befürchten wir, und befürchte ich auch ganz persönlich, die Gefahr einer Spaltung sowohl in der deutschen Kirche als auch, wenn das in einem Großteil des Gebietes der Bischofskonferenz passieren sollte, eine Spaltung mit dem Vatikan. In dieser Hinsicht ist das, glaube ich, die größte Befürchtung.

Weber: Sie äußern in einer Pressemitteilung, die diese Woche verschickt wurde, die Furcht, dass gerade in den Foren zu Frauen und zu Hierarchien häretische Ansätze verfolgt werden könnten. Diese Vokabel ist ja wirklich starker Tobak. Also Sie sagen da nicht, das seien Ansätze, die vielleicht weit entfernt liegen von Ihrem Kirchenverständnis, sondern da geht es gleich um Häresie, also um Irrlehre. Das lässt ja wahnsinnig wenig Platz für Dialog, oder?

Schwaderlapp: Na ja, es sieht ja so aus, dass es vor allem um die Frauenfrage, um die Frauenweihe geht, und die hat nun mal der Heilige Johannes Paul II. in einem apostolischen Schreiben, das danach auch mit höchster lehramtlicher Autorität bestätigt wurde durch die Glaubenskongregation, endgültig ausgeschlossen. Diese Büchse wurde jetzt wieder aufgemacht im Rahmen des synodalen Weges und ist eigentlich auch in Deutschland nie richtig zu gewesen.

Ein Diakonat light für Frauen wäre eine Verhöhnung

Weber: Aber auch Papst Franziskus hat eine Kommission eingesetzt, die noch mal das Diakonat der Frau prüfen sollte. Insofern ist das ja nicht nur in Deutschland noch mal aufgemacht worden.

Schwaderlapp: Nein, genau, das ist bezüglich des Diakonats der Frau nicht in Deutschland aufgemacht worden, aber das ist ja nicht das, was den starken Reformbefürwortern ausreichen würde. Und wenn es am Ende so ein, ich sage mal, billiges Diakonat light für Frauen gibt, ist das ja eher sogar noch eine Verhöhnung der Frauen. Also wir können euch nicht weihen, aber wir ernennen euch zu Diakonissen, wie es ja früher in der Frühkirche mal hieß, und geben euch damit irgendwelche kleinen Billigaufgaben.

Für Mädchen gab es eigene Ministrantenaufgaben

Ich erinnere mich da an meine Pfarrei, als dort weibliche Messdiener eingeführt wurden, wurden extra für die sogenannten Mädchen im liturgischen Dienst, wie sie damals hießen, extra Ministrantendienste erfunden, die sie dann gemacht haben. Die werden jetzt immer noch weitergeführt, die Mädchen übernehmen mittlerweile genauso wie die Jungen alle liturgischen Dienste als Ministranten, aber da hat man nach meiner Einschätzung die Frauen ein wenig an der Nase herumgeführt.

Das führt am Ende, wie ich sagen würde, zu viel mehr Enttäuschung, als wenn man einfach klar sagt, an dieser Stelle hat der Papst ein Wort gesprochen in Bezug auf die Priesterweihe für Frauen.

Nicht Hoffnungen schüren und dann enttäuschen

Nun bezüglich der historischen Dimension des weiblichen Diakonats oder sogenannter Diakonissinnen läuft der Prozess ja noch. Da können wir uns, glaube ich, noch überraschen lassen, was dort herauskommt. Nur in dieser Frage ist die Gefahr, erstens, sich von der Weltkirche zu entfernen, und die zweite Gefahr ist, falls man das nicht tut, dass eben die Hoffnungen, die jetzt geschürt wurden, wieder völlig enttäuscht werden und sich damit am Ende noch viel mehr Menschen von der Kirche entfernen, als sie es ohnehin schon tun.

Benno Schaderlapp, Sprecher der katholischen Initiative Pontifex. (privat)Benno Schaderlapp ist Sprecher der katholischen Initiative Pontifex. (privat)

Weber: Aber zeigt nicht Ihr Beispiel mit den Ministrantinnen, dass da auch Anpassungen erfolgen können? Soweit ich Sie verstehe, finden Sie das ja auch in Ordnung, wenn jetzt Mädchen und Jungs die gleichen Aufgaben übernehmen als Ministranten und Ministrantinnen. Also ist es nicht doch auch einfach eine Anpassung an unser Verständnis von Gleichberechtigung, wenn man da Schritte dahingehend tut, dass Frauen mehr teilhaben können an den Ämtern der Kirche?

Schwaderlapp: Nun gibt es ja einen deutlichen Unterschied zwischen Ministrantendienst und Priestertum. Also der Ministrantendienst war zwar früher die klare Hinführung, über die kleinen Weihen, die es früher gab, das wurde ja im zweiten Vatikan abgeschafft. Dementsprechend war da die Möglichkeit, auf diese Weise auch Frauen zum Altardienst zuzulassen, kein dogmatisches Problem, was da entstanden ist.

Die Weihe von Frauen hat es nie gegeben

Anders sieht das bei der Weihe von Frauen aus. Das ist einfach etwas, was es in 2.000 Jahre Kirchengeschichte nie gegeben hat, und wer sich katholisch nennt und auch auf dem Boden der katholischen Tradition steht und wer auch den Papst als Autorität akzeptiert, der müsste sich eigentlich an dieses Wort des Heiligen Johannes Paul II., was ja sowohl durch Benedikt XVI. als auch Papst Franziskus bestätigt wurde, gebunden fühlen. Wer das nicht tut, hat ehrlicherweise ein Problem mit katholischer Glaubenstradition und nicht mit Gleichberechtigung oder etwas Ähnlichem.

Weber: Aber stellen Sie nicht die katholische Kirche viel einheitlicher dar als sie de facto ist? Sie haben das Schreckensbild des Flickenteppichs in Deutschland, aber ist nicht letztlich die Weltkirche auch ein Stück weit ein Flickenteppich, in der an unterschiedlichen Stellen ganz unterschiedliche Praktiken gelebt werden? Wurde das nicht auch gerade bei der Amazonas-Synode noch mal deutlich?

Schwaderlapp: Welche Praktiken meinen Sie jetzt? Also dass die Pastorale dort anders aussieht, wo die Kultur anders ist, das ist, glaube ich, unstrittig und auch absolut notwendig. Dass die Landessprachen mittlerweile in die Liturgie Einzug gehalten haben und dementsprechend wir dort Unterschiede haben, das ist auch völlig klar.

Aber jetzt nur mal als Beispiel: Wenn ich als Deutscher in eine portugiesische Messe gehe, und ich spreche kein einziges Wort Portugiesisch, kann ich dort trotzdem ohne Probleme dem Messeablauf folgen. Ich war vor anderthalb Jahren in Japan. Selbst auf Japanisch ist das möglich. Die Messe ist etwas, was weltkirchlich völlig gleich ist, und am Ende legt das Lehramt, legt der Katechismus fest, was katholisch ist und was nicht. Wenn Leute jetzt meinen, etwas anderes sei auch katholisch, dann ist das nach meiner Einschätzung an bestimmten Stellen einfach falsch.

Johannes Paul II. hat Biowissenschaften rezipiert

Weber: Das Lehramt ist für Sie eine ganz entscheidende Größe, und Sie wollen eben nicht, dass dieser synodale Weg sich irgendwie entfernt oder irgendetwas gegen das Lehramt entscheidet. Nun sagte sogar Kardinal Reinhard Marx im Frühjahr bei der Vollversammlung der Bischöfe, die Sexualmoral der Kirche habe entscheidende Erkenntnisse aus der Theologie und den Humanwissenschaften noch nicht rezipiert. Die personale Bedeutung der Sexualität finde bislang keine hinreichende Beachtung. Das heißt doch, dass auch die Lehre, vielleicht nicht das Lehramt, aber die Lehre zumindest auch neue Impulse aufgreifen muss und da auch weiterentwickelt werden kann, oder?

Schwaderlapp: Also ich weiß nicht, ob Kardinal Marx die Schriften zur Theologie des Leibes des Heiligen Johannes Paul II. nicht kennt oder nicht gelesen hat oder ob er sie einfach ignoriert, aber dort werden moderne Erkenntnisse der Anthropologie und der Biowissenschaften aufgenommen, und dort wird ein Bild des Menschen gezeichnet, was sich eben zusammensetzt aus Leib und Seele, was eine Einheit bildet aus Leib und Seele, bei dem die Sexualität eine große Bedeutung einnimmt, bei dem die Sexualität aber eben nicht nur Trieb ist, sondern Gabe und Aufgabe für jeden Menschen.

Katholische Sexualmoral ist nicht weltfremd

Also ich kann jetzt aus meiner Sicht sagen, ich bin 28 Jahre alt, habe vor anderthalb Jahren geheiratet. Die katholische Sexualmoral ist eigentlich ziemlich einfach, und sie ist nach meiner Einschätzung auch in keiner Weise weltfremd oder lebensfern, sondern sie wird dem Menschen in seiner Ganzheit als sexuelles Wesen gerecht, und sie ordnet die Sexualität in einen bestimmten Rahmen ein, und sie gibt ihr den Wert, den sie nach unserer Auffassung eben hat und gibt sie eben nicht der Beliebigkeit preis. Wie man da jetzt so tun kann, als würde da irgendeine Wissenschaft ignoriert, da würde ich einfach Kardinal Marx sehr klar widersprechen.

Weber: Eins der Foren beim synodalen Weg soll sich ja auch mit Sexualität und Partnerschaft befassen, und Sie haben in Ihrer Pressemitteilung dazu auch etwas geschrieben, nämlich: "Die Sexualmoral der Kirche dient dem Leben und der Liebe, sie macht die Menschen frei und froh."

Was machen Sie aber jetzt mit Menschen, die wahrscheinlich auch in diesem Forum sitzen werden und sagen werden: Ich habe ein Problem, mich macht diese Sexualmoral nicht frei und froh, entweder weil sie in einer homosexuellen Partnerschaft leben, die keinen Segen von der Kirche bekommt, oder weil sie finden, dass auch sogenannte künstliche Verhütungsmittel durchaus einen Sinn haben und eingesetzt werden können oder aus anderen Gründen. Also wie können Sie behaupten, die Menschen seien dank der katholischen Sexualmoral frei und froh?

Schwaderlapp: Also ich glaube, das ist einfach ein grundlegendes Problem, wenn Menschen der Meinung sind, die Kirche müsse sich ändern, weil sie ihnen persönlich nicht passt oder weil sie nicht in ihr persönliches Lebensbild passt. Es ist ja eigentlich umgekehrt.

Die Menschen müssen sich ändern, nicht die Kirche

Christus erwartet von uns eine Umkehr und eine Bekehrung. Wir müssen unser Leben an ihm ausrichten und nicht erwarten, dass sein Vorbild jetzt plötzlich zu unserem Gutdünken passt. Das gilt ja für alle Bereiche. Das endet ja nicht bei der Sexualität, das beginnt bei Formen der Aufrichtigkeit und der Ehrlichkeit, das geht hinüber zu Gebetspraktiken und so weiter.

Jesus hat dort etwas vorgelebt, und wenn man ihm nachfolgen möchte, wozu er uns ja einlädt und aufruft, dann bedeutet das auch, ihn in Gänze zu akzeptieren und ihn in Gänze als einen Freund anzuerkennen. Und dazu gehört auch, dass ich mein Leben kritisch hinterfrage und überlege, an welchen Stellen genüge ich denn seinem Vorbild einfach noch nicht, und woran muss ich arbeiten. Das ist kein Prozess, der irgendwie innerhalb von Wochen, Monaten oder auch nur einem Jahr abgeschlossen ist für einen persönlich, sondern das ist ein Prozess, der geht im Prinzip vom Moment der Erkenntnis Gottes bis zum letzten Atemzug.

Katholisch sein ist nicht leicht

Weber: Aber es kann ja durchaus unterschiedliche Auslegungen darüber geben, in welcher Hinsicht Christus als Vorbild gehandelt hat. Also Christus hat sich nun mal nicht zu Kondomen geäußert und so weiter. Können Sie da nicht verstehen, wenn Leute sagen, ich will an Christus glauben, ich will auch katholisch sein, aber ich will diese Festlegungen nicht mittragen, und deswegen trete ich vielleicht auch aus dieser katholischen Kirche aus?

Schwaderlapp: Ja, das kann ich verstehen, das ist dann tatsächlich einfach der logische und konsequente Schluss. Wenn ich nicht bereit bin, die katholische Hermeneutik, der Lehrentfaltung, die sich aus Schrift, Tradition, Konzilien und päpstlichen Entscheidungen speist, wenn ich das nicht als höchste Glaubensinstanz anerkennen kann und nicht bereit bin, mich mit dem kritisch auseinanderzusetzen.

Ich sage jetzt mal aus meinem ganz persönlichen Lebensweg, auch ich habe eine Zeit gebraucht als junger Mensch, bis die katholische Sexuallehre in meinem Leben ihre volle Wirkung entfaltet hat. Das ist jetzt nichts, was man mal eben so mit der Muttermilch aufsaugt, sondern das ist auch ein Kampf, und das ist auch schwierig, und niemand hat behauptet, katholisch sein wäre leicht. Wer das sagt, der macht sich, glaube ich, was vor.

Man könnte ein eigenes Konzil beantragen

Weber: Ich glaube auch nicht, dass die Botschaft des synodalen Wegs ist, katholisch sein ist leicht, aber die Botschaft ist ja vielleicht doch: Lasst uns gemeinsam darüber reden, wie wir eine vertrauensvolle Zusammenarbeit in der katholischen Kirche finden können, wo auch verschiedene Positionen ihre Berechtigung haben, wenn ich das richtig verstanden habe. Können Sie dieses Anliegen teilen, oder sagen Sie, im Grunde kommt das alles aus Rom, und wir brauchen gar keinen synodalen Weg hier?

Schwaderlapp: Also, jetzt mal zum synodalen Weg als solchem. Der Weihbischof in Köln, Ansgar Puff, hat das sehr schön gesagt: Wenn die ein Partikularkonzil wollen, dann sollen sie ein Partikularkonzil beantragen, dann sollen sie das machen. Es gab ja in Deutschland mal die Würzburger Synode, die ja tatsächlich aus Rom mit Entscheidungsvollmacht ausgestattet war.

Glaubenswahrheiten können nicht im Gespräch verändert werden

Jetzt hat man einen synodalen Weg – das ist ja auch eine Doppelung, synodos heißt ja bereits gemeinsamer Weg –, und man weiß nicht genau, wohin man will. Man will ganz viel sprechen, und bestimmte Leute haben bestimmte Ideen, was sie gern wollen. Manche dieser Dinge sind mit dem Lehramt in keiner Weise vereinbar. An anderen Stellen sehe ich, wie wir das ja auch in der Pressemitteilung geschrieben haben, durchaus Reform- und auch Gesprächsbedarf.

Und da bietet auch der synodale Weg gute Möglichkeiten, darüber zu sprechen, wenn es beispielsweise um die Form priesterlichen Zusammenlebens geht, ob das Pfarrhaus einfach dauerhaft in dieser Hinsicht weiter so sein muss, wie man Priester besser begleiten kann im Leben ihres Zölibats, im Leben ihrer Berufung. Aber die Idee, dass man jetzt durch Gespräche und durch demokratische Abstimmungen Glaubenswahrheiten verändern könnte, das ist einfach nicht katholisch.

Alberne Pseudobasisdemokratie

Weber: Aber es sind ja keine demokratischen Abstimmungen, sondern es gibt dann höchstens Beschlüsse, wo dann noch mal die Bischöfe entscheiden können, ob sie das irgendwie umsetzen oder nicht. Es ist ja nicht so, dass hier die Kirche zur Basisdemokratie wird.

Schwaderlapp: Umso alberner. Also es wird Basisdemokratie gewollt, es gibt jetzt so eine Pseudobasisdemokratie. Das Zentralkomitee verkauft sich als große Vertretung der Laien in Deutschland. Am Ende gehen zwei Prozent der Leute zu den Pfarrgemeinderatswahlen aus den Pfarreien. Aus den Pfarrgemeinderäten werden Leute in die Diözesanpastoralräte entsandt, und von dort werden Leute ins ZDK entsandt. Also, inwieweit das jetzt eine Vertretung der Laien sein soll, und dort dann den Anspruch zu haben, wir vertreten die Laien in Deutschland, das ist das nächste Problem.

Wenn es dann zu so einer demokratischen Idee kommt, zwei Drittel dort, zwei Drittel dort, dann treffen wir Entscheidungen, die aber für niemanden bindend sind. Wer sich da ernsthaft große Hoffnungen macht, dass das jetzt die gewünschten Reformen bringt – ich sage mal, wenn es um die Hierarchien geht, das Vorrecht von Bischof und Pfarrer in seiner Pfarrei und seinem Bistum aufzuheben, das Frauenpriestertum einzuführen, vorehelichen Geschlechtsverkehr und Homosexualität plötzlich gutzuheißen und den Zölibat abzuschaffen –, da macht man sich was vor. Das wird nach meiner Einschätzung nicht möglich sein.

Radikale Reformen werden spätestens von Rom kassiert

Wenn sich tatsächlich Mehrheiten für so etwas finden, wird das spätestens von Rom kassiert werden. Ich glaube, das hat der Heilige Vater in dem Brief, den er an die deutschen Katholiken geschrieben hat, auch ziemlich eindeutig so gesagt. Wie man den missverstehen kann, ist mir ehrlicherweise auch nicht klar.

Weber: Es ist ja die Besetzung der Synodalversammlung noch gar nicht ganz abgeschlossen für die Laienseite. Werden denn da auch Vertreter Ihrer Initiative dabei sein?

Schwaderlapp: Es gab Bewerbungen von unserer Seite an den BDKJ. Bisher hat es darauf keine Antwort gegeben.

Weber: Und haben Sie Hoffnungen, dass das noch der Fall sein wird?

Schwaderlapp: Ehrlicherweise nein.

Weber: Das heißt, Sie werfen der Laienseite auch vor, sie seien von einer bestimmten Richtung her geprägt und ließen keinen Platz für konservativere Meinungen?

Schwaderlapp: Den Vorwurf würde ich jetzt so nicht machen, aber ehrlicherweise, wenn dort jetzt 15 junge Menschen vom BDKJ entsandt werden, davon werden zehn Frauen sein und fünf Männer, das macht jetzt meine persönlichen Chancen auf einen Platz dort ja erst mal statistisch schon sehr gering, wenn sich darauf vielleicht 500 Leute bewerben.

Weber: Aber es gibt auch ein paar Frauen in Ihrer Initiative.

Schwaderlapp: Auf jeden Fall, genau, aber auch deren Platz ist natürlich dann statistisch eher unwahrscheinlich, und so wie ich den BDKJ kenne, zumindest in Köln, wird man vermutlich eher geneigt sein, auch Leute aus seinem eigenen Verband dorthin zu entsenden und jetzt nicht, ich sage mal, verbandsfremde junge Menschen unter 30.

Die Fronten sind verhärtet

Weber: Es gibt seit dieser Woche auch eine Facebook-Seite für den synodalen Weg, und das läuft so langsam an, dass da auch diskutiert wird. Ist das für Sie ein richtiger Weg, um auch so unterschiedliche Positionen deutlich zu machen, Ihre Position vielleicht auch klarer an die Öffentlichkeit zu bringen, oder besteht da die Gefahr, dass sich die Fronten verhärten, weil oft im Netz dann doch noch mal mit härteren Bandagen diskutiert wird?

Schwaderlapp: Also, sowohl als auch würde ich sagen. Wir sind auch auf Twitter unterwegs. Das ist sicherlich ein Medium, was sich für solche Diskussionen nicht eignet. Facebook ist da eher was anderes. Da können ja die Kommentare auch eine immense Länge erreichen.

Meine persönliche Erfahrung mit solchen Diskussionen ist aber, dass die Fronten dort einfach schon sehr hart sind und dass man das mit einer schriftlichen Diskussion auf Facebook jetzt eher schwierig erreichen kann. Was man natürlich tun kann, ist, indem man dort die – Sie haben das konservative Meinungen genannt, ich nenne das mal: die gut katholische Meinung vertritt, dass die auch von den Bischöfen stärker gehört wird.

Und dass die Bischöfe nicht das Gefühl haben, es seien eigentlich alle nur der Meinung, es müsse jetzt Reform, Reform, Reform geben und nicht eine Rückbesinnung auf Christus, eine Neuevangelisierung, eine Stärkung der Menschen, die die katholische Sexualmoral gerne leben wollen und eine bessere Begleitung der Priester, was wir jetzt ja zum Beispiel mal als Gesprächsidee eingebracht haben. In dieser Hinsicht, glaube ich, kann das schon auch einen positiven Effekt haben. Wie gesagt, die Fronten sind schon sehr, sehr hart und teilweise auch sehr unversöhnlich.

Weber: Dann werden wir mal sehen, wie das im Laufe dieses Weges sich weiterentwickelt.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandfunk Kultur macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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