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Kompressor | Beitrag vom 17.05.2021

RechtsrockMit Gitarren und Volksverhetzung Geld verdienen

Timo Büchner im Gespräch mit Max Oppel

Teilnehmer des Rechtsrock-Festivals stehen auf dem Weg zum Veranstaltungsgelände in einer Schlange vor der Einlasskontrolle der Polizei. Links im Vordergrund des Bildes befindet sich ein Auto der Polizei.  (picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Bodo Schackow)
Besucher des Rechtsrock-Festivals 2019 in Themar in Thüringen warten vor der Einlasskontrolle der Polizei. Die Rechtsrock-Szene ist in Thüringen sehr präsent. (picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Bodo Schackow)

Rechtsrock ist nicht nur Musik, sondern auch ein Geschäft, dessen Erlöse in rechtsextreme Strukturen fließen können. Der Politologe Timo Büchner erklärt, wie die Szene funktioniert und warum Corona sie hart getroffen hat.

In Erfurt wird nun der sogenannte Ballstädt-Prozess neu aufgerollt: Darin geht es um den Überfall auf eine Kirmesgesellschaft, mutmaßlich durch eine Gruppe Rechtsextremer. Elf Angeklagte stehen vor Gericht.

Der Prozess hat auch mit den Rechtsrock-Strukturen in Thüringen zu tun. Denn ein Hauptverdächtiger sei der Sänger der offen den Nationalsozialismus verherrlichenden Band "Sonderkommando Dirlewanger", die auch zum Rechtsterrorismus aufrufe, sagt der Politologe und Rechtsrock-Experte Timo Büchner. Im "Gelben Haus" im thüringischen Ballstädt, einem bekannten Treffpunkt der rechtsextremen Szene, seien zudem Neonazis aktiv, die auch im Rechtsrock-Business unterwegs seien.

80 bis 100 neue Alben pro Jahr

Büchner hat das Buch "Rechtsrock. Business, Ideologie & militante Netzwerke" über rechtsextremistische Musik, ihre Szene und ihre Strukturen geschrieben. Er bemisst die Größe der Rechtsrockszene an zwei Kennzahlen: Rund 80 bis 100 Tonträger würden pro Jahr veröffentlicht. Und die größten Konzerte in den vergangenen Jahren seien von 5000 bis 6000 Menschen besucht worden.

Zum Rechtsrockmarkt zählen neben den Musikern auch Labels und Vertriebe. Wie viel Geld aus deren Einnahmen in die Finanzierung rechtsextremer Vereine und Aktivitäten flössen, sei unklar, sagt Büchner. Ein Teil aber in jedem Fall: "Es gibt Soli-Konzerte und Soli-Sampler, die verkauft werden, um ganz gezielt zum Beispiel Gerichtskosten zu decken."

Neben Rock auch Rap und Hardcore

Rechtsrock sei ein Sammelbegriff, der verschiedene musikalische Genres umfasse, betont der Experte: Neben rechter Rockmusik gebe es auch extrem rechten Hardcore, Black Metal und Rap. Die musikalische Diversifizierung sei mit einer Professionalisierung der Rechtsrock-Szene einhergegangen, sagt Büchner.

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"Zusammen mit Sachsen spielt Thüringen im Rechtsrock eine dominante Rolle", stellt Büchner in Bezug auf den Ballstädt-Prozess fest. Doch die Coronapandemie und die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus hätten die Szene hart getroffen. Viele Einnahmen durch Konzerte seien weggebrochen.

(jfr)

Timo Büchner: "Rechtsrock. Business, Ideologie & militante Netzwerke"
Unrast Verlag, Münster 2021
84 Seiten, 7,80 Euro

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