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Fazit | Beitrag vom 09.10.2019

Rechtsextremismusforscher zum Anschlag in Halle"Es gilt, ein Bilderverbot durchzusetzen"

David Begrich im Gespräch mit Eckhard Roelcke

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Polizisten mit Schutzhelmen sichern den Bereich am jüdischen Friedhof in Halle.  (Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa)
Nach dem Anschlag: Polizisten sichern den jüdischen Friedhof in Halle. (Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa)

In Halle an der Saale sind bei einem rechtsextremen Terrorangriff zwei Menschen getötet worden. Die Tat wurde live im Internet übertragen. David Begrich fordert, diese Selbstinszenierung von Gewalt weder zu reproduzieren noch zu multiplizieren.

In Halle an der Saale wurden ein Mann und eine Frau von einem Rechtsextremisten erschossen, zwei weitere Menschen wurden schwer verletzt. Nach der Tat wurde eine Person festgenommen. Alles deutet auf einen Einzeltäter hin. Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen.

Der Rechtsextremist hatte zuvor vergeblich versucht, in die Synagoge der örtlichen Jüdischen Gemeinde einzudringen. Dort hielten sich rund 80 Menschen auf, um den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur zu feiern.

Eine Dramaturgie ist erkennbar

David Begrich ist Sozialwissenschaftler und Mitarbeiter der Arbeitsstelle Rechtsextremismus beim Verein Miteinander in Magdeburg. Im Deutschlandfunk Kultur macht er auf Parallelen zwischen der Tat in Halle und dem Terroranschlag in Christchurch vor einigen Monaten aufmerksam:

Beide Anschläge hätten auf der Bildebene wie ein Computerspiel funktioniert und bei beiden habe es einen Täter mit einem Helm und einer darauf montierten Kamera gegeben, mit der die Taten live ins Internet übertragen wurden. In solchen Fällen gehe es einerseits um die Anwendung von Gewalt und andererseits um die bildliche Darstellung als Propaganda der Tat, aber auch um die Inszenierung des Täters, so Begrich.

Adressatenkreis weit über Deutschland hinaus

Indem er alles filmte und ins Netz übertrug, habe der Täter von Halle sich also einen medialen Resonanzraum und einen Moment von Fame, von Berühmtheit, geschaffen, erklärt Begrich. Der Täter wisse sehr genau, auf welcher medialen Klaviatur er spielen müsse, um sich Aufmerksamkeit zu verschaffen. Dieser – auch internationale – Resonanzraum sei ohne entsprechende Bilder nicht denkbar, so Begrich.

"Wir haben es hier mit einem bestimmten Typus zu tun, nämlich mit Leuten, die nicht nur eine Tatmotivation haben, die nicht nur die Tötungshemmung überwinden, sondern die zugleich fest entschlossen sind, sich selbst als Täter auch bildlich zu inszenieren."

Da er die Tat auch in englischsprachigen Foren verbreitet habe und diese als Resonanzraum avisiert habe, sei es naheliegend, dass er in diesem Livestream Englisch spricht. "Das zeigt, dass sein Adressatenkreis weit über Deutschland hinausgehen soll."

Militant antisemitische Tatmotivation

"Es gibt einen kurzen Videoschnipsel, in dem er die Juden für alle Probleme in der Welt verantwortlich macht. Das weist auf eine militant antisemitische Tatmotivation hin. Für alles Weitere ist es noch zu früh."

Der Sozialwissenschaftler mahnt: "Wenn man dem Täter nicht zuspielen will, dann sollte man seine Bilder nicht zeigen. Es gilt, ein Bilderverbot durchzusetzen für die Reproduktion und die Multiplikation solcher Selbstinszenierung von Gewalt, einfach um der Opfer willen."

(ckr)

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