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Tonart | Beitrag vom 04.03.2020

Rechtsextreme Musik auf TelegramMeinungsfreiheit über alles

Sebastian Meineck und Muriel Kalisch im Gespräch mit Andreas Müller

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Telegram-Symbol neben Hand, die einen Papierflieger hochhält (picture alliance/dpa/TASS/Alexander Shcherbak)
Zur Unternehmensphilosophie von Telegram gehöre eine weitgehend uneingeschränkte Meinungsfreiheit, die auch Rechtsextremismus zulasse. (picture alliance/dpa/TASS/Alexander Shcherbak)

Telegram ist mehr als nur ein Messengerdienst: Die Plattform dient auch als soziales Netzwerk. Darauf verbreiten unter anderem Rechtsextreme ihre Musik, wie zwei Journalisten herausgefunden haben. Doch die Verantwortlichen greifen nicht ein.

Der Messenger Telegram gilt als Alternative zu WhatsApp. Etwa 200 Millionen Menschen nutzen den Dienst. Doch darüber lassen sich nicht nur Nachrichten austauschen. Telegram lässt sich auch mit seinen Channels und Gruppen als soziales Netzwerk nutzen – und auch missbrauchen. So finden sich dort auch rechtsextreme Inhalte. Der Journalist Sebastian Meineck und die Journalistin Muriel Kalisch haben viele Neonazibands gefunden, die verfassungsfeindliche Symbole posten und indizierte Musik anbieten, auch mit Links zu Shops. Sie orientierten sich dabei an einer "Liste rechtsextremer Bands und Liedermacher*innen". Von den dort aufgeführten 368 Bands waren zehn Prozent vertreten. Die Ergebnisse ihrer Recherche haben die Autoren bei Vice veröffentlicht.

Image der Antihaltung

"Telegram hat den Ruf, eine coole Alternative zu sein", sagt Meineck. Die Plattform vertrete eine Antihaltung und wolle sich als etwas hinstellen, das nicht von anderen reguliert werde. Zwar gehe man gegen Inhalte der Terrormiliz "Islamischer Staat" und gegen Kinderpornografie vor, aber sonst gelte in der Unternehmensphilosophie eine weitgehend uneingeschränkte Meinungsfreiheit, die eben auch Rechtsextremismus zulasse.

Gemeldete Musik immer noch auffindbar

Die Journalisten haben nach eigenen Angaben fünf solcher Gruppen bei Telegram gemeldet, die Verantwortlichen der Plattform habe aber nicht reagiert, so Muriel Kalisch. Die Inhalte seien noch immer aufrufbar. Anders hingegen bei Facebook und Instagram: Dort würden Inhalte stärker moderiert und häufiger gelöscht.

(leg)

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