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Im Gespräch | Beitrag vom 01.10.2018

Rechtsanwältin Pamela PabstOb jemand lügt, merkt sie am Klang der Stimme

Moderation: Katrin Heise

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Porrät der Rechtsanwältin Pamela Pabst. (picture alliance / dpa / Rainer Jensen)
Blind, erfolgreich und Vorbild für eine Fernsehserie: Pamela Pabst (picture alliance / dpa / Rainer Jensen)

Ihre Mandanten sieht sie nicht, Richter und Staatsanwalt auch nicht, dennoch plädiert Deutschlands erste blind geborene Strafverteidigerin vor Gericht. Offenbar erfolgreich, denn sie kann sich vor Fällen kaum retten.

Außerdem wurde Pabst zum Vorbild für eine Fernsehserie über eine blinde Anwältin, die derzeit im Ersten läuft. "Ich war total aufgeregt, als die Serie anlief," sagt sie, "ich bin ein großer Fan. Ich schaue die Serie, indem ich vor dem Fernseher sitze, wie alle anderen auch. Und natürlich den Ton wahrnehme und ein bisschen eine Bewegung wahrnehme."

Wer lügt, erkennt sie am Klang der Stimme

Schon mit elf Jahren wusste Pamela Pabst, dass sie Juristin werden wollte. Denn die Macht des Wortes faszinierte sie, die seit ihrer Geburt blind ist. Und trotz Mobbings in der Schule, trotz aller Mühen, als Blinde im Studium Unmengen Gesetzestexte zu lesen, ging sie ihren Weg. Heute findet sich Pamela Pabst mit schlafwandlerischer Sicherheit auf den labyrinthischen Gängen von Europas größtem Strafgerichtsgebäude in Berlin-Moabit zurecht, ihre Plädoyers hält sie ohne Notizen aus dem Kopf und ob jemand lügt, merkt sie am Klang der Stimme oft deutlicher als ein Sehender.

Die blinde Rechtsanwältin Pamela Pabst im Gericht (picture alliance / Rolf Kremming)Die blinde Rechtsanwältin Pamela Pabst (picture alliance / Rolf Kremming)

"Als Rechtsanwältin muss ich mich gut auf die Menschen einstellen können. Und weil ich keinen äußeren Eindruck von der Person habe, bin ich auf Stimme und Berührungen angewiesen und so sehr nah an ihr dran."

Inklusion muss auch gewollt sein

Pamela Pabst ist Deutschlands erste Strafverteidigerin, die als Blinde geboren wurde. Sie möchte behinderten Menschen Mut machen, ebenfalls ihren Träumen zu folgen, wobei ihr klar ist, dass Staat und Gesellschaft die Kosten der Inklusion Behinderter auch wollen müssen.

"Aus meiner Sicht ist der Sehsinn nicht zwingend erforderlich, um als Anwältin zu arbeiten. Selbst wenn ich keine Begleitung dabei habe, verbalisiert das Gericht, was man auf Videos oder Bildern sieht, wenn sie zum Einsatz kommen."

Und als bekennende "Vorzeige-Behinderte" hat Pamela Pabst mit Feuereifer bei der Fernsehserie "Die Heiland - Wir sind Anwalt" mitgemacht, die derzeit dienstagabends im Ersten läuft. Dabei beriet sie das TV-Team - und wurde ein Teil davon.

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