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Kompressor | Beitrag vom 13.05.2020

Rechte Hater und die Gaming-KulturDigitale Sozialarbeit gegen den Hass im Netz

Mick Prinz im Gespräch mit Max Oppel

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Ein Jugendlicher spielt an seinem Laptop das Killerspiel Wolfenstein. (imago images / MiS)
Auf Gamingplattformen tummeln sich auch Rechtsradikale, die Hass schüren. (imago images / MiS)

Spätestens seit dem Anschlag in Halle ist klar, dass sich auch in Computerspielforen Rechtsextreme und Hater tummeln, Spieler sich radikalisieren. Die Amadeu Antonio Stiftung will deswegen dort digitale Streetworker einsetzen.

Sozialarbeit muss vor Ort stattfinden: dort, wo sich Täter radikalisieren. Heutzutage heißt das: im Internet, oft auch in Computerspielforen wie Steam oder Discord. Deswegen hat die Amadeu Antonio Stiftung das Projekt "Good Gaming – well played democracy" ins Leben gerufen, bei dem digitale Sozialarbeit geleistet werden soll.

Soziale Medien als Treffpunkt

"Man muss sich das so vorstellen, dass wir soziale Arbeit da ansetzen wollen, wo junge Erwachsene aktiv sind, und das sind soziale Medien", sagt Mick Prinz, der das Projekt betreut. Bisher sei dies bereits in den klassischen sozialen Medien wie beispielsweise Facebook praktiziert worden. Nun soll demnächst das "Good Gaming"-Projekt starten, das vor allem Computerspielforen in den Blick nimmt.

Denn dort tummeln sich unter anderem auch viele Nutzer mit klaren rechtsradikalen Profilen. Weil sie aus den klassischen sozialen Medien bereits verbannt wurden, schüren sie nun dort Hass.

Nicht belehren oder Meinungen aufzwingen

Doch wie kann es gelingen, auf eine Community, die rassistische, sexistische oder behindertenfeindliche Kommentare teilt, positiv einzuwirken? Wichtig sei, sich auf Augenhöhe zu unterhalten, meint Prinz. Keinesfalls wolle man jemanden belehren oder ihm eine Meinung aufzwingen.

Vielmehr gehe es darum, Hilfestellungen zu bieten. Man müsse Nutzer stärken, die Hasskommentaren bereits entgegenträten, und unentschlossenen Usern Informationen an die Hand zu geben, damit sie Darstellungen hinterfragen könnten.

Schulungen für Moderationsteams

Zudem will das "Good Gaming"-Team mit dem Moderationsteams der Gamingplattformen ins Gespräch kommen. Denn es gebe dort durchaus schon Bestrebungen, klare rechtsradikale Posts wie Hakenkreuze zu löschen. Anderes bleibe aber noch unbemerkt: "Was wir machen wollen: die Moderationsteams dahingehend schulen, dass auch verschleierte, versteckte Codes erkannt werden."

(lkn)

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