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Studio 9 | Beitrag vom 30.12.2015

RaumfahrtSo war das Jahr im Weltraum

Von Guido Meyer

Der Pluto, fotografiert von der Sonde New Horizons (Nasa)
Der Planet Pluto, fotografiert von der Sonde New Horizons (Nasa)

Ein Rendezvous mit Pluto, Zwillingsexperimente auf der ISS, eine Sonde im Bann der Venus: Autor Guido Meyer blickt nach oben, hat Wissenschaftler getroffen – und zieht für uns eine Bilanz des Weltraumjahres 2015.

Das klingt nach Karnevalsbeginn. Es war jedoch der vierzehnte Juli des Jahres 2015. Jubel über etwas, dass die Mitarbeiter der US-Raumfahrtbehörde NASA in der Sekunde null gar nicht live erleben konnten.

Das Rendezvous von "New Horizons" mit Pluto nämlich fand in rund fünf Milliarden Kilometern Entfernung statt. Fast ein Jahrzehnt war die Raumsonde auf dem Weg, für diese wenigen Sekunden des Ruhms. Doch die Ausbeute an Daten war beträchtlich – und ist es immer noch, denn nach wie vor ist nicht alles Material vom Rand des Sonnensystems zur Erde überspielt.

"Wir sehen spektakuläre Berge auf Pluto. Sie sind mehr als drei Kilometer hoch. Wir vermuten, dass wir hier ein Gebirgsmassiv aus Wassereis vor uns haben, das von einer Glasur aus Stickstoff und Methan überzogen ist."

Jeffrey Moore ist der Chef des Geologenteams von "New Horizons". Selbst flüssiges Wasser unter der Eishülle des Zwergplaneten scheint nun möglich zu sein – und das am kältesten Ort des Sonnensystems. Über einen ähnlichen Aufbau verfügt offenbar der Zwergplanet Ceres. Ihn hatte die US-amerikanische Raumsonde Dawn im März erreicht. Joel Poncy vom Raumfahrtkonzern Thales Alenia Space in Cannes:

"Ceres verfügt wahrscheinlich über eine innere Wärmequelle, die das Wasser unter dem Eispanzer flüssig halten könnte. Wahrscheinlich ist er aus einem felsigen Kern aufgebaut, der von einer 100 Kilometer dicken Eisschicht bedeckt ist."

Was passiert mit dem Körper in der Schwerelosigkeit?

Was mit lebendigen Organismen geschieht, die sich ein Jahr in der Schwerelosigkeit befinden, untersucht derzeit ein Zwillingsexperiment der NASA. Dazu hält sich der US-amerikanische Astronaut Scott Kelly an Bord der Internationalen Raumstation (ISS) auf. Sein eineiiger Zwilling Mark Kelly sei auf der Erde zurückgeblieben, erklärt die ISS-Chef-Wissenschaftlerin Julie Robertson.

"Mark wird unsere Kontrollgruppe auf dem Boden sein. Durch ihn wollen wir verstehen, welche körperlichen Funktionen Veranlagung sind und welche Umwelteinflüssen unterliegen. Dazu werden sich zehn Wissenschaftler das Genmaterial der beiden Zwillinge daraufhin ansehen, ob die Umgebung der Schwerelosigkeit einen Einfluss hat auf die Gesundheit der Astronauten."

Mediziner wollen so Informationen für eine mehrjährige Mission zum Mars gewinnen. Das Zwillingsexperiment auf der ISS hat im März begonnen. Einen Monat zuvor, im Februar 2015, hatte das fünfte und letzte Automatische Transfer-Vehikel (ATV) von der Station abgelegt. Wie immer brachte es Nachschub zur ISS.

"Nach diesen 5 ATVs wurde ja beschlossen, dass es keine weiteren ATVs mehr geben soll. Statt Geld liefern wir Technologie, um sicherzustellen, dass wir auch europäische Astronauten auf die Raumstation bringen dürfen." 

Technologie in Form eines Service-Moduls für das neue US-amerikanische Orion-Raumschiff, wie Johann-Dietrich Wörner erläutert, der seit Juli Generaldirektor der Europäischen Weltraumagentur ESA ist.   

Feierabend für die Merkur-Sonde Messenger

Im Mai 2010 hatte Japan seine Raumsonde Akatsuki – "Morgendämmerung" – auf die Reise zum Morgenstern geschickt. Im Dezember desselben Jahres erreichte sie die Venus. Das Bremsmanöver jedoch misslang. Und so konnte der Planet die Sonde nicht in seinen Bann ziehen. Fünf Jahre lang hat Akatsuki nun die Sonne umkreist – solange, bis die Sterne wieder günstig standen. Das war im Dezember so weit. Mit fünf Jahren Verspätung wurde die japanische Sonde endlich von der Schwerkraft der Venus eingefangen und kann jetzt ihre Arbeiten aufnehmen. Feierabend hingegen machte die Merkur-Sonde Messenger.

"Unglücklicherweise wird der Einschlag für uns verdeckt erfolgen. Wenige Minuten vor ihrem Absturz wird die Sonde ein letztes Mal – von der Erde aus gesehen – hinter den Planeten fliegen. Dort, auf Merkurs Rückseite, wird sie zerschellen."

Die Ereignisse nahmen ihren Lauf, so wie von NASA-Systemingenieur Daniel O’Shaughnessy vorausgesagt. Doch Ablösung aus der Alten Welt steht bereit: In ein paar Monaten soll die europäische Merkur-Sonde BepiColombo starten. Aber das ist dann schon Stoff für eines der kommenden Weltraumjahre...

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