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Interview / Archiv | Beitrag vom 20.10.2014

RaubkunstHandel der IS-Miliz läuft auch über Deutschland

Laut NDR und "Süddeutscher Zeitung" hat die Terrormiliz IS den Verkauf von geraubter Kunst als sprudelnde Einnahmequelle entdeckt

Moderation: André Hatting und Marianne Allweiss

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Unterstützer der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) mit Fahne.  (AFP / TAUSEEF MUSTAFA)
Kämpfer der Terrormiliz IS: Waffenkauf durch Kunsthandel (AFP / TAUSEEF MUSTAFA)

Die Bundesregierung will den Handel mit illegal beschafften Antiquitäten wirksamer bekämpfen. Die Pläne sind laut NDR und "Süddeutscher Zeitung" auch eine Folge der Plünderungen und Raubgrabungen durch die Terrormiliz IS und dem Handel damit.

Für den "Islamischen Staat" (IS) und andere Terrorgruppen ist der Handel mit dem Raubgut eine wichtige Einnahmequelle. Deutschland müsse aufpassen, nicht zum Umschlagplatz zu werden, warnt Kulturstaatsministerin Monika Grütters jetzt. Laut dem Journalisten Volkmar Kabisch vom NDR ist das aber schon längst der Fall. Der Handel laufe auch zentral über Deutschland, sagte er im Deutschlandradio Kultur: "Das ist ein Markt, der seit Jahren sehr straff organisiert ist."

Laut der irakischen Regierung sei der Kunsthandel inzwischen eine Haupteinnahmequelle der Terrormiliz, so Kabisch. In dem Land habe der IS rund 2400 antike Stätten unter Kontrolle.

"Zahnloser Tiger": Laut NDR ist keine einzige Rückgabe auf Grundlage des sogenannten Kulturgüterrückgabegesetzes erfolgt

Grütters will nun das sogenannte Kulturgüterrückgabegesetz aus dem Jahr 2007 ändern, das sei überfällig. Laut NDR ist bisher keine einzige Rückgabe auf Grundlage dieses Gesetzes erfolgt. Jetzt sei geplant, dass fortan nur noch solche Kulturgüter nach Deutschland eingeführt werden dürfen, die über eine offizielle Ausfuhrlizenz des Herkunftslandes verfügen.

Das neue Gesetz soll aber offenbar erst Anfang 2016 in Kraft treten. "Das ist ganz schön spät", sagt Kabisch. Zumal wenn man sich anschaue, dass es eine Unesco-Konvention von 1970 gebe, die das Problem schon benenne. 2007 sei diese Konvention erst von der Bundesrepublik ratifiziert und in das Kulturgüterrückgabegesetz gegossen worden. Das sei aber ein "zahnloser Tiger". Schon bei der Einführung des Gesetzes hätten Kritiker darauf hingewiesen, dass es nicht ausreiche.

Mit dem Kunstraub befasst sich auch die Dokumentation "Das geplünderte Erbe" heute um 22:45 Uhr im Ersten.

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