Seit 18:30 Uhr Weltzeit
Montag, 21.06.2021
 
Seit 18:30 Uhr Weltzeit

Interview | Beitrag vom 25.05.2021

Rassismus in DeutschlandProbleme benennen statt sie zu verschieben

Josephine Apraku im Gespräch mit Stephan Karkowsky

Menschen demonstrieren gegen Rassismus während einer Demonstration zum Gedenken an die Opfer des Anschlags von Hanau, Potsdam, 22. August 2020.  (imago / Martin Müller)
Auch in Deutschland demonstrierten in den letzten Jahren immer mehr Menschen für Black Lives Matter und gegen Rassismus. (imago / Martin Müller)

Das Entsetzen über den Mord an dem Schwarzen George Floyd war und ist hierzulande groß. Doch werde damit nur verschleiert, dass Deutschland selbst Probleme mit strukturellem Rassismus habe, sagt Josephine Apraku vom Institut für diskriminierungsfreie Bildung.

Vor einem Jahr wurde der Afroamerikaner George Floyd in Minneapolis von einem weißen Polizisten ermordet. Darüber wurde auch in Deutschland sehr viel berichtet und der Rassismus in den USA scharf kritisiert.

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

Doch wie steht es mit dem Rassismus in Deutschland? Es gebe viele strukturelle Probleme, sagt Josephine Apraku, im Institut für diskriminierungsfreie Bildung gegen Rassismus engagiert.

Präsenz von Black Lives Matter in Deutschland

Apraku beobachtet ein zunehmendes Bewusstsein für Diskriminierung und eine deutlichere Präsenz der Black Lives Matter-Bewegung in Deutschland: Während in den Jahren 2016 und 2017 an den ersten Demonstrationen der Bewegung etwa 2000 Menschen teilgenommen hätten, seien es 2020 bei vergleichbaren Veranstaltungen schon an die 20.000 gewesen.

Das sei besonders bemerkenswert, weil die Möglichkeiten für Demonstrationen während der Pandemie eingeschränkt seien. "Gleichzeitig ist es aber so, dass durch die Pandemie noch mehr deutlich geworden ist, in was für einem Unrechtssystem wir eigentlich leben, und dass Gleichberechtigung – nicht ausschließlich mit Blick auf Rassismus, aber auch – ein großes Problem in unserer Gesellschaft darstellt", betont Apraku und fügt mit Blick auf die Berichterstattung über den Mord an George Floyd hinzu:

"Deutschland steckt sehr viel Arbeit hinein, Rassismusprobleme insgesamt in die USA zu verweisen und sich gleichzeitig aber auch davon abzuwenden."

Struktureller Rassismus bei der Polizei

Wie viel strukturellen Rassismus es aber auch in Deutschland gebe, zeige zum  Beispiel der oft geäußerte Wunsch, Rassismus bei der Polizei untersuchen zu lassen. Dort zeige sich Rassismus etwa in bestimmten Chatgruppen oder in Datenabfragen. Auch Innenminister Horst Seehofer habe dazu beigetragen, das Problem zu verschieben, indem er gefordert habe, "Deutschenfeindlichkeit zu untersuchen".

Ehrliche Anteilnahme sehe anders aus, so Apraku, sie würde bedeuten: "Wir schauen in den Spiegel und überlegen: Wie können wir eigentlich mit dem Rassismus hierzulande umgehen?" Das Institut für diskriminierungsfreie Bildung bekomme deutlich mehr Anfragen als früher von verschiedensten Organisationen, die das Thema in ihrer eigenen Institution angehen wollen. Fest steht für Apraku: Die Bekämpfung von Rassimus sei und bleibe ein Prozess, ohne festes Ergebnis.

(mkn)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Interview

Heike Geißler über die Bachmann-Jury"Das geht nicht"
Die Jury im Studio bei der Lesung von Heike Geißler. Die Schriftstellerin ist über Bildschirme zugeschaltet. (LST Kärnten / Johannes Puch)

Die Schriftstellerin Heike Geißler hat in Klagenfurt gelesen und übt nun deutliche Kritik an der Arbeit der Jury: Die Diskussion sei unfair und nicht auf den Text bezogen gewesen. Das sei aber das Mindeste, was Literaturkritik leisten müsse.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur