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Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 28.09.2020

Rassismus in den Niederlanden"Geh dahin, wo du herkommst!"

Von Nicole Graaf

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Demonstranten mit durch Klebeband verschlossenen Mündern und T-Shirts, auf denen steht: "Zwarte Piet ist Rasismus". (picture alliance / ANP / Evert Elzinga)
Demonstration gegen Rassismus in Amsterdam, insbesondere gegen die Figur des Zwarte Piet. (picture alliance / ANP / Evert Elzinga)

Tolerant und weltoffen - das waren die Niederlande einst. Heute ist das Klima rau geworden, Rechtsaußen hat aufgeholt. Was bedeutet das für die Niederländer, die nicht weiß sind, weil ihre Vorfahren aus den früheren niederländischen Kolonien kommen?

"Die Niederländer wissen nichts über die Sklaverei", sagt der 46-jährige Virgil Ernestina. Er kommt von der Karibikinsel Curaçao, die bis heute zum Niederländischen Königreich gehört. "In der Grundschule und nicht mal in der weiterführenden Schule wird das unterrichtet. Sie sprechen nur über die positiven Aspekte der Kolonialzeit, dass die Niederlande reich geworden sind durch den Seehandel. Aber wie das vonstatten ging, darüber sprechen sie nicht: dass Tausende Sklaven starben auf dem Weg nach Amerika und in die Karibik. Ich finde, das alles sollte schon in der Grundschule unterrichtet werden."

Kritische bis ablehnende Haltung gegen Zuwanderer

Im Ausland gelten die Niederlande zwar als sehr offen, tolerant und fortschrittlich. Von den gut ein Dutzend Parteien, die im Parlament vertreten sind, hat jedoch fast die Hälfte eine kritische bis ablehnende Haltung gegenüber Zuwanderung. Stärkste Kraft ist die Volkspartei für Freiheit und Demokratie des Ministerpräsidenten Mark Rutte. Sie verfolgt einen wirtschaftsliberalen Kurs aber gibt sich in gesellschaftlichen Fragen eher rechtskonservativ. So will sie zum Beispiel die Einwanderung begrenzen, die mehrfache Staatsbürgerschaft abschaffen und fordert von Einwanderern eine Assimilation an die niederländischen Werte.

So wie das Parteiprogramm formuliert ist, werden Einwanderer eher als Problem wahrgenommen. Zweitstärkste Kraft ist die Partei für die Freiheit des Rechtspopulisten Geert Wilders. Er hetzt immer wieder gegen Einwanderer, vor allem muslimische, und wurde dafür schon wegen Volksverhetzung verurteilt.

Mehrheit befürwortet Ethnic Profiling

Und eine Umfrage eines bekannten Meinungsforschers ergab, dass rund zwei Drittel der befragten Niederländer Ethnic Profiling gutheißen, wenn damit Straftaten verhindert werden können. Und das, obwohl es offiziell auch in den Niederlanden verboten ist. Nur rund ein Drittel empfand es als rassistisch.

Doch der Tod von George Floyd in den USA und die Debatte um die dortige Polizeigewalt gegen Schwarze hat auch in den Niederlanden wie in vielen europäischen Ländern etwas angestoßen.

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