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Kompressor | Beitrag vom 19.09.2019

"Rambo V" neu im KinoEin Überheld ohne Zwischentöne

Patrick Lohmeier im Gespräch mit Anwar Shanli

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Im Still aus "Rambo: Last Blood" legt Sylvester Stallone in der Rolle des Rambo die Flinte an und zielt. (Universum Film)
So kennt man ihn: Sylvester Stallone alias Rambo, die Flinte im Anschlag. (Universum Film)

Seit fast 40 Jahren ballert sich Sylvester Stallone als Rambo durch die Welt. Nun kommt Teil fünf der Action-Saga ins Kino. Kritiker Patrick Lohmeier ist angesichts so viel grotesker Gewalt etwas ratlos in seiner Empfehlung.

Einen gereiften, reflektierten und in sich gekehrten Rambo hatte Regisseur Adrian Grunberg seinen Fans vor der Veröffentlichung des fünften Teils der Saga um John Rambo versprochen. Einen Rambo, der auch mal seine Taten hinterfragt. Wie das konkret im aussieht?

Zumindest mal eine körperliche Reife kann Kritiker Patrick Lohmeier der Filmfigur und ihrem 73-jährigen Darsteller Sylvester Stallone bestätigen. "Sein Shirt ziehe er nicht mehr so oft aus wie früher. Man muss sagen, das Alter steht ihm gut." Nur mache der Film aus dem Thema nichts. Stattdessen sei Rambo nach wie vor eine Figur von fast übermenschlicher Heldenhaftigkeit.

Auch von den emotionalen Abgründen der Figur, die der Regisseur zeigen wollte, sei nichts zu sehen. "Was wir hauptsächlich sehen, ist zum Teil schon grotesk anmutende Gewalt, zumindest im Finale." Also alles wie immer.

Konsequent US-amerikanischer Patriotismus

Konsequent sind die Filme laut Lohmeier auch in ihrer reaktionären Haltung und in ihrer Verweigerungshaltung gegenüber aktuellen kulturpolitischen Entwicklungen und Debatten. "Rambo V - Last Blood" spielt in Mexiko, doch die Schauplätze sind austauschbar. Die Hauptsache ist, es bleibt bei der hegemonialen Vormachtstellung der USA, denn John Rambo ist ein ur-amerikanischer Held. Seine Gegner sind dagegen Figuren aus Entwicklungsländern oder aus Staaten, mit denen die USA in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt sind oder waren: Vietnam, Afghanistan, Russland. 

"Es gibt eine konsequente hegemoniale Sicht auf die nicht-westliche Welt. Die USA ist stets die politisch-kulturell überlegene Macht. Das lässt keine Zwischentöne zu."

Rassismus-Vorwürfe nachvollziehbar

Auch der oftmals verlautete Vorwurf des Rassismus sei nachvollziehbar. "Er wird aber etwas dadurch entschärft, dass die Feindbilder ab Rambo II ziemlich beliebig werden und die Filme zunehmend unpolitisch sind." Zeithistorischen Debatten wie jene über Rollenbilder oder toxische Männlichkeit gingen die Filme konsequent aus dem Weg. Dafür müsste auch erst einmal ein Dialog auf der Kinoleinwand stattfinden, bemerkt Lohmeier.

So unzeitgemäß, reaktionär in der Haltung und gewalttätig die Reihe auch sein mag: Sie ist gleichzeitig auch extrem erfolgreich. Wer also die alten Rambo-Streifen mochte, wird vermutlich auch dem neuen etwas abgewinnen können. 

(aba)

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