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Interpretationen | Beitrag vom 12.08.2018

Ralph Benatzkys Revue-Operette „Im weißen Rößl“Nur hübsch gemütlich?

Gast: Kevin Clarke, Musikwissenschaftler; Moderation: Uwe Friedrich

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Peter Alexander lehnt sich in einem Wirtshaus als Kellner zu einer Frau herunter und gibt ihr Empfehlungen aus der Speisekarte. (imago/United Archives)
Peter Alexander als Kellner Leopold in der Filmkomödie "Im weißen Rößl" von 1960. Der Film verhalf Ralph Benatzkys gleichnamiger Operette zum Ruhm. (imago/United Archives)

Auf diese Gelegenheit mussten wir lange warten: Peter Alexander in den "Interpretationen"! Das "Weiße Rößl" von Ralph Benatzky ist durch ihn populär geworden. Berüchtigt allerdings auch, denn der schnulzige Operettenstil der Nachkriegszeit ist nicht jedermanns Sache – und garantiert nicht im Sinne der Erfinder.

"Dein Herz, das hast du verloren" – und deine Unschuld gleich dazu: Die 1930 entstandene Operetten-Revue "Im weißen Rößl" von Ralph Benatzky (1884-1957) quillt geradezu über vor eindeutig-zweideutigen (homo-) sexuellen Anspielungen, die bei der Uraufführung in Berlin lustvoll auf die Bühne gebracht wurden. Was Erik Charell da mit äußerstem Aufwand und großem kommerziellen Erfolg produzierte, konnte man als anzüglich verstehen. Man musste es aber nicht.

Hier geht es zur Playlist der Sendung.

Die Nazis verboten die Operette

Brillant geschriebene Schlager wie "Im Salzkammergut, da kann man gut lustig sein" und "Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist" gingen in diversen Sprachen um die Welt – bis die Nationalsozialisten dieses angeblich "entartete" Werk von den Bühnen verbannten.

Hier Max Hansens Aufnahme des Stücks "Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist":

Die betuliche, klanglich aufgeplusterte Operettenästhetik der 1950er-Jahre entdeckte das "Weiße Rößl" zwar wieder, ebnete alles Kreative und Provokante der Vorlage aber ein – ungeachtet der Tatsache, dass die 1960 gedrehte Verfilmung mit Peter Alexander durchaus ihre Verdienste hat.

Staunen über angeblich "seichte" Musik

Aber wenn man sich dagegen heute die Aufnahmen aus den ersten Jahren dieser Musik anhört, wenn man die britischen, französischen und amerikanischen Weiterverarbeitungen dieser als seicht geltenden Musik erlebt, dann kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Lassen Sie sich überraschen!

Gast im Studio dieser Sendung, die wir aus dem Jahr 2012 wiederholen, ist der Musikwissenschaftler Kevin Clarke. Er ist Direktor des "Operetta Research Center Amsterdam" und hat sich unter anderem mit der "Operette und ihren schwulen Verehrern" beschäftigt.

Online-Bonus: Einige Szenen aus dem Film mit Peter Alexander:

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