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Im Gespräch | Beitrag vom 29.01.2020

Rahmenmacher Werner MurrerEin van Gogh aus der Mülltonne

Moderation: Britta Bürger

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Werner Murrer in seinem Atelier mit einem Bilderrahmen in der Hand. (Werner Murrer Rahmen / Jens Bruchhaus)
Fast vergessene Kunst: Werner Murrer hält das Handwerk des Rahmenmachens lebendig. (Werner Murrer Rahmen / Jens Bruchhaus)

Ob Raffael, Edward Munch oder Gerhard Richter – Werner Murrer hat ihren Werken die richtige Fassung verpasst. Seit 30 Jahren rahmt er in München Gemälde aus allen Epochen. Vor allem aber interessieren ihn die originalen Künstlerrahmen der "Brücke".

"Wir geben der Kunst den richtigen Rahmen", das ist das Motto der Kunst-Werkstatt von Werner Murrer. Der 60-Jährige gehört zu den führenden Köpfen seiner Branche. Weltweit gibt es nur wenige Experten, die sich damit beschäftigen. "Wo die Weltkunsthandelsmarktplätze sind, London und New York, da sind es drei Leute, die in der Form wie wir, das mitanbieten."

Die Leute haben keine Ahnung von Rahmen

Seit über 30 Jahren beschäftigt sich der gebürtige Münchener mit diesem Spezialgebiet. "Das Wissen um die Rahmen ist verloren gegangen, es interessiert niemanden", sagt Werner Murrer.

Er hat da seine Erfahrungen gemacht. Vielfach fischte Werner Murrer Originalrahmen von bekannten Künstlern aus der Mülltonne. Museen hatten diese einfach entsorgt. Selbst ein original bemalter Rahmen von van Gogh wurde noch in den 1970er-Jahren vom Stedelijk Museum in Amsterdam weggeworfen. "Es ist ein Unwissen. Und das ist kein Provinzmuseum, wo man sagen kann, der Hausmeister wusste es nicht besser."

Munchs Bilderrahmen auf dem Dachboden

Eines der aktuellen Projekte von Werner Murrer ist das neue Edvard Munch Museum in Oslo. Dort soll er die Bilder des Norwegers neu rahmen.

Und Werner Murrer hatte Glück. Während seiner Recherchen fand er viele Originale des Malers. "In seinem Sommerhaus waren originale Rahmen auf dem Dachboden versteckt."

Für alle 400 Gemälde, die das Museum besitzt, wird Werner Murrer ganz sicher nicht die Originalrahmen auftreiben. Er fertigt daher viele nach historischen Vorbildern. "Es sind schlichte, weiße Rahmen. Munch hat sehr für seine weißen Rahmen gekämpft, genauso wie van Gogh."

Aber welcher Rahmen passt denn überhaupt zu einem Bild, welche Kriterien setzt Werner Murrer da an? "Zur jungen Frau im Sommerkleid, ist natürlich ein weißer, leichter Rahmen ganz wunderbar. Bei einem stämmigen Männerportrait ist einfach ein schwerer Rahmen notwendig."

Der Rahmenmacher als Star

Die ersten Bilderrahmen tauchten um 1400 auf, besondere Bedeutung erlangten sie in der Renaissance. "Die Kunstwerke wurden unabhängig vom Bild gemacht. Die Rahmen waren in den Kirchen oft vorher, die Bilder wurden passend dazu gesucht. Da waren die Rahmenmacher höher angesehen, höher als die Künstler zu der Zeit."

Wie sehr Rahmen und Bild zusammengehören, das zeigt gerade eine Ausstellung im Brücke-Museum in Berlin. "Unzertrennlich. Rahmen und Bilder der Brücke Künstler", so der Titel. Kuratiert hat die Schau Werner Murrer. Vielleicht, so seine Hoffnung, kann er seinen Satz: "Das Wissen um die Rahmen ist verloren gegangen", danach sogar vergessen.

(ful)

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