Seit 17:05 Uhr Studio 9
Montag, 19.10.2020
 
Seit 17:05 Uhr Studio 9

Fazit | Beitrag vom 06.06.2020

Raffaels Wandteppiche in DresdenDie Revolution der Bildsprache

Stephan Koja im Gespräch mit Eckhard Roelcke

Beitrag hören Podcast abonnieren
"Der wunderbare Fischzug" - Bildteppich nach einem Karton von Raffael. (SKD, Foto: Herbert Boswank)
"Der wunderbare Fischzug" - Bildteppich nach einem Karton von Raffael. (SKD, Foto: Herbert Boswank)

Die Gemäldegalerie Alte Meister zeigt fünf Tapisserien des Renaissance-Künstlers Raffael. Eine Weberei in Brüssel fertigte sie nach seinen Entwürfen an. Kurator Stephan Koja erklärt, wie Raffael die Szenen auf ihren Ausdrucksgehalt verdichtete.

Aus Wolle und Seide hat der Renaissance-Künstler Raffael wertvolle Tapisserien, also Bildteppiche, geschaffen: Fünf davon sind nun in der Ausstellung "Raffael - Macht der Bilder. Die Tapisserien und ihre Wirkung" im Semperbau am Zwinger in Dresden zu sehen.

Ausstellungsansicht "Raffael - Macht der Bilder. Die Tapisserien und ihre Wirkung." Gemäldegalerie Alte Meister.  (SKD, Foto: Alexander Peitz)Blick in die Ausstellung "Raffael - Macht der Bilder. Die Tapisserien und ihre Wirkung" in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden. (SKD, Foto: Alexander Peitz)

Raffael habe mit diesen Teppichen die bis dahin gängige Vorgehensweise revolutioniert, sagt Stephan Koja. "Anstatt die Fläche mit dekorativen Einzelheiten zu füllen, schafft er wenige, große, monumentale Figuren, die mit sprechenden Gebärden interagieren. Man kann ihnen förmlich zusehen, wie sie sprechen und aufeinander reagieren", sagt der Kurator der Ausstellung und Direktor der Gemäldegalerie Alte Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Tapisserien - Mittel der Repräsentation und Legitimität

Der Renaissance-Künstler war vom Medici-Papst Leo X. beauftragt worden, die beiden Apostelfürsten Petrus und Paulus in einer Serie von Tapisserien zum Thema zu machen. Dabei musste er sich an der Architektur der Sixtinischen Kapelle orientieren, wie Koja erklärt. "Der Auftrag geht an ihn, weil sich Leo X. von seinem Vorgänger Julius II. absetzen will. Der hatte dieses großartige Deckenfresko von Michelangelo in Auftrag gegeben." 

Und Leo X. wollte dem etwas noch Kostbareres entgegensetzen. "Das ist eben die Technik der Tapisserie." Solche Teppiche dienten damals als Mittel der Repräsentation und der Legitimität - mit ihnen konnte man den eigenen Wohlstand zur Schau stellen, "denn sie sind unglaublich aufwendig".

"Das Opfer zu Lystra" - Bildteppich nach einem Karton von Raffael. (SKD, Foto: Herbert Boswank)"Das Opfer zu Lystra" - Bildteppich nach einem Karton von Raffael. (SKD, Foto: Herbert Boswank)

Doch Raffel webte die Tapisserien natürlich nicht selbst. Dafür hatte er eine Weberei in Brüssel. Seine Entwürfe malte er mit Kreide und Kohle auf Kartons, wie Koja erklärt. Diese wurden dann in Streifen geschnitten und nach Brüssel in die Werkstatt von Pieter van Aelst geschickt. "Der eigentliche Raffael ist der Karton", sagt Koja. Doch die Weber hätten teilweise nichts mit den vorgegebenen freien Flächen Raffaels anfangen können und hätten die Flächen teils mit Gegenständen gefüllt, wie Koja erklärt.

Durch Verdichtung sprechende Gesten schaffen

Die Genialität Raffaels bestehe darin, so Koja, "Szenen so auf ihren Ausdrucksgehalt zu verdichten, also wirklich sprechende Gesten zu schaffen, die Dramatik so zu steigern, dass augenscheinlich wird, was hier vorfällt". Als besonders gelungenes Beispiel führt Koja das Werk "Der wunderbare Fischzug" an. So heißt das Werk, das eine Szene aus der Bibel aufgreift, in der erfahrene, aber erfolglose Fischer und Petrus in einem Mann, der ein Wunder vollbringt, den Messias erkennen, woraufhin Petrus vor ihm auf die Knie fällt.

Stephan Koja, Direktor der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister. (picture alliance / dpa / Arno Burgi)Stephan Koja, Direktor der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister. (picture alliance / dpa / Arno Burgi)

Die Ausstellung "Raffael - Macht der Bilder. Die Tapisserien und ihre Wirkung" ist im Semperbau am Zwinger in Dresden.

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsAngst vor dem Ende des Liberalismus
Die Journalistin Bari Weiss. (Brian Cahn / ZUMA Press / imago images)

Die Journalistin Bari Weiss verließ vor ein paar Monaten die "New York Times", weil ihr der dortige Meinungskorridor zu eng war. Nun schreibt sie in der „Welt“ über die "Gefahr", die von links ausgeht. Immerhin: Gegen Trump ist sie auch.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur