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Aus der jüdischen Welt / Archiv | Beitrag vom 06.09.2019

Rafael Seligmann "Lauf, Ludwig, lauf!"Die letzten goldenen Jahre des deutsch-jüdischen Miteinanders

Von Marie Wildermann

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Cover des Buchs "Lauf, Ludwig, lauf!" von Rafael Seligmann (LangenMüller / Deutschlandradio)
In "Lauf, Ludwig, lauf!" begibt sich Schriftsteller Rafael Seligmann auf die Spuren seiner Familiengeschichte. (LangenMüller / Deutschlandradio)

In "Lauf, Ludwig, lauf!" porträtiert Rafael Seligmann seinen Vater Ludwig: Der erste Teil der geplanten Trilogie handelt von dessen Kindheit und Jugend in Süddeutschland. Bis allmählich der Antisemitismus zunimmt und die Familie in Gefahr gerät.

Nach dem Ersten Weltkrieg kam der Großvater von Rafael Seligmann psychisch kaputt zurück. Er war nicht mehr in der Lage, die Familie zu versorgen. Deshalb mussten die großen Söhne, Ludwig und Heinrich, die Schule abbrechen und eine Lehre beginnen.

Sie übernahmen ein wenig später das Geschäft des Vaters und verkauften von da an Textilien auf dem bayerischen Land. So gelang es ihnen, die sechsköpfige Familie zu ernähren.

Der Judenhass nimmt zu

Langsam steigt der nationalsozialistische Judenhass auf und die anfänglich verbale Gewalt schlägt bald in physische Angriffe über. Die Familie Seligmann soll kurz nach der Machtübernahme Hitlers zerstört werden, denn Ludwig Seligmann führt eine Beziehung zu einer sogenannten arischen Deutschen, das wird "Rassenschande" genannt.

Schriftsteller Rafael Seligmann (l) im Gespräch mit dem Vorsitzenden des Zentralrates der Muslime Deutschlands, Aiman Mazyek  (picture alliance / dpa / Soeren Stache)Werben für Toleranz: Schriftsteller Rafael Seligmann (l) im Gespräch mit dem Vorsitzenden des Zentralrates der Muslime Deutschlands, Aiman Mazyek. (picture alliance / dpa / Soeren Stache)

Doch ein Freund in der Ichenhausener Fußballmannschaft, der bei der Polizei arbeitet, warnt die Seligmanns, die daraufhin sofort fliehen.

Vom jüdischen Leben auf dem Land

Das Buch basierst auf Erinnerungen von Rafael Seligmanns Vater und stellt auch persönliche Aspekte in den Vordergrund. Zum Beispiel leidet der Vater über Jahrzehnte daran, dass er als Jugendlicher eine Affäre mit der Frau des Kantors geführt hat. Zu erotischen Szenen kommt es aber, anders als in "Die jiddische Mamme" und "Der Musterjude" nicht.

Rafael Seligmann bleibt bei den Fakten, er hätte zwar natürlich auch ein paar Szenen erfunden: "Aber es ist ein ehrliches Buch. Weder Figuren noch die Geschichte wird verfälscht!"

Das neue Buch handelt vom Alltag der kleinen jüdischen Leute auf dem Land in Bayern, das Miteinander von Juden und Christen und wie der Nationalsozialismus alles vergiftete.

Die nächsten Bände der geplanten Trilogie handeln dann unter anderem von der Rückkehr der Familie nach Bayern.

Rafael Seligmann: "Lauf, Ludwig, lauf! Eine Jugend zwischen Synagoge und Fußball"
Langenmüller, August 2019
320 Seiten, 24 Euro

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