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Fazit / Archiv | Beitrag vom 29.10.2019

Rafael Horzon gegen WikipediaDer Begriff "Künstler" als Geschäftsschädigung

Rafael Horzon im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

Der Designer Rafael Horzon vor seiner Produktlinie "Dämm&Deko" (Verena Gillmeier / Horzon GmbH)
Sieht sich als Dienstleister, nicht als Künstler: Rafael Horzon (Verena Gillmeier / Horzon GmbH)

Viele finden es erstrebenswert, Künstler genannt zu werden. Nicht so der Möbeldesigner Rafael Horzon. Der möchte es Wikipedia per Unterlassungsklage untersagen, ihn als Konzept-Künstler zu bezeichnen. Unter anderem aus wirtschaftlichen Gründen.

Rafael Horzon hat schon so einiges gemacht. Er hat eine private Wissenschaftsakademie gegründet, eine Trennungsagentur betrieben und einen Verlag gegründet.

Vor allem aber entwirft er formschöne Gebrauchsmöbel und lässt sie bauen. Rafael Horzon ist Unternehmer, hat eine Möbelfirma mit 20 Mitarbeitern und gerade einen neuen Laden in Berlin eröffnet.

Drohen mit der Unterlassungsklage

Ein Konzept-Künstler aber will er nicht sein. Und weil das auf seiner Wikipedia-Seite behauptet wird, droht er dem Internet-Lexikon mit einer Unterlassungsklage.

Das habe unter anderem handfeste wirtschaftliche Gründe, sagt der Möbeldesigner: "Wenn man mich googelt, um sich zu vergewissern, ob die Möbel auch was taugen, kommt als Erstes dieser Wikipedia-Eintrag und wenn da steht 'Künstler', nimmt man das Ganze vielleicht nicht mehr so ernst."

Der Begriff Künstler sei geradezu geschäftsschädigend und so habe es seine Anwältin, die die Klage gegen Wikipedia vorbereitet hat, auch formuliert. 

Auf Wikipedia gesperrt

Eine Zeitlang habe er seinen Wikipedia-Eintrag immer selbst geändert und das Wort 'Künstler' gestrichen, aber: "Das geht nur, solange man dort nicht gesperrt ist, und ich bin jetzt von Wikipedia gesperrt, also sozusagen mundtot gemacht worden und kann meinen eigenen Beitrag nicht mehr korrigieren", so der 50-Jährige.

Es könne nicht sein, dass Wikipedia sich anmaße, darüber zu entscheiden, wer Künstler oder wer nicht Künstler ist, meint Horzon: "Das kann eigentlich nur der Mensch tun, um den es geht, und das bin in dem Fall ich."

Er sei ein Dienstleister, kein Künstler, betont Horzon: "Ich muss erfahren, was die Menschen gerne hätten, z. B einen Tisch oder einen Stuhl und dann versuche ich einen Tisch und einen Stuhl zu entwerfen, der diesem Bedürfnis entspricht, denn ich will ihn ja verkaufen."

Unterlassungsklage taucht im Artikel auf

Die Unterlassungsaufforderung wurde vor elf Tagen gestellt und wird auch schon im Wikipedia-Artikel erwähnt, allerdings als Strategie verbucht. Er werde aber nicht aufgeben, sagt Horzon: "Die Rechtsanwältin wird noch mal an Wikipedia schreiben, sie hat bisher nur ein floskelhaftes Antwortschreiben bekommen, aus dem hervorgeht, dass die Wikipedia die Verantwortung dafür ablehnt, was ihre Autoren dort schreiben."

Es gebe allerdings ein Urteil, das besagt, dass Wikipedia sehr wohl für die Äußerungen der Autoren verantwortlich sei und somit, so Horzon, in Haftung genommen werden könne.

(beb)

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