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Fazit / Archiv | Beitrag vom 22.08.2013

Rätselhafter Goldschatz aus der Bronzezeit

Ausstellung im Landesmuseum Hannover

Von Volkhard App

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Der Goldschatz aus dem niedersächsischen Gessel (picture alliance / dpa)
Der Goldschatz aus dem niedersächsischen Gessel (picture alliance / dpa)

Der "Goldschatz von Gessel" ist 1,7 Kilogramm schwer und stammt aus dem 14. Jahrhundert vor Christus. Vermutlich wurde er in Zentralasien gefertigt. Doch wer ihn vergraben hat, wird wohl für immer unklar bleiben. Es könnte sich um eine Opfergabe handeln - oder Diebesgut.

Wieweit hat sich der Schönheitssinn im Laufe der Jahrtausende verändert? Die nun ausgestellten, beim Bau der Erdgas-Pipeline gefundenen Goldteile begeistern jedenfalls auf den ersten Blick: Es sind 114 meist aneinander gesteckte Spiralen, zwei Armringe und eine Gewandspange. Gebündelt war diese Hinterlassenschaft aus dem 14. Jahrhundert vor Christus einst in einem Stück Leinen, das von Bronzenadeln zusammengehalten wurde Die wichtigsten Fragen jedoch, die jeder zu diesem sensationellen, 1,7 kg schweren Goldschatz stellen wird, lassen sich kaum beantworten.

Kuratorin Babette Ludowici: "Wer diesen Goldschatz vergraben hat, ist eine Frage, die wir sehr wahrscheinlich nie werden beantworten können. Es ist vorstellbar, dass der Eigentümer dieses Gold versteckt hat in unruhigen Zeiten, aus welchen Gründen auch immer. Es ist möglich, dass das Gold als Opfergabe an die Götter im weitesten Sinne verborgen worden ist. Es ist auch möglich, dass jemand dieses Gold gestohlen und dann versteckt hat. Wir haben also eine ganze Palette an Deutungsmöglichkeiten."

Fern von Siedlungen und Gräbern wurde dieses Gold gehortet. Dabei stellt sich wegen des kostbaren, wahrscheinlich aus Zentralasien stammenden Materials und seiner feinen Verarbeitung sofort die Assoziation "Schmuck" ein:

"Das Wenigste in diesem Schatz ist Schmuck. Drei von insgesamt 117 Einzelteilen sind in der Tat Schmuckstücke. Alles andere sind Golddrähte, die zu normierten Spiralen verschiedener Größe gewickelt wurden. Und die hat man, das ist das Besondere beim ‚Goldschatz von Gessel‘, zu Ketten zusammengefügt. Aber auch die Ketten dienten nicht als Schmuckstücke, man muß sie sich eher als eine Art Währung oder als Barren vorstellen."

Diese Spiralen könnten im Handel eine wichtige Rolle gespielt haben.

Zum Golde drängt, am Golde hängt alles. So auffällig ist diese kräftig vermarktete Museumspracht, dass mancher Besucher womöglich an den anderen, entlang der Strecke ausgegrabenen Stücken zu schnell vorbeigeht: an Bestandteilen von Webstühlen, an Urnen, Mahlsteinen und Getreidekörnern – ja, auch davon haben sich einige erhalten. Diese Zeugnisse versunkener Siedlungen und Dokumente einer überwucherten Kultur aber sind für die Archäologen mindestens von derselben Bedeutung wie der "Goldschatz von Gessel":

"Weil uns diese Dinge Informationen liefern über das Leben der ganz einfachen Menschen. Das Gold stammt aus den Händen der bronzezeitlichen Eliten. Über das Leben der ganz einfachen Leute vor Ort, der Bauern, geben uns Webgewichte Auskunft, schlichter Schmuck aus Bronze oder verkohltes Getreide."

Ergänzt werden die eindrucksvoll beleuchteten Funde durch Objekte aus der Museumssammlung, darunter sind gediegene Goldarbeiten. Auch an Informationen über das Bauprojekt fehlt es nicht, die Zusammenarbeit zwischen industriellen Planern und Archäologen wird allenthalben gelobt. Mit der weiteren Untersuchung der zu Tage geförderten Stücke lassen sich die Fachleute im übrigen Zeit. Wir werden noch eine Weile warten müssen auf weitere Nachrichten aus der fernen Vergangenheit:

"Die Archäologie ist eine sehr langsame Wissenschaft. Sie verlangt viel Geduld – bis wir wirklich alle Ergebnisse transferiert haben in kulturhistorische Erkenntnisse, werden buchstäblich Jahre ins Land gehen."

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