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Kompressor | Beitrag vom 18.09.2020

Radiowalk um das Humboldt-ForumNicht alles, was rein soll, gehört auch hinein

Lorenz Rollhäuser im Gespräch mit Max Oppel

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Fassade des Berliner Stadtschlosses mit den Skulpturen der Schlossbrücke, rechts und links im Bild. (imago images / Travel-Stock-Image)
Erneuerung durch Abriss: Aktivistinnen und Aktivisten fordern, das Humboldt-Forum abzubauen, als einen Prozess der Dekolonisierung. (imago images / Travel-Stock-Image)

Bislang gibt es im Humboldt-Forum noch nichts zu sehen, dafür aber viel zu hören. Lorenz Rollhäuser hat einen Radiowalk zu Dekolonisierung, Raubkunst und Restitution rund um das nachgebaute Berliner Stadtschloss geschaffen.

Das Humboldt-Forum in Berlin ist die teuerste Kulturbaustelle Deutschlands: 644 Millionen Euro kostet die Wiedererrichtung des ehemaligen Berliner Stadtschlosses. Nun wird es wahrscheinlich im Dezember eröffnet. Die ethnologischen Sammlungen, die insgesamt 500.000 Exponate umfasst und bisher in Berlin-Dahlem zu sehen war, wird aller Voraussicht nach in der ersten Jahreshälfte 2021 folgen.

Verein von weißen Männern

Noch kann man das Museum in der Mitte der Hauptstadt nicht betreten, doch kritische Stimmen gibt es bereits viele. Seit Jahren wird über das koloniale Erbe gestritten, das im Humboldt-Forum ausgestellt werden soll. Nun ist ein Radiowalk erschienen rund um das Berliner Stadtschloss, in dem die Debatte um Raubkunst, Restitution und Dekolonisierung aufgegriffen wird. Die Stimmen für diesen akustischen Rundgang hat der Journalist Lorenz Rollhäuser zusammengestellt, zu hören sind sie im Rahmen des Projektes "Große Geste Weiße Welt" von Deutschlandfunk Kultur.

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Rollhäuser sieht das Konzept des Humboldt-Forums, im Nachbau des Hohenzollern-Schlosses die sogenannten Weltkulturen auszustellen, sehr kritisch: "Das waren alles Ideen von weißen Männern. Die ganze Stiftung Preußischer Kulturbesitz ist hauptsächlich ein Verein von weißen Männern. Ich glaube, solange da nicht Verantwortung aus dem Apparat heraus abgegeben wird, wird sich auch nicht wirklich was Interessantes im Humboldt-Forum tun." Gleichwohl gebe es auch Menschen im Humboldt-Forum, die an einer modernen Arbeit interessiert seien, so Rollhäuser.

Verantwortung abgeben

Und so kommen in seinem Audiowalk auch Stimmen zu Wort, die radikale Forderungen erheben. Beispielsweise die Kulturwissenschaftlerin Noa K. Ha, die als Schritt der Dekolonisierung anregt, das Humboldt-Forum abzubauen. Rollhäuser findet, dass über solche Forderungen nachgedacht werden sollte:

"Ich weiß auch nicht, wie man aus den Grundwidersprüchen dieses Projektes rauskommen will. Es sei denn, man ist wirklich bereit zu sagen: 'Okay, jetzt sind wir da, wo wir sind und geben wirklich Verantwortung an eine jüngere Generation ab.'" Das Projekt sei vor 25 Jahren entwickelt worden, heute sei das Wissen über Kolonialismus viel weiter, so der Journalist.

Der Radiowalk ist ab dem 19. September in der App "miniatures for mobiles" verfügbar. Bei dem Rundgang werden die Nutzenden darüber informiert, wohin sie gehen und wo sie anhalten sollen.

(rzr)

Lorenz Rollhäuser und Deutschlandfunk Kultur-Redakteurin Katrin Moll laden am 25. September um 16 Uhr zu einem Radiowalk mit anschließendem Gespräch ein. Interessierte können sich dafür bis zum 23. September unter veranstaltung@deutschlandfunkkultur.de anmelden.

Das Feature "Haus der Weißen Herren" von Lorenz Rollhäuser können Sie hier nachhören:

Fazit

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