Samstag, 17.11.2018
 

Kompressor | Beitrag vom 01.11.2018

"Radiophonic Spaces" im Haus der Kulturen der WeltEin begehbares Archiv der Radiokunst

Erek Cevdet im Gespräch mit Timo Grampes

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Der Künstler und Musiker Cevdet Erek, der das Projekt "Radiophonic Spaces" in Basel, Berlin und Weimar mitgestaltet hat. (Timur Alexander El Rafie)
Cevdet Erek, Künstler, Musiker und Performer: (Timur Alexander El Rafie)

In Berlin lädt das Projekt "Radiophonic Spaces" dazu ein, Radiokunst aus 100 Jahren mit einer App im Gehen zu erleben. Der türkische Künstler Cevdet Erek, der an dem Projekt mitgearbeitet hat, spricht von einem Ozean aus Tönen.

Ein Projekt zur Radiokunst macht derzeit Station im Berliner Haus der Kulturen der Welt, das begehbare Radioarchiv "Radiophonic Spaces". Vor rund 100 Jahren begann das Radio Hörgewohnheiten zu verändern und die Kulturtechnik des Sendens und Empfangens zu revolutionieren. Die Digitalisierung sorgt nun für einen neuen Umbruch. Radiokunst findet nun auch in anderen Medien statt, die Konstellationen beim Senden und Empfangen vervielfachen sich.

In den "Radiophonic Spaces", den radiophonen Räumen also, lassen sich mehr als 200 Werke der Radiokunst aus 100 Jahren hören und erforschen. 

Radio visualisieren

Der Architekt, Künstler und Musiker Cevdet Erek ist einer der Gestalter des Radioraumes und sagt, die Macher von "Radiophonic Spaces" hätten ihr Projekt bewusst nicht Ausstellung genannt. Zwei Probleme, die sie bewältigen mussten: Wie findet man die Töne und wie stellt man sie dann in einen Raum:  

"Der Besucher bekommt erstmal einen Kopfhörer und eine Art handybasierte App und läuft dann in dem Raum von einer Klangarbeit zur nächsten und kann eine Auswahl treffen", beschreibt Erek, wie das Team versucht habe, Radio zu visualisieren. 

Letztlich seien es praktisch Funkgeräte, die überall im Raum an Drähten und Kabeln hingen. Optisch fühle man sich an ganz alte Funkgeräte aus der Radio-Urzeit erinnert. Die Klangerfahrung erinnere an eine Autofahrt und immer wieder wechsle der Sender – aber der Autofahrer könnte natürlich auch über die Frequenz gehen und den Sender bewusst auswählen. "Das ist praktisch die traditionelle Radiotechnik, die wir damit visualisieren wollen."

Werke aus 100 Jahren Radiokunst

Mit der App könne der Besucher dann die Radiokunstwerke gruppieren, denn 100 Jahre Radiogeschichte seien geradezu ein Ozean aus Tönen: Das seien Tonexperimente, mit denen die Radiogeschichte begonnen habe, Tondokumente aus dem Alltag, aus der Natur, aus der Stadt, das ganze Spektrum der Musik, Lieder, Songs, Oper, Radio-Oper.

Dieses breite Spektrum habe man berücksichtigen wollen, sagt Erek. In dem physischen Raum gehe es darum, das erlebbar zu machen: "Und immer, wenn sie eine Epoche verlassen, werden sie darauf hingewiesen 'Sie verlassen jetzt dieses Gebiet'."

In einer Performance heute Abend, ko-produziert vom Deutschlandfunk Kultur, experimentiert Erek und macht aus einzelnen Samples ein lineares Stück, das dann wieder eine Sounddatei wird und sich im Radio abspielen lässt. In der Sendung Klangkunst in der Nacht vom 22. auf den 23. November 2018 wird dieses Stück zu hören sein.

Radio in Ereks Leben

Radio habe während seiner Kindheit im Familienleben in Istanbul eine große Rolle gespielt, sagt Erek, wobei die einzelnen Familienmitglieder immer andere Interessen gehabt hätten. Er sei als Teenager über das Radio zu einem Musikliebhaber geworden und er habe sehr viel mit Tönen und Musik experimentiert. 

"Als Künstler und Musiker habe ich dann irgendwann angefangen, selbst im Radio aufzutreten. Mal mit längeren Performances, mal im Gespräch. Und jetzt, durch dieses Projekt in den letzten anderthalb Jahren, habe ich mich natürlich erinnert an meine Hörerlebnisse aus frühester Jugend und habe auch versucht, eine gewisse Ordnung da hineinzubekommen."  
(mf)
In unserer Sendung "Fazit" vom 23. Oktober 2018 hat Moderator Vladimir Balzer mit der Kuratorin von "Radiophonic Spaces", Nathalie Singer, gesprochen. An diesem Tag eröffnete das Radioarchiv im Museum Tingeluy in Basel. Im Sommer 2019 gastiert es dann an der Universitätsbibliothek Weimar. Dort hat Singer den Lehrstuhl für EXperimentelles Radio an der Bauhaus-Universität inne.
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