Hörspiel, vom 12.04.2020, 18:40 Uhr

Radiokunst im Aufnahmezustand Staffel #3Common Grounds

In Zeiten der Selbstisolation scheint es umso wichtiger, über Solidarität jenseits der eigenen vier Wände, des sozialen Umfelds oder der Landesgrenzen nachzudenken und Möglichkeiten des Zusammenlebens zu entwerfen, die sich einer Politik der Ab- und Ausgrenzung entgegensetzen.

Vogelperspektive auf die Zimmer eines Hauses, dessen Dach abgerissen wurde. (Foto: Philine Rennert)
Wie kann Solidarität jenseits der eigenen vier Wände aussehen? (Foto: Philine Rennert)

Freundliche Mitte beschäftigen sich in COMMON GROUNDS mit dem öffentlichen Raum und seiner Benutzung als "Grundrecht" der Gesellschaft. In fünf Folgen werden fünf unterschiedliche Orte gemeinsam begangen und - musikalisch, literarisch sowie in Form von Interviews - kartiert: Von historischen Formen der Gemeinschaft wie der Allmende über die gerne vergessenen "Ränder" Europas bis zur deutschen Großstadt und hin zu spielerischen Entwürfen einer möglichen Zukunft. COMMON GROUNDS fragt danach, was sie denn ist, diese sogenannte Solidarität, und wie sich der Begriff in eine Lebenspraxis überführen ließe, die nicht an Landes- oder Einkommensgrenzen scheitert.

COMMON GROUNDS ist eine Arbeit des Theaterkollektivs Freundliche Mitte, das - rund um den Musiker Bernhard Fleischmann, die Bühnenbildnerin und Künstlerin Philine Rinnert und die Autorin Gerhild Steinbuch - Initiativen, Vereine und Expert*innen unterschiedlichsten Alters und Backgrounds in einem kollektiven Arbeitszusammenhang verbindet. Das gemeinsame Aushandeln und die solidarische Arbeitspraxis finden dabei auch thematisch Eingang in die Projekte, die sich immer auch explizit politisch positionieren.

Zwei leere Dreier-Stuhlreihen stehen auf einem verlassenen Gelände neben einer Autobahnauffahrt. (Foto: Philine Rinnert)Was ist sie denn, die sogenannte Solidarität? (Foto: Philine Rinnert)

Text: Gerhild Steinbuch
Musik: b. fleischmann
Regie: Philine Rinnert
Sprecherin: Katharina Bach
Interviews: Pegah Ghafari, Victoria Kremer, Benjamin Krieg, Stephan Langer, Mirjam Papouschek, Christina Raab, Anna Starzinger


Folge 1: Jetzt gehts vorwärts

Folge eins beginnt mit dem Entwurf einer Weltkarte. Im Zentrum steht, wenig überraschend, der gute alte Europäer, der sich selbst in die Mitte gestellt hat. Ein Ich läuft durch eine Stadt und denkt über andere Wege nach als die altbekannten. Es fragt sich, was sie denn ist, diese sogenannte Solidarität, und ob das wirklich reicht, wenn sie beim Gefällt-mir-Button endet - und entwirft ein neues Spielfeld.

Folge 2: Commons

Folge zwei macht einen Schritt zurück: Aber nicht in verklärte Vergangenheitswelten, sondern zu ursprünglichen Formen von gemeinschaftlicher Landnutzung - zur Allmende - und fragt davon ausgehend danach, wovon wir sprechen, wenn wir von Gemeinschaftsgütern sprechen. Ist Arbeit immer gleich Produktion? Wer verrichtet eigentlich die ganzen Care-Arbeiten? Und was heißt Kümmern, wenn wir über unsere eigene solidarische Praxis nachdenken?

Folge 3: Räume träumen

In Folge drei entwerfen wir ausgehend von der Anordnung bei Monopoly gemeinsam ein Spiel: Stell dir vor, du hast ein Spielbrett vor dir, ähnlich einer Landkarte. Die verschiedenen Felder können wie bei Monopoly gekauft, bebaut aber auch ganz anders genutzt werden.Wie sieht das Spielbrett aus? Was sind die einzelnen Spielfelder? Gibt es Ereigniskarten? Gemeinschaftskarten? Und wie endet das Spiel?

Folge 4: Manchmal hab ich so eine Wut dass ich die ganze Zeit nur kotzen könnte

Wir befinden uns wieder in der Gegenwart, beim guten alten Mitteleuropäer, der in der Mitte der Karte weilt und sich da schön einkuschelt. Links und rechts sterben Menschen weg, während er seine Grenzen immer enger zieht und den Privilegienabbau fürchtet. Folge vier ist eine wütende Rede gegen das allzu bequeme Einheimeln im Flausch, gegen erhöhte Wichtigkeitsgefühle und Standplatzbedürfnisse. Gegen eine Gesellschaft, die sich weder für Opfer noch für Überlebende interessiert. Sondern ausschließlich für sich selbst.

Folge 5: Coda

Wo gehen wir hin, wenn der Text, der Sound zu Ende sind? Einfach los - oder ist dann alles wie immer? Wie steigen wir runter vom bekannten Weg? Und welche Wege können wir gemeinsam neu finden? Vielleicht geht es auch darum, einfach erst mal loszugehen. Damit da überhaupt was sein kann, was nicht einfach bloß man selbst ist.

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